Eberhard Klein bringt auf seinen rund 4 ha in der Lage Walheimer Schalkstein neun Rebsorten unter: neben Riesling die hier exotischen Traminer, Grauburgunder und Chardonnay, neben Trollinger auch Lemberger, Spätburgunder, Zweigelt und Merlot. Zum Teil wird in Fässern aus Spessarteiche ausgebaut. Auf den Punkt gebracht sind die Weine hervorragende Beispiele regionentypischer Weinkultur. Sie bereiten großes Trinkvergnügen, gleich, ob sie vom strengen oder vom saftig-schweren Typ sind. Handwerklich absolut sauber, klar, stark und somit geeignete Begleiter der kräftigen schwäbischen Küche, versanden sie jedoch nicht in der Tradition des Ewiggleichen. Völlig unverständlich also, daß das Weingut, was öffentliche Wahrnehmung angeht, immer noch under-the-radar unterwegs ist.

Der 2015er Jahrgang kehrt die besten Seiten des Programms heraus, selbst in einer Gegend, die mit zahlreichen guten Weingütern gesegnet ist. Was Klein dagegen von den meisten unterscheidet, sind seine bemerkenswerten Weißweine, die ausnahmslos auf dem hohen Niveau der roten liegen.

Weißweine

Kleins Rieslinge waren immer einen Versuch wert, schon zu Zeiten, als die meisten schwäbischen Weingüter klugerweise einen weiten Bogen um die Sorte machten. Wir erinnern uns an den apfelfruchtig-leichten Riesling Kabinett trocken aus Steillagen (hier: 2010, 2011), durch dessen sommerliche Frische immer ein steinbitterer, mineralischer Akzent schoß, übrigens auch noch im Sommer 2016. Außerdem fand Eberhard Klein bei seiner relativ geringen Produktion den Mut, hier und da Spontanvergärung zuzulassen: 2010 Riesling QbA Alte Reben und 2009 Riesling QbA Römisch I trocken, spontan – beide mit interessantem Zweiklang von Frucht und mineralischen Noten und beim Römisch I schon schmelziger Textur – letzteres ein Kunststück, das noch nicht so viele Württemberger Winzer vollbrachten. Komplexe Weine machen zu können bewies Klein schon mit der 2011 Riesling Spätlese und setzt das mit der 2015 Riesling Auslese fort. Die mag nicht besonders tief sein, aber sie ist betörend süß, hat Würze, ist saftig und körperreich, wirkt verführerisch leicht und ist damit das uneingeschränkt vergnügliche Tröpfchen zum Lutschen.

Der beerenduftige 2009 Traminer trocken war seinerzeit ein Ausnahmewein: nicht so parfümiert wie das Gros der Badener und nicht so fett wie die meisten Elsässer, dennoch extrem vollmundig, und seine 14 Vol-% taten das ihrige dazu. Der 2011er wirkte weniger lieblich und leichter mit stärkerer Bitternote, jedoch ebenso dicht und füllig mit explosiver Entfaltung seiner Aromatik und langem Abgang. Der 2012er dagegen ist auch heute noch unser klassischer Aperitif zum Abendempfang: Rosenduft und Lychee, federleicht auf der Zunge, saftig, trocken, im langen Abgang samtig und zweifellos die interessantere Idee als der übliche Martini. Allerdings laufen wir immer Gefahr, daß die Gäste anschließend beim Traminer bleiben wollen.

Der 2009 Chardonnay trocken barriquegereift ragte mit seinem reichen Duft nach Kokos, Brioche und gerösteter Haselnuß, dem cremigen Kokos-, Zitrus- und Buttergeschmack sowie seiner Saftigkeit aus dem damals vorwiegend strengen weißen Programm heraus. Die 2012er und 2014er unterstrichen das, während der 2015er wieder eher der Chablis-Typ ist. Aber wer es saftig mag, wird auch in der aktuellen Liste fündig: den opulenten 2015 Grauburgunder Holzfaß würde man eher nach Baden verorten. Sommer, Sonne, erstklassiges Traubenmaterial mit langer Maischestandzeit ließen einen fruchtig-dicken, aber würzigen und spritzigen Winterwein nach Ruländer-Art entstehen. Tranken wir in Württemberg so noch nie. Auch nicht mit 14,5 Vol-%. Ein Jahr Liegezeit beruhigte den Wein und forderte neulich die Konkurrenz heraus, in dem Fall einen 2014 Pinot gris "Vielles Vignes" von Fritz-Schmitt aus dem Elsaß. Der machte von Anfang an Spaß, war butterweich, ungemein süffig - und nach zwei Glas hatte man die Nase voll. Mit Kleins Grauburgunder passierte das nicht.

