Odin Bauer (Zalwander), Kendringen, Baden:
2014 Grauburgunder (Faßprobe)

Eine Faßprobe auf dem ersten Platz? Odin Bauers Grauburgunder ist - wie bei seinen Weinen üblich - eine Provokation. Bitte nachmachen: weich, aber kompromißlos trocken, etwas Zitrus, frisch geöffnete Packung Zimtsterne, dann immer intensiver Quitte und Birne. Kein Abgang, kein Nachhall, der Wein bleibt einfach präsent. Fertig. So einfach und doch so schwierig.

Prinz zu Salm-Dalberg, Wallhausen, Rheinhessen:
2012 Grauburgunder trocken

Aromatisch orangenduftig, orangenfruchtig mit etwas Haselnuß und einem Hauch von Marzipan, salziger Abschied, alles wie es sein muß. Perfekt eingebundene Säure zieht das Wasser im Mund zusammen, macht den Wein vollmundig, saftig und animiert dazu, mit der Zunge herumzuspielen - der "let your tongue fool around"-Wein. Am Gaumen wirkt er kühl, kompakt und kräftig, im Abgang fährt er seine Krallen aus und wird heiß, was bei 13 Vol-% natürlich keine Kunst ist. Ein rundum gelungenes Paket und glanzvolles Beispiel für einen rheinhessischen Grauburgunder.

Siegbert Bimmerle, Renchen, Baden:
2014 Grauburgunder Kabinett trocken

Reicher, floraler, etwas mineralischer Duft. Schöne Entfaltung im Mund, Mirabelle, saftig-reifer gelber Apfel. Voll und transparent, sehr sanft, seine Säure so weich wie irgend möglich und von der Art, die den Wein zum Lutschbonbon werden läßt. Langer, fast dramatisch-intensiver Abgang. Ein idealer Fisch- und Gemüsebegleiter, und der gelungene Versuch, so etwas wie einen gefälligen Stil in die Grauburgunderwelt zu bringen. Wobei man fragen kann, ob ein gefälliger Stil die richtige Zielsetzung für Grauburgunder ist. Etwas mehr Kraft und Durchschlagsvermögen würden dem Wein guttun. Dann käme er mühelos auf das Niveau eines Zalwander oder vielleicht sogar Köbelin.

Stephan Schneider - Herrengut, St. Martin, Pfalz:
2014 Grauburgunder Kabinett trocken

Aromatisch sehr intensiv: saftiger grüner Apfel, daneben Kalk und Noten von Brennnessel und getrockneten Kräutern. Süß, süffig, aber nie billig wirkend. Weich auf der Zunge: für einen recht jungen Wein überraschend milde Säure und gerade noch soviel davon, daß zum Beispiel eine Sauce Hollandaise im Zaum gehalten wird. Vollmundig und langer Nachgang. Dieser unbeschwerte Wein paßt in das Disney-artige Ambiente des St. Martiner Herrenguts. Und man weiß ja, wofür Disney steht: professionell gemachte Unterhaltung.

Matthias Gaul, Grünstadt, Pfalz:
2015 Grauburgunder trocken

Etwas ist faul im Staate, wenn auf dem Preisschild des Frankfurter Luxus-Einzelhändlers zu lesen ist: "Grauburgunder. Dt für Pinot Grigio". Falsch! Grauburgunder ist "Dt für" Grauburgunder, und der Händler muß sich fragen lassen, wieso er seine Kundschaft für dämlich hält und sich blamiert. Der Wein tut das nicht: reicher, fast aggressiv zitrusfruchtiger und würziger Duft. Im Mund beruhigt er sich, ist einigermaßen voll, dank fast graziler Säure saftig, aber nicht ohne Feinheit, und er ginge durchaus als sanfter Riesling durch. Er entfaltet eher mineralisch-bittere als fruchtige Noten und wirkt dabei etwas eindimensional. Überraschend langer, immer bitterer werdender Nachgang, der den Wein endlos präsent hält und sogar noch feine Apfelnoten preisgibt. Kurzum: ein nicht uninteressanter Grauburgunder, mit dem man ringen muß und der Geduld verlangt; alles Qualitäten, die ihn vom Szene-Pinot Grigio abheben.

Fritz Bolanz, Auggen, Baden:
2014 Auggener Letten Grauburgunder

Der Grauburgunder des Markgräfler Urgesteins Bolanz. Kühler, herber, kräftig-lehmiger Duft, im Mund voll, tief, saftig und sehr süßfruchtig. Aromatisch ist fast nur Bonbon von der Honigmelone zu erschmecken und deshalb wirkt der Wein etwas eindimensional. Dank feiner Säure schlank und gerade noch frisch, im Abgang etwas bitterer und würziger. Mit Markgräfler Grauburgundern haben wir unsere Probleme, der hier ist in Ordnung. Ein Zechwein, und das ist ausnahmsweise als Kompliment gemeint.

