Josef und Conny Michel, Achkarren, Baden:
2013 Achkarrer Schloßberg Weißer Burgunder Spätlese *** trocken

"So darf ein Weißburgunder nicht sein!“ Diesen Kommentar einer Verkosterin treten wir gleich mal in die Tonne und stellen fest: ungewöhnliche Weine sind uns lieber als übliche und nur in Nuancen differenzierte Sortentypizität. Daß Weine völlig anders aus dem Holzfaß hervorgehen als aus dem Edelstahltank, ist trivial, und dieser Michel beweist nur, daß vorsichtiger Holzausbau weißen Burgundern sehr guttun kann. Im Duft ein Potpourri aus Trockenfrüchten, vollreifer Birne und Quitte. Im Mund präsentiert sich der Wein jahrgangsuntypisch saftig, füllig, fast schwer, ist aromatisch gelbfruchtig und, wie es sich für die Schloßberglage gehört, leise mineralisch, und er schleppt im langen Nachgang ein ganzes Faß von Rumtopf hinter sich her, was wir in dieser Intensität selten erlebten. Ein Alleinunterhalter.

Engist-Weine, Patrick Engist, Achkarren, Baden:
2009 Achkarrer Schloßberg Weißburgunder Spätlese

Im Duft von schmeichelnder Honigsüße, im Mund von saftigen grünen Früchten, aber auch grasig-scharfen und fetten Akzenten bestimmt. Frucht und Säure sind im reichen Körper perfekt ausbalanciert. Der Wein ist rund, gefällig, tief. Er besitzt viele Facetten, wenn man sie entdecken will; er ist sehr ausgewogen und vielleicht deshalb nicht einfach zu erschließen. Langer, apfelfruchtiger und typisch salziger Nachgang.

Eckehart Gröhl, Weinolsheim, Rheinhessen:
2014 Niersteiner Hölle Weisser Burgunder trocken "Kalkstein"

An diesem Wein lassen sich Finessen von Lage und Ausbau studieren. Der Kalkboden der bekannten Steillage „Niersteiner Hölle“ macht den Wein stilistisch sanft und füllig (man vergleiche einmal mit feurigen Weißburgundern von Vulkanböden), der Edelstahlausbau bringt die Pfirsichfrucht und aromatische Transparenz schön hervor, gelungene Spontanvergärung sorgt für leicht schräge Akzente. Aber dann gibt Eckehart Gröhl dem Wein noch einen Kick mit wenigen Monaten Reife in neuen Barriques. Das macht ihn nicht so intensiv wie Michels Weißburgunder, bringt aber die notwendige Abwechslung in den Pfirsichgarten: vor allem im langen Nachgang kommen Weihrauch und Wintergewürze zum Vorschein. Ein gelungenes, aromatisch intensives, beinahe anstrengendes Kraftpaket mit leicht unharmonischer Säure.

Ökonomierat Rebholz, Siebeldingen, Pfalz
2014 Weisser Burgunder trocken „Vom Lößlehm“

Duftig, und zwar viel: süße Mandel, reife Zitrone, grüner Apfel, Aprikose. Saftig, und zwar sehr: fein eingebundene Säure (es kann mit diesem Jahrgang also doch gelingen), aromatisch glasklar, apfelfruchtig, etwas Butterteig. Mit über vier Gramm pro Liter recht viel Restzucker für einen Biowein, und von seiner Frische und aromatischen Kraft her der typische Grillwein. Warum also nicht mal ein Weißer, der mit Substanz und Süße für klare Kontrapunkte zu Grillgemüse und Fisch sorgt.

Phillip Kiefer und Dominic Stern - Pinot Times, St. Martin, Pfalz
2014 Pinot blanc trocken

"Pinot Times" ist das Experimentalprojekt zweier junger Pfälzer Winzer, deren Burgunder stets schwer ausfallen, und das gilt auch für diesen holzausgebauten Luxuswein. Williamsbirnenduftig und geschmacklich fast schon in der Dessertklasse, stilistisch von außerordentlicher Feinheit. Auf der Zunge sehr weich, kompakter Körper. Nicht enden wollender Nachgang, der von der leisen Bitternote der Vanille begleitet wird. Komplexer und schwierig zu trinkender Wein. Ein Weißburgunder für Spezialisten.

