Alexander Heinrich, Obersulm-Sülzbach:
2012 Lemberger "Sandwasen" trocken

Es war einfach an der Zeit, den lange auf Platz Eins sitzenden Lemberger von Pix zu verdrängen, und wenn es auf LW schon kein Burgenländer Blaufränkisch sein kann, dann eben Heinrichs feuriger Lemberger aus dem Heilbronner Land. Ein voller, saftiger, unbescheidener Wein, aromatisch vom Spiel zwischen fruchtigen, schokoladigen und herben Kakao-Noten bestimmt, ohne das Barrique zu sehr in den Vordergrund treten zu lassen. Ein Wein, der noch viel Zeit braucht, um sein großes Potential zu entfalten.

Bernhard Ellwanger, Grossheppach:
2012 Lemberger trocken "Steillage"

Erstaunlich, was man aus dem robusten Lemberger so alles zaubern kann. Zum Beispiel dieses aromatisch facettenreiche Exemplar: Zwetschgenmus und frisch gespitzter Bleistift, reife, süße Waldfrüchte wie Brombeere und Heidelbeere, dazu Bitterschokolade; langer, immer trockener werdender Nachgang. Stilistisch fein, sanft und duftig, aber tief und stabil genug, um vor rezenter Küche nicht einzuknicken. Wirkt im Januar 2015 fast schon auf der Höhe seiner Entwicklung. Ein Württemberger Lemberger der Oberklasse.

Helga und Reinhold Pix, Ihringen:
2007 Lemberger

An anderer Stelle schrieben wir einst, daß Pix der Württemberger unter den Badener Winzern ist. Hier setzen wir eins drauf und stellen fest, daß er auch der Württemberger unter den Württembergern ist. Rauhbeinig kommt der Wein daher: kräftig, kratzig, schweißig, mit Anklängen von roten Beeren, aber doch stärker von Lakritze und Pilzen bestimmt. Unverblümt und geradeaus, und deshalb macht er Spaß. Kein Wein, der jedem gefällt, aber das tut Reinhold Pix ja auch nicht.

Sankt Annagarten, Beilstein:
2008 Lemberger trocken

Der Zarteste im Vergleich, charmant, galant und deshalb stets in Gefahr, von den anderen vom Tisch gestoßen zu werden. Außerhalb des direkten Vergleichs weich und seidig, sehr körperreich und fruchtig mit Aromen von Kirschen und roten Beeren, aber auch füllig, buttrig. Die feine Bitternote sorgt für den Kontrapunkt und daß der Wein nicht einfach nur „lecker“ schmeckt.

Hans-Peter Wöhrwag, Untertürkheim:
2009 Edition Lemberger

Saftige Erdbeere im Duft, die sich im Mund fortsetzt und von Schwarzkirsche begleitet wird. Dabei entfalteten sich die Aromen geradezu explosiv. Zwar trocken, aber dank zurückhaltender Tannine ist der Wein sehr seidig und mild. Im Charakter dem Lemberger vom Sankt Annagarten ähnlich, jener liegt aber dank der spannungsreichen Bitternote knapp vorne. Dennoch ist der Wöhrwag ein angenehm zu trinkender Lemberger mit spürbarem Nachgang.

Ottmar und Christian Escher, Schwaikheim:
2014 Lemberger trocken "Bergkeuper" **

Irgendwie zeigt schon die wuchtige Flasche mit ihrer dunklen Ausstattung, daß es sich hier um einen schweren Tropfen handelt; ein Blick auf die Volumenprozente ist da überflüssig (fette 13 sind es). Sein Duft reich, sehr fruchtig, aber auch alkoholstark, frische Eicheln, Brot, vielleicht Tabak kommen hinzu. Im Mund läßt der Wein keinen Zweifel an seiner aufwendigen Herstellung: dunkle Beeren satt, Zimt, herbe Akzente, als ob man Johannisbeerkerne zerkaut. Trocken, weich und samtig auf der Zunge, aber schonungslos gegen sanfte Begleiter. Da sollte es schon eine kräftige schwäbische Küche sein, die den Kampf aufnimmt. Heißer, geradezu explosiver Abgang und langer, saftig-animierender Nachhall. Fester Körper, mit dem man etwas ringen muß, und nochmals: zuviel Alkohol. Gehört trotzdem an die anspruchsvolle Tafel. Ein Preis-/Leistungsgewinner.