Jörg Wiedemann, Sasbach am Kaiserstuhl, Baden:
2012 Grauburgunder trocken

Diesen Stil mag man oder eben nicht. Ein Grauburgunder nach Ruländerart, sprich: er legt sich wie ein süß-öliger Teppich über den Gaumen. Immerhin ist er noch nicht so dick, daß er nach dem zweiten Glas abstößt, und er wirkt auf der Zunge mit seiner feinen Säure gerade noch klar. Die aromatische Überwältigung bleibt leider aus, denn der nach hinten hitzige Alkohol verdeckt die Aromatik von Mirabelle und Nüssen. Langer, bitterer Nachgang. Ein gut gemachter, etwas anstrengender Nebenher-Wein.

Borell-Diehl - Annette und Thomas Diehl, Hainfeld, Pfalz:
2016 Grauburgunder Spätlese "Hainfelder Kirchenstück" trocken

Kräftiger, stark mineralischer, salziger und säurestarker Grauburgunder mit gelbfruchtiger Aromatik, damit an den Kaiserstühler Typus erinnernd, allerdings ohne dessen prägende Frucht. Mit diesem eigenen Charakter und seiner spät zubeißenden Trockenheit paßt er auch nicht in die sanfte Pfälzer Riege. Wie der zuvor kommentierte Wiedemann ohne Zweifel handwerklich gut gemacht, aber rechtes Vergnügen am Genuß dieses aggressiven Weines stellt sich - selbst mit Begleitern - leider kaum ein.

Dr. Schneider, Müllheim-Zunzingen, Baden:
2014 Grauburgunder trocken

Im Duft Apfel und Mineralik, aber sehr zurückhaltend und herb, im Mund überraschend fruchtig, füllig und weich, schrammt knapp am Ruländer-Stil vorbei. Vollkommen unspektakulär, bleibt am Gaumen aber recht lange präsent. Schon wieder ein Nebenher-Wein, nicht ohne Anspruch, und fairerweise muß man sagen: aus einem für diese Sorte desaströsen Jahr. Es hilft trotzdem nichts: das Markgräfler Land ist meilenweit vom Kaiserstuhl entfernt, auch was seine Grauburgunder angeht.

Franz Keller, Oberbergen, Baden:
2010 Grauburgunder Edition Fritz Keller (Aldi Süd)

Die Flasche wurde im Herbst 2015 geöffnet. Im Duft schon braun werdende Apfelschale, etwas Kokos, das sich auch in den Geschmack schleicht, aber ebenso frische grüne Noten. Der Wein entfaltet sich schön, wird fast vollmundig, gleitet mit feiner Säure, die ihn saftig macht, über die Zunge und wird im Nachgang kräftig. Die Harmonie fehlt etwas, er ist weder tief, noch robust und kapituliert vor beinahe jedem Begleiter, aber für den Preis und das für einen Discounterwein bemerkenswert hohe Alter ein ordentlicher Wein. Im Vergleich zum Weissburgunder aus gleichem Hause jedenfalls ein Fortschritt.

Marcus Glaser, Sankt Martin, Pfalz:
2014 Grauer Burgunder Spätlese

Was Wein angeht, liegen in der Pfalz Großartiges und Schreckliches nahe beisammen. Oft reicht eine Straßenecke, um vom Weinhimmel ins Gegenteil zu stürzen. Dieser Grauburgunder mit seiner Zuckerwasser-Ascorbinsäure-Anmutung bedient längst überwunden geglaubte Klischees. Viel zu süß, aromatisch langweilig, schwacher Körper, sehr empfindlich gegenüber Temperaturschwankungen. Macht den Eindruck, als habe er nicht viel Potential für Alterung, dafür umso mehr für Kopfschmerz. Ein Wein, der die positive Entwicklung der meisten Südpfälzer Grauburgunder verpaßt hat.

Gebrüder Anselmann, Edesheim, Pfalz:
2015 Grauburgunder "Classic" Edition "Deutsches Haus Rio 2016"

Es ist heute beinahe überraschend, wenn dem Genießer deutscher Weine Korkverschlüsse begegnen, und erfreulich, wenn man - wie die Mehrheit hier bei LW - deren Verfechter ist. Umso größer unsere Enttäuschung, als dieser saftige, sehr fruchtige und vielversprechende Grauburgunder zwar schwachen, aber unverkennbaren TCA-Ton zeigt, zumal bei einem soeben auf den Markt gekommenen Wein. Die zweite Flasche auch, und mehr haben wir im Moment nicht. Beide Korken duften unsauber, muffig, etwas schweflig und haben eine leicht schleimige Kontaktfläche zum Wein, also gesellen sich hier gleich mehrere Probleme zueinander. Keine Wertung.