Für die Palette schwerer, oft französisch anmutender Weine aus der Spitzenlinie „Dr. Heger“ baut Joachim Heger auf rund 11 ha der Kaiserstühler Toplagen Achkarrer Schloßberg und Ihringer Winklerberg weiße Burgunder, Riesling, Silvaner, Muskateller und Gewürztraminer an. Klein die Auswahl an Spätburgundern, breit ihr Spektrum: von hellen, schon vollmundigen Weinen aus der „Mimus“-Linie bis hin zu fast schwarzen, eichenholzgereiften, saftig-dicken Selektionsweinen. Das sind Weine für die gehobene Küche und den entsprechenden Anlaß, für die Brotzeit zu schade. Winterweine. Nichts für Einsteiger. Die Weine brauchen Zeit, sich zu entwickeln und haben das Lagerpotential dafür. Deshalb werden Kritiken erst folgen, wenn unsere Bestände uns reif genug erscheinen.

Weingut Dr. Heger

Bei der 2008 Novis Rotweincuvee trocken aus Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot war es im Winter 2014 so weit: im Duft Waldboden, Champignons, etwas Gummi, Pflaume und viel schwarze Johannisbeere. Auf der Zunge dicht, samtig und gerade noch trocken. Geschmacklich von schwarzer Johannisbeere dominiert, daneben wieder Pflaume und ein Potpourri von Wintergewürzen wie Piment und Gewürznelke. Ist mit seinen nun sechs Jahren vollkommen frisch, lebendig und mit seiner Süße geradezu süffig, ist aber das Gegenteil eines duftig-leichten Weines.

Im Frühsommer 2015 folgten zwei "Große Gewächse": der 2008 Ihringer Winklerberg Spätburgunder *** Barrique trocken "Großes Gewächs“ wirkt schon im Duft schwer, süß, rote Waldfrüchte, leicht Vanille und eine angenehm würzige Note von Laubfeuer. Im Mund überraschend sanft, dann schnell zupackend nimmt er alle Sinne fest in den Griff. Tiefe und rotfruchtige Aromatik von Cassis und nicht zu süßen Kirschen. Stilistisch saftig, samtig, stark. Damals bei der Jungweinprobe kräftige, aber nicht unharmonische Tannine, heute perfekt rundgeschliffen. Was fällt uns zu diesem Wein der deutschen Spitzenklasse sonst noch ein? Erstens: auf der Zunge macht der *** den Eindruck, daß er seinen Höhepunkt noch lange nicht erreicht hat; treffen wir uns also in fünf Jahren wieder. Zweitens: klassischer Wildbegleiter, alleine viel zu voluminös, außerdem sorgfältige, im Zweifel kühlere Temperierung empfohlen. Drittens: preislich am oberen Ende dessen, was man für diese Qualität bezahlen sollte. Viertens: verglichen mit den burgundischen Counterparts immer noch ein Schnäppchen. Das gilt auch für den 2010 Ihringer Winklerberg Grauburgunder *** trocken „Großes Gewächs“: im Duft gelbe Früchte wie Birne und Mirabelle, im Mund dick, betörend süß und tief, typische gelbe Früchte, mineralische und kräuterige Noten, salziger Abgang, insgesamt gerade noch transparent - soweit alles erwartet und doch immer wieder ein sinnliches Erlebnis. Was den Wein besonders macht, ist der schwere Körper mit einem Säurespiel, das erwachsen wurde, also nicht mehr um sich beißt, sondern den Speichelfluß anregt, den Wein lebendig, süffig, saftig macht. Der *** umschmeichelt die Zunge, bleibt endlos haften, verabschiedet sich sanft und lang. Kein Dessertwein, er braucht härtere Gegner: Joachim Heger empfahl damals gegrillten Fisch zur Begleitung, das funktioniert auch heute noch, und vielleicht mag man mit Austern experimentieren oder mit Wild oder mit rein gar nichts. Wie auch immer: eilig hat es der *** mit dem ausgetrunken werden nicht.

Weinhaus Heger

Geschmacklich und preislich leichter zu verdauen sind die fruchtigen Weine aus der Linie „Weinhaus Heger“. Aus eigenen und zugekauften Trauben macht Joachim Heger relativ leichte Weine, ohne zuviel Substanz preiszugeben. Mit dem Enträtseln der überflüssigen Markenvielfalt (oktav, Vitus, Fidelius,...) muß man sich nicht aufhalten. Die Weine befinden sich auf hohem Niveau und sind für den stilvollen Alltagsgenuß gemacht. Sie haben gewisses Lagerpotential, übertreiben sollte man es aber nicht. Während uns der 2009 Riesling mit seiner Apfel- und Zitrusaromatik damals wie heute kaum mehr als Achselzucken beschert, bereitet der 2010 Weißburgunder Kabinett trocken aus der "oktav"-Linie (damals wie heute) bedeutend größeres Vergnügen. Im Duft gelbe Früchte und ein strenger Akzent von jungem Apfel ohne jedes Zugeständnis an die sanfte, warme Aromenwelt, wie sie Weißburgunder oft hat. Kompromißlos zitrusgeprägt und auch 2015 mit frischer, kräftiger Säure. Verbirgt sich da eine süße Note von brauner Apfelschale, eher zu erahnen als zu schmecken? Im Frühstadium verleiht das dem Wein durchaus Spannung, in Richtung Süden ist er jedenfalls noch nicht unterwegs. Der 2009 Spätburgunder Barrique trocken aus der Linie "Vitus" war drei, vier Jahre nach Abfüllung am besten. Da war er kirschsüß, pflaumenfruchtig, Vanille sorgte für Körper und Tiefe. Ein vergnüglicher Alltagswein für anspruchsvolle Menschen, aber nicht so feingliedrig und facettenreich wie sein Jahrgangskollege aus der "Mimus"-Serie. Während unsere "Mimus" leider ausgetrunken sind, schläft der "Vitus" ganz langsam ein. Soll heißen: dieses besondere Erlebnis, wenn ein guter Wein die Zunge berührt, sich in Mund und Bewußtsein ausbreitet, Aufmerksamkeit auf sich zieht, das Verlangen nach einem nächsten Schluck, das alles findet zunehmend in unserer Erinnerung statt.