Weingut des Grafen Neipperg, Schwaigern:
2012 Schwaigerner Ruthe Lemberger

Tiefe Farbe, tiefer Brombeer- und Kakaoduft. Samtweich, feine Tannine, doch kräftig und robust, füllig und saftig - ein Wein zum Kauen und gut genug für Gäste, die Wildtafel, den anschließenden Kaminabend. Reife dunkle Früchte mit nur subtiler Süße und deshalb sehr animierend. Geradezu heißer und trockener Abgang. Der Wein ist dann zwar recht schnell weg, aber das Trinkvergnügen schmälert das nicht oder kaum.

Jochen Beurer, Kernen-Stetten i. R.:
2012 Stettener Mönchberg Lemberger GG trocken

Große Gewächse spielen nicht nur preislich in einer eigenen Liga, sie müssen vor allem qualitativ herausstechen, um die zehn oder zwanzig Euro Differenz zum Mainstream zu rechtfertigen. Gelungen ist das hier ohne Zweifel. Feinste Vanille im Duft, im Mund überraschend etwas holzlastig, aber noch in Ordnung. Süß-saftiges Pflaumenmus, feinste Wintergewürze, feinste Tannine, feinste, fast filigrane Struktur, seidig, sogar extrem seidig, tief. Für sich genommen alles wunderbar, nur gleitet solche Feinheit nach dem dritten Glas in Langeweile ab, sorry.

Rainer Wachtstetter, Pfaffenhofen:
2008 Lemberger trocken "Felix"

Ein starker Kandidat. Leicht pfeffrig, tanninreich und sehr trocken, von dunkler Schokolade beherrscht, aber auch mit milden Kakaonoten, dabei im Mund warm wirkend. Herbe, bittere und süße Noten wechselten sich dauernd ab und hinterließen den Eindruck eines im besten Sinne schillernden Weines (nicht zu verwechseln mit Schillerwein). Ein Begleiter zur Zigarre, ein Wein für Aficionados?

Gerd Keller, Hohenhaslach:
2012 Hohenhaslacher Kirchberg Lemberger “Alte Reben” trocken

Ein klassischer Winter-Lemberger: im Duft Lebkuchen, weißer Pfeffer, kräftige, aber gut eingebundene Noten aus dem Holzausbau. Im Mund alkoholstark, wärmend, saftig und samtig, typischer Begleiter der Abendtafel oder definitiver Absacker danach. Zwar nicht sehr tief, entfaltet seine Aromen wie Pflaume, Schwarzkirsche, Liebstöckel und Erde aber eindrucksvoll. Wir probierten ihn im Herbst 2014 zum ersten Mal und waren von seiner Aromatik ebenso angetan wie von seiner Aggressivität abgeschreckt. Im Spätherbst 2016 immer noch etwas stechend am Gaumen; mittlerer, herber, sehr trockener Nachgang. Raues, etwas zu alkohollastiges, dennoch gelungenes Beispiel Württemberger Weinkultur.

Markus Heid, Fellbach:
2009 Fellbacher Goldberg Lemberger

Heids Lemberger beeindruckte im Duft mit dunkler Schokolade und feinsten blumigen Noten, schwebte leicht und seltsam körperlos über die Zunge und entfaltete schöne Aromen von Gewürzen, Pfeffer und Schwarzkirsche, bevor er dann etwas abrupt verschwand. Aber für all das reichten die 50 Minuten, die er vor Beginn der Verkostung geatmet hatte, nicht aus. Der Goldberg genehmigte sich nochmals eine gute Stunde, bevor er seine unzweifelhafte Klasse langsam freiließ. Zum Lemberger, der als eher unkomplizierter Wein gilt und so genossen werden darf, passt dieser divenhafte Zug nicht.

