Seit 2011 verwirklicht Michael Kinzinger seine eigene Vorstellung vom Weinmachen: mit glasklarer, aggressiver Strategie, gekonntem Spiel auf der Marketing-Klaviatur, vor allem aber handwerklicher Präzision und sorgsamem Ausbau. Auf rund 5 ha baut er hauptsächlich Lemberger und Trollinger an, daneben Spätburgunder, Acolon, Muskat-Trollinger, Riesling, Silvaner und Sauvignon blanc, das alles klar gegliedert in Literweine, Cuvees und Rebsortenweine "100 % einzigartig". Im Angebot sind noch Sekte, deren Grundweine in Heilbronn versektet werden, und natürlich die breite Palette ausgezeichneter Brände, für die Vater Gerd Kinzinger verantwortlich zeichnet.

Rosé-, Weißweine...

Alle Weißweine, die wir bisher probierten, beeindruckten uns durch ihre Duftigkeit und kristallklare Transparenz. Der 2011 Sauvignon blanc ** trocken ist mit seiner intensiven grünen, paprikafruchtigen Aromatik fast klischeehaft sortentypisch. Aus langer Maischestandzeit entstand ein voll durchgegorener und mit einem Mostgewicht von 101° Öchsle starker, saftiger Wein. Trotzdem gut zugänglich, leicht wirkend und leicht zu trinken, langer Nachhall. Archetyp des schwäbischen Muskatsilvaners moderner Machart und mittlerweile für uns eine Referenz. Der 2013er "Paprika trifft Stachelbeere" steht dem in nichts nach, er fiel aromatisch etwas blumiger aus. 2011 Muskat-Trollinger Rosé: herber, rotfruchtiger Duft, für die Sorte überraschend zurückhaltend. Im Mund frisch, süß, nicht klebrig noch kleistrig. Die sortentypisch erdbeerfruchtige Aromatik läßt sich erst nur erahnen und kommt zögernd nach etwas Luftkontakt. Angenehm trockener, bitter-fruchtiger, etwas kurzer Abgang. Sein 2015er Pendant steht geschmacklich auf der etwas herberen Seite; eine Charakteristik, die jedem Top-Muskattrollinger guttut. Er ist ausdrucksvoller, entfaltet sich im Mund ganz selbstbewußt mit feiner Cremigkeit und läuft unüblich sanft den Gaumen hinab. Den 2015 Silvaner "Lösslehm" trocken ließen wir in der Hitliste Silvaner gegen starke Konkurrenz spielen.

...Cuvees

Aus der Reihe der Cuvees machte uns der "Mount Blanc" blanc des noirs mit seiner nicht zu süßen gelbfruchtigen Spritzigkeit und den spannenden grünen Akzenten des Sauvignon blanc besonders Spaß. Der Wh!te gehört dagegen klar zur lieblichen Fraktion. Reiches vollreifes Kernobst im Glas, eine stets mitschwebende Bitternote wie bei einem guten Traminer oder Sauvignon blanc, leise, aber stets präsente Säure, am Gaumen ungemein saftig. Einen unkomplizierteren, vergnüglicheren Wein zu finden und dabei trotzdem das Niveau zu wahren, dürfte ein Ding der Unmöglichkeit sein. Aus dieser sommerlichen Unbeschwertheit holt einen der Red! (16er AP-Nummer) auf den Boden zurück. Samtig, sehr trocken, reife schwarze Johannisbeeren satt, aber kein facettenreicher oder tiefgründiger Wein. Uns zu überextrahiert. Die weißen Cuvees sind die bessere Wahl.

...und Rotweine

Obwohl Michael Kinzinger den Lemberger als "seine" Sorte ansieht, sollte man die außergewöhnlichen Trollinger nicht vergessen. Der dunkle, fruchtige 2011 Trollinger ** trocken steht in unserer Hitliste Trollinger immer noch ganz oben. Mehr in die herbe Richtung geht der 2013er mit seiner kräftigen Bitternote und ausgeprägter roter Johannisbeere. Auf der Zunge voll, weich, ungewöhnlich tief und lange anhaltend. Bleibt abzuwarten, ob die jahrzehntelang mit ganz anderem Stoff konditionierte Kundschaft das zu schätzen weiß. Der 2015er "Vom Gipskeuper" ist von ähnlicher Machart: fruchtig-saftig, bodentypisch weich und gleichzeitig staubtrocken, vielleicht nicht ganz so tief wie der 13er. Mit dem Acolon hat Kinzinger eine Württemberger Spezialität im Programm. Der 2011 Acolon ist tiefdunkel, weich, samtig und weist sehr feines Säurespiel auf. Für sich genommen wirkt er sehr zurückhaltend, aber in Verbindung mit winterlichem Gebäck oder dunkler Schokolade kommt sein Schwarzkirsch-Aroma schön zur Geltung. Die Lemberger sind tanninstarke und von der herben Süße roter Früchte geprägte Herbstweine: 2009 Lemberger “Enzweihinger Halde” Kabinett, im Duft Pflaumenkompott, Erdbeere, rote Früchte, die sich nach Luftkontakt als herb-saftige rote Johannisbeeren entpuppen. Das alles kommt im Geschmack wieder kräftig und unverblümt hervor. Sehr markanter Tropfen, ein Schoppenwein, stark genug, um Deftigem standzuhalten und - ungewöhnlich - mit Klasse. Im recht kurzen Abgang kommt die Johannisbeere wieder mächtig hervor. Der 2010 Lemberger trocken ** “Im Holzfaß gereift” QbA ist Kinzinger Premiere mit eigener Handschrift: im Duft Zwetschgen, Lebkuchengewürz, etwas Kräuter, weißer Pfeffer und viel Zimt. Den Holzausbau beherrscht man auch: nur eine Ahnung von Vanille im Duft, im Mund wirkt der Wein rund, mild, harmonisch - aber nicht langweilig! -  mit schönem Anklang von Weichselkirsche und wieder Zimt. Langer fruchtiger Abgang. Der 2012er hatte bei unserer Probe 2014 noch Ecken und Kanten, was ein schwäbischer Lemberger auch haben muß, war aber geschmacklich sehr intensiv, fruchtig und herb.