Auf rund 12 ha ökologisch bewirtschafteter Fläche werden klassische Württemberger, daneben Burgunder, Riesling und einige Neuzüchtungen wie Acolon, Regent oder die nicht häufige Muscaris angebaut. Das Programm ist sowohl in der Quantität - über 40 Positionen - als auch in seiner qualitativen Vielfalt - vom sehr einfachen Wein bis zum ambitionierten Tropfen - breit angelegt. Auch ist der Forsthof seltenes Beispiel für ein Württemberger Weingut, dessen Weißweine beachtenswerter sind als seine Rotweine. Das bewies sich im Frühjahr 2020, als wir einige Weine aus den Jahren 2016, 2017 und 2018 probierten.

Weißweine

2011 Weißburgunder QbA - duftig, eher blumig als fruchtig, gut gekühlt ein erfrischender Sommertropfen und so säurekräftig und robust, um Rohkost-, Nudel- oder überhaupt irgendwelchen Salaten in der Gartenrunde zu widerstehen. Langer Nachgang. Da war es dann auch recht, wenn er nicht unbedingt zu den komplizierten oder tiefen Weinen zählte. Sein 2016er Pendant wahrt den blumigen Charakter, wirkt aber bedeutend feiner und ausgefeilter, ohne seine Kraft preiszugeben, seine Säure geschliffen, die orangene Frucht energisch und mit langer abschließender Bitternote. Und während der 2011er mit dem Preis-Leistungsverhältnis rang, hat dieser hier gar kein Problem damit. Die 2011 Cabernet Blanc Spätlese trocken punktet in ihrer Aromatik mit Sauvignon blanc-Akzenten, wirkt aber nicht so intensiv wie der Cabernet blanc aus Hohenbeilstein. Sie entwickelt sich zurückhaltend, ist erfrischend und scheint im schönen Nachgang cremig, ja fast glatt. Der 2013 Cabernet blanc trocken haut mit starker Limette- und Stachelbeeraromatik mehr auf die Pauke: süß, frische Säure, guter Nachgang und auf die Dauer etwas aufdringlich - da wirkt derselbe Hohenbeilsteiner Jahrgang differenzierter. 2013 Muskateller - seit vielen Jahren sind die Muskateller die bemerkenswertesten Weine vom Forsthof: kristallklar, stark und frisch, sortentypisch blumig und intensiv fruchtig, eine Delikatesse vor dem Essen, anstelle langweiliger Süßigkeiten auch hinterher und natürlich im Gespann mit scharfer indischer oder asiatischer Küche unschlagbar. Der 2014er kam damals jahrgangsbedingt nicht an den 13er heran und beeindruckte trotzdem, weil er die Muskateller der big player aus der Gegend im direkten Vergleich mühelos schlug. Und der blütenduftige, glasklare 2017er setzt ebenso mühelos diese bemerkenswerte Serie fort - für uns inzwischen eine Referenz, die ihre Gegner in Baden suchen muß.

Rotweine

Den schwachbrüstigen 2018 Muskattrollinger lassen wir beiseite und wenden uns dem schwäbischen Klassiker namens Samtrot zu. Der 2016 Samtrot steht allerdings so sehr auf der süßen Seite, daß die fragile Aromatik dieser exotischen Traube völlig zugedeckt ist. Sicher: körperreich, dick, ja fast fett, glatt die Kehle hinunterfließend, ein vergnüglicher Tropfen, um dessen Begleitung man nicht zuviel des Aufhebens machen muß. Viel Zeit an der Luft und sorgfältige Temperierung braucht er, um seine Facetten zu entfalten, sonst kommt er Genossenschaftsware gleich.

Zwei mit großem Aufwand ausgebaute Rotweine im Programm markieren die Spitze des Forsthofer Programms, und natürlich drängt sich ein Vergleich mit ähnlichen Weinen aus der Gegend auf. 2008 Lemberger QbA trocken - 16 Monate im Barriquefass gereift: ein von reifer Schwarzkirsche bestimmer, schon samtiger, dunkler Wein, der mehr Fülle verspricht als er hat. Etwas bitterer Kakao, etwas Zimt und feinstes Holz verleihen ihm Vielfalt, Spannung und Tiefe. Aufbäumende Aromatik im langen Nachgang. Schöner Winterwein und Beleg dafür, wie gut einige Winzer den Holzausbau seit den späten 2000er Jahren beherrschten. Im Vergleich mit dem Hohenbeilsteiner Lemberger GG ist er zweiter Gewinner; es fehlt doch etwas an Frucht, Samt und Körper. 2008 Spätburgunder Auslese trocken - 16 Monate im Barriquefass gereift: in seiner Aromatik überraschend zurückhaltend, sehr weich, rund und mild, die feine Holznote fehlt auch nicht. Was fällt uns zu diesem nicht ganz billigen Wein sonst noch ein? Vielleicht, daß man für ein paar Euro mehr den Spätburgunder GG vom Hohenbeilstein bekommt.

2009 Ars Vinitoris QbA trocken: Spätburgunder, Merlot und Cabernet Carbon wurden im Holzfaß ausgebaut. Dominiert wird der Wein vom Cabernet Carbon. Er ist trocken, durchaus tief und sehr vollmundig. In der Aromatik machen sich dunkle Beeren, Kirsche, bitterer Kaffee und als Gruß vom Merlot etwas Pflaume bemerkbar. Das Holz hält sich erfreulich zurück, der Spätburgunder sorgt für Weichheit, geht aber wie so oft in der Komposition unter. Insgesamt ist der Wein nicht besonders profiliert, dürfte ähnlich wie Ulrich Krafts Cuvee No. 3 aber gut zum Grillabend passen. Bis zur Klasse der Cuvee "Anna Selbdritt" vom Sankt Annagarten ist freilich noch eine Strecke zurückzulegen. Das galt 2011, als wir diesen Kommentar schrieben, und es gilt im Frühjahr 2020, wo wir den 2015er im Glas haben. 20 Monate im Barrique soll er verbracht haben, und das als auch der hervorragende Jahrgang schaffen einen kompakten, runden, weichen, schwarzkirschigen Tropfen, der auf der Forsthof-üblich süßeren Seite steht. Siehe da: wenn man auf die Temperatur achtet, wird der 2015er fast filigran, holt Blaubeeren, süße Kräuter und Lorbeer hervor. Uns scheint, der Anteil an Cabernet Carbon nahm beim 15er zugunsten des Lemberger ab, und wer würde das nicht begrüßen. Die Kunst des Winzers beweist sich auch darin, daß man die Holznoten im Zaum hielt. Insgesamt von begrenzter Tiefe und Spannung, aber zweifellos ein guter Wein mit hervorragendem Preis-/Leistungsverhältnis. Der Merlot schließlich wird auch als Auslese angeboten: 2009 Merlot Auslese trocken. Sortentypisch Pflaume und grüne Paprika, daneben Kakao und etwas Zimt. Nicht besonders vollmundig, aber selbstbewußt trocken und samtig mit angenehm herbem Nachgang. Auch hier kommen wir nicht um einen Vergleich und verweisen auf Eberhard Kleins Merlot.