Bernd Gemmrich, Beilstein:
2008 Beilsteiner Wartberg Lemberger “Im Holzfass gereift” trocken

2012er AP-Nummer. Im Duft von Pflaume, Zimt und weißem Pfeffer bestimmt, kommen im Mund Kirsche und süße Noten hinzu, das alles von feinster Säure begleitet. Reiche mundfüllende Aromatik, wozu der Holzausbau zunächst zurückhaltend und die sage und schreibe 14 Vol-% Alkohol ganz gewaltig beitragen. Mit etwas Luft zunehmend holzige Bitternis und etwas staubige Akzente. Stilistisch sehr weich und gerade noch trocken. Reifte vielleicht etwas zu lange.

Christian und Gerhard Stein, Lehrensteinsfeld:
2011 Lemberger “L” trocken

Als Alleinunterhalter zunächst enttäuschend saft- und kraftlos, als Untermalung zum herzhaften Essen ungleich interessanter: die üblichen Lemberger-typischen dunklen Früchte, Pfeffersorten und Gewürznelken werden von rauchigen Noten sowie Veilchen begleitet. Überraschend langer Nachgang. Kein besonders eindrucksvoller Körper, aber schon nicht mehr so unkompliziert wegzutrinken. Kein “Zechwein”. Ein Wein, der im Moment noch an seinen Ambitionen scheitert.

Martin Notz, Sachsenheim-Hohenhaslach:
2012 und 2013 Hohenhaslacher Kirchberg Lemberger "S" trocken

Der 2012er ist ein fast schon duftiger Wein, was ihm nicht schlecht steht. Stilistisch zart, auf der Zunge weich und nicht allzu trocken. Feine, gut eingebundene Säure, die erst im Abgang zubeißt, kaum Tannine. Einigermaßen vollmundige Aromatik: zwetschgenfruchtig mit ausgleichend bitterem Nachgang, etwas Kräuter, Sauerkirsche. Insgesamt kein robuster Wein, deshalb bei herzhafter schwäbischer Küche fehl am Platz, andererseits als Alleinunterhalter etwas kraftlos. Im Januar 2015 auch noch zu jung; das Lagerpotential für zwei, vielleicht drei Jahre hat er, auch wenn uns nicht klar ist, wo er sich hinentwickeln soll.

Der 2013er dagegen ist im Dezember 2016 trinkreif, kräftiger und keinesfalls mehr duftig. Jedoch ließ man ihn zu lange im Faß reifen, was ihn bitter werden ließ und ihm seine Fruchtigkeit raubte.

Gerhard Aldinger, Fellbach:
2011 Hanweiler Berg Lemberger ** trocken

Herber Duft nach Lakritz, Feuerstein, Gummi, alles untermalt von Cassis und Pflaume; im Mund voll fruchtiger Aromatik mit kräuterigen Akzenten und gerade noch weicher Stilistik. Kräftig, trocken, dominant und dem Zeitgeschmack folgend mit zu hohem Alkoholgehalt. Ein guter Wein muß Gelegenheit geben, ihn zu genießen. Er soll den Moment begleiten, untermalen, erheben. Diesen Wein zu trinken ist dagegen ein ständiger Kampf mit garantierter Dröhnung. Zu anstrengend.

Albert Häussermann, Waiblingen:
2011 Neustadter Söhrenberg Lemberger ** trocken

Schon der Duft zeigt Charakter: kräftig, herb, rote Früchte, Kräuterbonbon; auch im Mund kraftvoll und von roter Johannisbeere, Unterholz, feuchter Walderde und Liebstöckel bestimmt. Langer Nachgang. Ausgesprochener Essensbegleiter, dessen feine Fruchtsüße Katalysatoren zur Entfaltung benötigt. Auf der Zunge angenehm samtig, sehr trocken. Kein einfach zu trinkender Wein und ebenfalls auf die Dauer anstrengend.

