Auf rund 5 ha in praller Sonnenlage stehen klassische Burgundersorten sowie Muskateller, Merlot und etwas Cabernet Sauvignon. Der Charakter der Weine von H. D. Engist ist durchweg lieblicher als man es von einem Spitzenweingut erwartet und wuchtiger als es das Kaiserstühler Klischee verlangt. Er setzt ungeniert hohe Alkoholgehalte ein, um die Aromen strahlen zu lassen: die Weine wollen am Tisch die Hauptrolle spielen und sich nicht als Begleiter bescheiden. Aber sie sind ausgewogen, nicht vordergründig süß oder schwer, und sie sind ausgesprochen süffig. Vielleicht machte der Winzer sich lange Zeit auch einen Spaß daraus, seine Weine anders zu machen als andere. Mittlerweile, spätestens mit dem 2015er Jahrgang ist man hier etwas mehr mainstream, was nicht falsch sein muß.

Weissweine

Grauburgunder öffnet sich erst mit einer gewissen Schwere, sprich: Zucker- und Alkoholgehalt, weswegen er für H. D. Engist die ideale Rebsorte sein dürfte. Und die Grauburgunder Spätlese aus dem guten 2011er Jahrgang ist erwartungsgemäß das Gegenteil des leichten, zurückhaltenden Nebenher-Tropfens: Restsüße satt, feine Säure, Noten von Steinobst und Kräutern, ein scharfer, steinbitterer Akzent, insgesamt sehr kräftig. Bäumt sich zum Abschluß hin schön auf und verabschiedet sich mit langem, salzigem Nachgang. Paßt gut zum Dessert, beschränkt sich aber nicht darauf. Im Kaiserstühler Grauburgundersee schwimmt der 2008 Grauburgunder HTB ganz oben: Ertragsreduzierung (HTB: halbe Traube), späte Lese und Ausbau in kleinen Holzfässern ergeben einen dicken, mundfüllend-wuchtigen Weißwein mit bittersüßem Aromenspiel, der sich seine Gegner bei den hochklassigen Franzosen und Italienern suchen muß. H. D. Engist erzeugt auch einen jener seltenen Muskateller, deren Frucht und Vollmundigkeit halten, was ihr Duft verspricht. Er hat das richtige Maß an Schwere, erhält so das volle, süße, manchmal fette Aroma dieser Traube und ist nichts weniger als ein vergnüglich-belangloser "Terrassenwein", eher ein weißer Winterwein. Allzuviele Winzer opfern das typische Muskataroma jener undefinierten und ach so bekömmlichen Leichtigkeit und machen aus ihren Muskatellern wässrig-bittere Weine, deren Süße ohne Fundament nur noch fade wirkt (vielen Traminern widerfährt übrigens dasselbe Schicksal). Da ist es uns dann sehr recht, daß wir hier an der falschen Adresse für leichte Weine sind.

Rotweine

Prototypisch für die Machart der Roten ist der reinsortige 2005 Merlot aus der Spitzenlage Achkarrer Schloßberg: würzig, pflaumenduftig, voll grüner Paprika. Der Wein ist nicht von Tanninen beherrscht, sondern sie sind eingebunden in eine Fruchtsüße, die ihn nicht sofort als Merlot erkennbar macht. Wir öffneten im Herbst 2013 eine weitere Flasche und nehmen von unserer ersten Bewertung drei Jahre zuvor nichts weg. Der Wein wirkt reif, etwas weicher, aber vollkommen frisch und kräftig; ein saftiger, schwerer, voller, delikater Tropfen. Erst in drei Jahren wird der nächste Test folgen, denn wir müssen mit dem Merlot sparsam umgehen: 2011 ersetzte Engist ihn durch den 2009 Cabernet Sauvignon. Man mag die Rebsorte (Cassis, Liebstöckel, nasses Leder, Feuerstein, pfeffriger Nachgang, stark und samtig) erkennen, aber so ganz vorhersehbar kommt der fruchtsüße, saftig-dichte Wein nicht daher. Der 2010 Achkarrer Schloßberg Spätburgunder QbA aus durchwachsenem Jahrgang ist deutlich herber als der damals von uns kommentierte 2007er. Der war süßfruchtig (Rumtopf!) mit heller Schokolade und orientalischen Gewürzen, ein Begleiter zum Dessert. Der 2010er ist von roter Johannisbeere, grünen Kräutern und frischem Brot bestimmt, aber deswegen noch lange kein schlanker Tropfen. Er ist der Wein für den Abschluß des Abends. Wie gesagt: den beflügelnden Aperitif wird man bei H. D. Engist nicht finden.