Reinsortige Rotweine

Man stelle sich folgendes vor: dunkelrot, tief, vollmundig, sehr trocken - aber nicht ohne Weichheit; herb und rotfruchtig, lang anhaltender Nachgang. Wer da auf Trollinger kommt, hat mindestens Kleins 2011 Trollinger aus Steillagen im Glas. Die Klasse wird vom 2015er mit seiner fast badisch intensiven Kirschfrucht und dem herben Akzent zerkauter Johannisbeerkerne problemlos gehalten wenn nicht übertroffen. Jung zu trinken, dicht, überfruchtig, auch süffig, jedoch nie pappig süß. Im Sommer 2017 und kühl serviert offenbart der Wein eine bei Trollinger selten gekannte Tiefe.

Der 2009 Lemberger QbA trocken ist ein in Spessarteiche ausgebauter, starker Wein mit dunkler Schokolade in Duft und Mund, daneben reife Schwarzkirsche und zurückhaltend Vanille. Im langen Abgang machen sich Muskat, Nelken, Pfeffer und Zimt breit. Trocken und saftig läßt der Wein das Wasser im Mund zusammenlaufen, braucht zur Entfaltung Zeit, Luft und Aufmerksamkeit. Nach 14 Monaten Reife nimmt der 2010er mit exquisitem, reichem Duft ein. Er ist zwetschgenfruchtig, zimtig, herb, lebendig und im Nachgang explosiv: eine ebenso verspielte wie starke Kombination. Irritiert waren wir von den Haribo-Kirschen, die Eberhard Klein zum Wein servierte; es paßte, was diesen zur Ehre und dem Wein nicht zum Nachteil gereichte. Der vom Blitzfrost geplagte Jahrgang 2011 fällt füllig, stoffig und etwas zugänglicher aus. Als bloßer Begleiter zum Essen zu schade, aber vielleicht Gefährte der späten, einsamen Stunde, in der die großen Ideen entstehen. Denn der Wein inspiriert, und das ist inzwischen selten geworden bei den absurden Alkoholgehalten, die heutzutage im Spiel sind, die jede Phantasie zudecken, weil sie so schön ermüden.

2011 Zweigelt QbA trocken: kräftig, holzwürzig, voluminös, Erdbeere, Kirschen und Karamell in Duft und Mund, explosiv entfalten sich bittere und pfeffrige Noten; saftige Kirscharomen im Nachgang. Vielleicht wird man mit dem Merlot auch noch einen Versuch wagen: eine Faßprobe im Winter 2011 zeigte im reichen Duft Paprika, Rauch und medizinische Töne, im Mund reiche Cassis- und Holundernoten, intensiv im Nachgang: Herr Klein, worauf warten Sie!

Und hier ist er: der 2011 Merlot aus 2003 gepflanzten Reben, die sechs Jahre später ihre Premiere gaben. Ein farbiger Wein: schwarzer Pfeffer, dunkelrote Cassis, blaue Beeren, grüne Paprika, deren Aromatik sich im Nachgang schön entfaltet, seidenweiche Tannine. Nicht allzu tief und schwer und im Vergleich zu französischen Krachern geradezu schwebend. War die Qualität der Zwischenjahre Eberhard Klein nicht gut genug für eine Neuauflage, so wurde 2016 der 2015 Merlot Barrique präsentiert, für den sich eine Kommentierung im Moment noch verbietet.

Epona

Kleins Lemberger-Cuvee mit Spätburgunder und Merlot trägt diesen Namen. Wer oder was "Epona" ist, möge Ihnen der Meister selbst erklären, wenn Sie ihn das nächste Mal besuchen. Unsere erste Begegnung mit Epona war der 2009er Jahrgang; ein dunkler, mächtiger, aber facettenreicher und in der geschmacklichen Struktur präziser Wein: der Merlotanteil stellte den saftigen Kirschakzenten des Spätburgunders eine intensiv grüne Paprikanote zur Seite, der Lemberger machte das ganze kantig und lieferte bittersüßen Kakao im Nachgang. Die fast tintige 2015er Version überwältigt mit ihrer explosiven Entfaltung von schwarzen Früchten, Weihrauch und einem knochentrockenen, endlosen Nachgang - schlicht eine der gelungensten Lembergerkompositionen Württembergs. Nach wie vor zu unbekannt und zu günstig für das, was sie bietet.