Das über 90 Jahre alte Weingut Hauser-Bühler liegt so prominent in Bickensohl, daß man es unmöglich übersehen kann. Und warum sollte man? Aus rund 10 ha entstehen trockene, aber sanfte Weine von großer aromatischer Intensität. Angebaut wird die klassische Kaiserstühler Palette - Chardonnay mag ja langsam auch dazugehören -, außerdem Riesling für das überschaubare Programm von rund 30 Positionen. Über sie müssen Kunde und Kritiker nicht rätseln, denn die Flaschenetiketten fast aller Weine tragen einen QR-Code mit Informationen zum jeweiligen Wein.

Salz auf Birne

Als Einstieg diente uns der 2011 Steinfelsen Rivaner F2 Kabinett trocken, der zweite von Felix Bühler gemachte Wein, womit ”F2” entschlüsselt ist. Der Wein war nicht vom langweilig-blumigen Stil, sondern er zeigte sich überraschend spritzig, intensiv, zitrusfruchtig, dabei differenziert mit selbstbewußter Bitternote. 2011 Steinfelsen Weißer Burgunder Kabinett trocken: im Duft frisch, reife Birne und Apfel - oder eher Apfelmus, im Mund fiel die Aromatik dann nicht wie so oft zusammen, sondern blieb auf Bühlers sonnenüberfluteter Terrasse stabil. Zurückhaltende würzige, grüne und salzige Noten. Der nicht sehr tiefe, aber klar strukturierte Wein wirkte zunächst leicht, sein Körper entfaltete sich dann immer mehr. Langer, voller Abgang, und das gilt für alle von uns kommentierten Weine von Hauser-Bühler, deshalb sparen wirs uns im Folgenden.

Es gilt inzwischen als gesichert: 2011 war DAS Rotweinjahr, 2012 gehörte aber den Weißen: der Anfang April 2013 abgefüllte 2012er Weißburgunder war fruchtiger, abgerundeter, cremiger und wurde mit seiner frechen Säure im Abgang plötzlich erfrischend und stark. Die Spätlese desselben Jahrgangs wirkte grazil, fein und weich, die Aromatik verschob sich in Richtung Birne; salzige Noten, im Nachgang nur zu erahnen. Bei den Grauburgundern präsentierte sich der 2012 Steinfelsen Grauer Burgunder Kabinett trocken als voller, fast schon cremiger, komplexer Wein mit Noten von Williamsbirne, Zitrus, Apfel und viel süßer Honigmelone. Und wieder prickelnde, fein eingebundene Säure. Schön langer, salziger Nachhall. Die Spätlese wirkte filigraner, aber auch frischer mit leicht mineralischem Akzent.

“Sakrileg” schrie mancher, weil Felix Bühler nichts Besseres einfiel, als ausgerechnet Riesling auf den Heiligen Achkarrer Schloßberg zu pflanzen. Daß daraus nichts werden konnte, war klar. Bei unserem Besuch im Sommer 2013 trug die Flasche zwar noch kein Etikett, aber der Namenlose funkelte im Glas. Wir rümpften die Nase und los gings: voller, intensiv blumiger Duft, aber Schärfe zieht sich pfeilartig hindurch. Im Mund körperreich, kräftig, vielschichtig. Gut eingebundene Säure. Spannendes Spiel zwischen süßen, gelb- und zitrusfruchtigen Noten, Kräuter und Heu mögen dabei sein, und wieder dieser rebellische Akzent, denn Felix Bühler riskierte Spontanvergärung. Kein schmeichelnder Riesling: der 2012 Riesling "Rebell" trägt seinen Namen in jeder Beziehung zurecht.

Zwetschge auf Toast

2010 Spätburgunder “Herrenstück” QbA trocken: trotz Hauser-Bühler-typisch niedrigem Restzucker von angenehmer Süße und vollem Körper. Viel Holzcharakteristik hatte er nicht, brauchte er auch nicht. Die feine Toastnote umrahmte perfekt die fruchtigen Erdbeeren und Zwetschgen. Das war für lange Zeit der einzige Rote, weitere sollten folgen, wenn uns die Weine reif schienen, und die 2009 Spätburgunder *** Auslese trocken "Barrique" (2013er AP-Nr) mochten wir im Winter 2018 einfach nicht länger liegen lassen. Ein klassentypisch tiefdunkler, voller, sehr weicher Wein. Aromatisch pfefferwürzig, Bitterschokolade oder ist es bitterer Kakao, Preiselbeere, und später, nach einigem Luftkontakt und langsamer Erwärmung, eingelegte Früchte, die Zimtnote erscheint zögerlich. Im überraschend kurzen Nachgang macht sich leise etwas Herbstlaub bemerkbar. Der Wein läßt sich fünf Jahre nach Abfüllung zwar mit Respekt vor seinem Alter, aber mit durchaus begrenztem Vergnügen genießen. Mächtig und doch recht einfach ohne besonderen Facettenreichtum, oder sagen wir: geradeaus, ehrlich, unkompliziert. Braucht außerdem pikante Begleiter, um seine Frucht zu entfalten.