Fried Baumgärtner, Sachsenheim-Hohenhaslach:
2011 Bönnigheimer Sonnenberg Lemberger trocken

Sein Duft zunächst ganz einnehmend: helle Schokolade, Pflaumenkompott, ein Gewürzpotpourri. Aber was nützt das, wenn die Aromatik sich beim ersten Schluck in die Ecke verdrückt und nicht mehr hinaus will. Ausdrucksschwach trotz seiner Noten von dunkler Schokolade, Kakao, Pflaume und etwas Pfeffer, deutliche Bitternote. Stilistisch eher leicht, weich und im Abgang trocken. Wahrlich kein mißlungener Wein, aber bei der Konkurrenz im Land liegt die Kaufentscheidung für ihn nicht unbedingt nahe.

Rux-Wein - Heike und Christoph Ruck, Stuttgart:
2011 Lemberger trocken "Alte Reben"

Bevor man die Flasche öffnet, sollte man wissen, daß 2011 Christoph Rucks erster Jahrgang war, nachdem er Schloß Lehrensteinsfeld in Richtung Rux-Wein verlassen hatte. Und ein neues Weingut braucht Zeit, sich zu finden. Der Rux-Lemberger verlangt zunächst nach Luft und vor allem Kühlung. Trocken, kräftig und durchaus mit Nachgang wirkt er zwar viel intensiver als der folgende Krohmer, macht geschmacklich jedoch fast ebensowenig Eindruck wie jener. Herb-rotfruchtig, vor allem Heidelbeere, leicht pfeffrig, etwas Hustenbonbon, jedoch völlig unakzentuiert. Immerhin: die Substanz ist vielversprechend für Ruxens Zukunft.

Dieter und Christel Krohmer, Beilstein:
2012 Lemberger Spätlese trocken

Im Duft erdig, dann Gemüsenoten, Kirsche, leicht punschig. Im Mund sehr glatt, wie es für den Jahrgang typisch ist, auf der Zunge trocken und dicht, voller, robuster Körper mit einer gewissen Schwere. Die Aromatik zeigt etwas Kirsche, sonst nichts. Der Wein wirkt sauber, ehrlich und nicht einmal unelegant, jedoch auf irritierende Weise belanglos. Ein Nebenher-Wein und nur dann zu wählen, wenn es unbedingt Alkohol sein muß und nichts Besseres da ist.

Bottwartaler Winzer eG, Großbottwar:
2011 Lemberger trocken “Edition Platinum”

Ein Spitzen-Lemberger der Bottwartaler Winzer: aus alten Reben, ertragsreduziert, holzausgebaut, kurzum: “Ein echtes Weinvergnügen, das auch auf internationalem Parkett seinesgleichen sucht.” Soweit die Marketing-Theorie. Praktisch gesehen ist dieser Lemberger ein wenig inspirierendes Genossenschaftsprodukt, das auf internationalem Parkett - sollte es sich jemals dorthin verirren - ausrutschen würde. Eintönig, langweilig, enttäuschend.

Rolf Willy, Nordheim:
2012 Lemberger trocken “Im Eichenfass gereift”

Der Wein ist vollkommen vanilleüberfrachtet, dafür fehlen alle anderen Akzente, die ein Lemberger schenken kann. Wachsweich ohne jede Ecke und Kante, deswegen langweilig, sogar abstoßend. Wird im Abgang bitter. Üblicherweise kann man Wein, der nicht gefällt, noch für irgendeine Soße verwenden. Nicht mal das ist bei dieser Vanillebombe möglich. Und vor dem ungarischen Gulasch (Lemberger - in Ungarn heißt er Kekfrankos - sollte das eigentlich schaffen) kapituliert er bedingungslos.

Willy-Weine werden in Supermärkten wie Sauerbier angeboten, und die Metapher paßt durchaus. Es tut uns leid, aber jeder Genossenschaftsstoff ist hier vorzuziehen.