Landgraf, Saulheim, Rheinhessen:
2012 Weißburgunder trocken

Ein völlig unkomplizierter, aber hochklassiger Wein aus Landgrafs Basis-Serie. In seiner Aromatik so tief und sommerlich fruchtig wie ein guter Riesling. Der Duft von Gartenkräutern, gelben Früchten und reifem Apfel entfaltet sich explosiv. Im Mund sticht zunächst freche Säure zu, dann wird der Wein sanft, rund, weich und zeigt seine warme, sortentypische Seite. Vollmundig, wirkt lange nach und animiert ständig zum nächsten Schluck.

Stefan Rumpf, Weingut Kruger-Rumpf, Münster-Sarmsheim, Nahe:
2014 Weisser Burgunder trocken

Es zeigt sich immer mehr, daß der durchwachsene 2014er Jahrgang den Einfallsreichtum der Winzer auf die Probe stellte. Diesem Weißburgunder verpasste Stefan Rumpf etwas mehr Alkohol, was dem Wein guttut, ihm zu aromatischer Dichte und mehr Substanz verhilft. Im Duft Feuerstein, Schiefer, Pfirsich, im Mund hält er, was sein Duft verspricht: intensive Pfirsich- und Nahe-typisch selbstbewußte mineralische Note. Für diesen Jahrgang sehr feine Säure. Insgesamt ein hocharomatischer Wein, und das macht es schwierig, mehr als ein Glas davon zu trinken.

Karolinenhof, Pfaffen-Schwabenheim, Rheinhessen:
2010 Weißburgunder Classic

Das „Gesellenstück“ des Sohnes der Familie Demmer: geschmacklich kristallklar mit kräftigen Anklängen von Melone und Orange, fein eingebundene, erfrischende Säure, die das Wasser im Mund zusammenzieht. Spürbarer Körper, dennoch ein leichter Wein. Ordentlich anhaltender, fruchtiger Abgang. Hält auch stärkere Kühlung aus, ohne wesentlich an Aromatik zu verlieren. Nicht sehr facettenreich, aber vergnüglich. Sehr guter Terrassenwein.

Göbel-Schleyer-Erben, Ernst, Mosel:
2010 Weißburgunder QbA

Im Duft Bienenwachs, gelbe Früchte und Apfel; im Mund mit leichten Zitrus-, Minze- und Honignoten, die den vorherrschenden Granny Smith zäumen und den Wein vor Eindimensionalität retten. Im aromatischen, leider kurzen Nachgang zurückhaltend salzig und säurereich. Wirkt ohne große Tiefe und mit etwas flachem Körper doch sehr frisch und erfrischend. Ein Preis-/Leistungs-Gewinner.

Peter Seybold, Lauffen am Neckar, Württemberg:
2014 Weissburgunder trocken

Peter Seybolds Premiere: ein voll durchgegorener Wein, damit jede Restsüße vernichtet und, so scheint uns, auch alle Facetten, die Weißburgunder zu schenken vermag. Streng, sauber, salzig und nicht ohne feine Sortentypizität, aber so recht Vergnügen beschert der Wein nicht, da hilft auch kein Hinweis "Vegan". Andererseits: wer keinen Zucker zu sich nehmen darf, kann hier unbesorgt zugreifen.

Karl Karle, Ihringen, Baden:
2013 Ihringer Fohrenberg Weisser Burgunder Kabinett trocken

Über Kalifornien heißt es, sogar ein Gorilla könne dort guten Wein machen. Ähnliches ließe sich vom Kaiserstuhl und seinen Weißburgundern behaupten. Es mag diesem wenig inspirierenden Jahrgang geschuldet sein, daß ein Weingut mitten im Kaiserstuhl diesen wenig inspirierenden Wein hervorbringt. Aromatisch fehlt es an nichts, stilistisch ist er auf der eher feinen, klaren Seite, aber die Entfaltung im Mund, die Überwältigung der Sinne, das Verlangen nach dem nächsten Schluck - das alles bleibt aus. Vielleicht ein Wein für Kartoffelchips und Abendkrimi.

