Auf 7 ha werden nicht weniger als 14 Rebsorten angebaut: von Stars der Vergangenheit wie Morio-Muskat, Dornfelder oder Portugieser über Hochwertiges wie Riesling und Burgunder bis hin zu den modernen "Piwis" Regent und Cabernet blanc. Und diese Sortenzeitreise deckt sich mit der Entwicklung des Weinguts: 2003 übernahmen Klaus Bopp und Heike Kilian-Bopp einen bestehenden Betrieb und entwickelten ihn über die Jahre zu einer öko-zertifizierten und szene-bekannten Adresse, die ausschließlich vegane Weine erzeugt. Elf Weißweinen stehen zwei Rosé und sieben Rotweine gegenüber.

Um die übliche Frage gleich zu beantworten: nein, wir stellten keinen geschmacklichen Unterschied zwischen veganen und vergleichbaren non-veganen Weinen anderer Edenkobener Erzeuger fest. Kilian-Bopps Weiße sind kristallklar und intensiv, die Roten samtig und stämmig, allesamt von weichem Charakter, mit saftiger Frucht und damit echte Pfälzer. Zu wissen, daß man Cyazofamid, Tetraconazol oder andere Segnungen der Agrarchemie hier nicht mittrinkt, stört den Trinkgenuß natürlich keineswegs. Bemerkenswerter scheint uns, daß die Rotweine, alle im Edelstahl ausgebaut, von gleich guter Qualität sind wie die Weißen - eine Beobachtung, die wir in der Pfalz nicht häufig machen.

Weißweine

Schon der 2015 Weißburgunder trocken ist eine typische Pfälzer WB-Version: floral, kräuterduftig, weißer Pfirsich, auch bittersüße Noten wie Grapefruit im Hintergrund. Auf der Zunge wirkt er sehr weich, aber trotzdem saftig, und er spiegelt mehr Substanz vor als er tatsächlich hat. Überraschend langer Nachgang, der ihn dann auch im Gedächtnis etwas länger haften läßt. Man darf eben nicht zu viele Badener Weißburgunder getrunken haben, sonst verblasst der Rest der Weißburgunder-Republik, und da ist die Pfalz keine Ausnahme. Eindrucksvoller ist der 2016 Grauburgunder lieblich. Seine Geschmackswelt? Man stelle sich einen 2016er MT fresh der WZG Bickensohl mit seiner unkomplizierten, vergnügten Art, seiner Mirabellenfrucht, leisen Grapefruitnote, dem Weißdorn, vor allem aber der Gletscherfrische vor, und das ist ein Kompliment. Perfekter Terrassenwein, der auch Erwärmung verträgt.

Für ökologisch konsequent arbeitende Weingüter sollte der pilzwiderstandsfähige Cabernet Blanc zum Standardprogramm zählen. Als eine der wenigen Neuzüchtungen kann er einem Klassiker, hier dem aromatisch vergleichbaren Sauvignon blanc, nicht nur Paroli bieten, sondern ihn manchmal sogar übertreffen. Ein Beispiel dafür ist der 2016 Cabernet Blanc trocken: sortentypische grüne Aromen von Stachelbeere und Paprika sowie das cassisfruchtige Cabernet-Erbe entfalten sich unmittelbar und intensiv; der Körper wirkt kräftig, fast dick, aber gut strukturiert. Im Abgang ist der Wein scharf, kantig, animiert ständig zum Nippen. Insgesamt die äußerst gelungene Interpretation der noch seltenen Sorte.

Rotweine

Mit Regent, diesem einstigen Hoffnungsträger der Piwi-Szene, haben wir kaum Erfahrung. Einem Zeitgeist folgend bauten viele Winzer die Sorte irgendwann an und rodeten die Bestände dann der ausdrucksschwachen Ergebnisse wegen wieder. Oder machten Traubensaft daraus - das Produkt verkaufte sich so oder so nicht. Da einige Winzer inzwischen aber gelernt haben, mit der Sorte umzugehen, könnte das Vermarktungsproblem (wieder einmal) darin liegen, daß die Sorte falsch beworben und mit Südländern oder dem Spätburgunder verglichen wird. Dabei vergißt man, daß unsereins Spätburgunder kauft, wenn wir Spätburgunder trinken wollen, und gewiß keine „Anklänge“ oder „Erinnerungen“ an Spätburgunder. Kilian-Bopps 2013 Regent trocken jedenfalls wirkt nicht unsympathisch und nichts weniger als ausdrucksschwach, und er stellt mit seinem Irrlichtern zwischen dunkler Frucht und kalkiger Mineralik einen Exoten dar, mit dem man sich lange beschäftigen kann, weil er in kein Schema paßt. Er ist weder Südländer noch Pfälzer und verlangt dem Kenner einiges ab - ein Wein für frustrationstolerante Entdecker.

Die Beeren für Kilian-Bopps 2015 Dunkelfelder trocken wurden im Rahmen eines Experiments mit ihren Stielen auf der Maische vergoren, eine vor allem im Burgund anzutreffende Methode, tanninschwachen Weinen zu strengerem Charakter zu verhelfen. Gelungen ist das Experiment ohne Zweifel. Dunkler, delikat brombeerfruchtiger und kräftiger Wein, extraktreich, dicht und schwer, grüne, scharfe Akzente ziehen sich hindurch, unbedingt trocken. Kein allzu langer Nachgang, aber schönes Beispiel dafür, was aus dem einstigen "Deckwein" werden kann. Trotzdem ist im direkten Vergleich der Pfälzer Klassiker Portugieser die Wahl. Der 2015 Portugieser feinherb aus 25 bis 30 Jahre alten Reben nimmt einen tiefen Zug aus dem Glas Heidelbeerkonfitüre. Auf der Zunge pfeffrig heiß, samtig, süß und unbedingt robust. Und er beschäftigt: die Heidelbeere wird zur überreifen Brombeere, schließlich zur Knubberkirsche, wie es sie nur im Alten Land gibt, abgeschlossen wird alles mit langem, zimt- und weihrauchsattem Nachgang.