Freiherr von Gleichenstein, Oberrotweil, Baden:
2012 Weisser Burgunder & Chardonnay "Hofgarten" trocken

Eine zunächst stimmige Komposition: zu den klaren, scharfen Akzenten des Weißburgunder gesellen sich warme, weiche Noten des Chardonnay. Im Duft herb und mineralisch, nachdem sich der Schwefelstinker verzogen hat. Im Mund frischer grüner Apfel, Mirabelle, dann Haselnuß, Banane, etwas Vanille, eine Ahnung vom guten alten Leibniz-Butterkeks und zum Schluß hin salzige Noten. Leider ist alles von zu starker Säure, zu bitterem Holz begleitet. Auch muß der Wein sorgfältig auf Temperatur gehalten werden, sonst löst er sich in Windeseile auf und wird glatt. Das, seine Strenge und die Bitternote machen ihn zu einem wenig vergnüglichen Tropfen.

Franz Keller, Oberbergen, Baden:
2012 Weißburgunder “Franz Anton”

Aus dem breiten Angebot an Kellers Weißburgundern ein streng mineralischer, fast bitterer Vertreter mit sehr wenig Restsüße und noch weniger Bouquet, vielleicht etwas Aprikose und Birne. Zurückhaltende Säure, alles hart an der Grenze zur Langeweile. Mag als Begleiter extrem filigraner Speisen, die bereits in der Sauteuse zu zerbrechen drohen, taugen. Unserer Meinung nach sehr schlechtes Preis-/ Leistungsverhältnis.

Franz Keller, Oberbergen, Baden:
2009 Weißburgunder Edition Fritz Keller (Aldi Süd)

Wir zitieren aus unserer Notiz 2010: “Der „Weißburgunder 2009“ ist durchaus vollmundig, alkoholreich und süß, wodurch Anklänge von Zitrusfrüchten und Birne etwas erschlagen werden. Sauerstoff tut ihm aber gut und entfaltet die Aromen stark, auch sollte man ihn nicht zu kalt servieren. Deutliche Bitternote. Entfernt nimmt man jene Cremigkeit wahr, die badische und erst recht Elsässer Weißburgunder sonst (über-)reich aufweisen. Störend wirkt die spitze, grüne Säure, die den Wein zunächst frisch macht, dann zusticht und den Verdacht auf unreifes Traubengut hinterläßt. Letztlich wird nicht klar, was der Wein sein will: Weißburgunder auf Riesling getrimmt?”

Wie präsentiert sich dieser Wein im Januar 2012? Der intensive Duft von süßem Keks, Butter, Apfel und etwas Honig ist interessanter als das, was Sie anschließend erwartet. Denn im Mund deckt die immer noch starke Säure die Aromen zu: der Wein schmeckt wenig akzentuiert und ist facettenarm. Die Bitternote ist deutlich reduziert und besser eingebunden. Im etwas kurzen, salzigen Abgang schießt wiederum Säure durch den Gaumen. Insgesamt wirkt der Wein unharmonisch.

Heinrich Vollmer, Ellerstadt, Pfalz:
2009 Weißburgunder trocken

Das Aroma ist von frischem grünem Apfel dominiert, begleitet von leichter Bitternote und einem staubigen Akzent. Im Gegensatz zur Süße im Mund ist der Abgang sehr säurereich. Insgesamt weist der Wein kaum Akzente auf, wirkt flach und langweilig. Es hilft nichts: Weine, deren Etiketten von reifem Käse, hellem Fleisch und so weiter faseln, verbleiben im Supermarktregal!

Winzer vom Silberberg, Bahlingen, Baden
2012 Weisser Burgunder trocken

Die Genossenschaft "Winzer vom Silberberg" ist die Kaiserstühler Außenstelle der "Ersten Markgräfler Winzergenossenschaft Schliengen-Müllheim". Den Schatz im Silbersee oder so haben wir mit diesem Weißburgunder leider nicht im Glas. Grüner Apfel, flüchtig und nicht wiederkehrend, leichter Nuß- und schwerer Bitterton, letzterer penetrant und nicht wegwollend, insgesamt alles schnell zusammenfallend. Im Abgang salzig, trotzdem flach, irrelevant, uninteressant.