Adelmann verstand es schon immer, Innovation und Tradition miteinander zu verheiraten. So kann das Weingut auf eine jahrhundertelange Geschichte zurückblicken, ist aber Pionier ebenso des Barrique-Ausbaus wie auch der Komposition hochwertiger Rebsorten zu Cuvees, die heute zu den anspruchsvollsten Deutschlands zählen. Lange waren Adelmanns Rotweine von schwerer, französischer Art. Seit 2012 scheinen sie mit dem Generationswechsel und neuer Kellerleitung an Leichtigkeit zu gewinnen und legen das Französische zugunsten des Schwäbischen ab - was bei Rotweinen durchaus eine Empfehlung ist. Adelmann bleibt aber auch Paradebeispiel für die gekonnte Vermarktung guter Tropfen zu saftigen Preisen: wer adligen Wein aus der Schaubecker Märchenburg erwerben will, darf etwas mehr investieren.

Rund 21 ha sind mit 13 Rebsorten überwiegend in Steillagen bepflanzt. Spezialität ist nach wie vor der Lemberger, der auch Grundlage der bemerkenswerten Cuvees ist. Aus dem über 40 Positionen umfassenden Programm kommentieren wir nur einen Ausschnitt, der den Stil der Weine wiedergibt, und mit dem Jahrgang 2013 konzentrieren wir uns ganz auf Adelmanns Rotweine. An ihnen, vor allem den Cuvees, kommt man nicht vorbei, wenn man ein umfassendes Bild hochklassiger Württemberger Weinkultur gewinnen möchte.

Das Schaubecker Löwengehege

Vor einigen Jahren schrieben wir: "In Adelmanns rotem Programm, diesem Labyrinth der Produktlinien, kann man verloren gehen". Im Weingut liegen nun Beipackzettel aus, auf denen die Produkthierarchie erklärt wird: "Graf Adelmann Premium" umfaßt die Großen Gewächse, die "Hades"-Barriquelinie, "Der Löwe von Schaubeck", Herbst im Park, Pinot Noir sowie die edelsüßen "Brüssele`r Spitze". Unterhalb ist die "Brüssele"-Linie mit allen weiteren Weinen angesiedelt. Wieso man als VDP-Mitglied nicht deren Konzept übernimmt, bleibt Adelmanns Geheimnis.

Jung zu trinken sind die Lemberger aus der Linie "Schwarzer Loewe" nicht, zwei Beispiele dafür: 2006 "Der schwarze Loewe" Lemberger Barrique trocken und seine 2007er und 2009er Brüder - tiefdunkle Tropfen mit Schwere und Tiefe, nicht überladen, sondern trotz ihrer Kraft von überraschender Finesse im Mund - die jüngeren feiner und akzentuierter, der 2006er legt sich wie ein samtener Teppich über Gaumen und Bewußtsein. Im Winter 2014 sind die 2011er und 2012er Jahrgänge im Verkauf, beide noch hitzig und eindeutig für den Keller bestimmt. 2008 Lemberger „Der Loewe von Schaubeck“ trocken: reich, ohne fett zu wirken, mundfüllende Aromen, endloser Nachgang, er bekam im Herbst 2011 seine Tannine langsam in den Griff und reifte zu einem außergewöhnlich saftigen Tropfen. Auch der teilweise in neuen Barriques gereifte 2012er ist gelungen: sehr weich und seidig auf der Zunge, herbe, rote Früchte und süße Noten aus dem Holzausbau - den beherrschen die Adelmanns in Perfektion -, gerade noch erträgliches Preis-/Leistungsverhältnis. Dem muß man sich bei Adelmann eben stellen, und zwar immer mehr. Außerdem gibt es über die Jahre wechselnde Projekte wie zum Beispiel den 2008 Lemberger >N< trocken: stark, schwer, weich, vanilleduftig, würzig mit Pfeffer und Muskat, fruchtig mit Erdbeere und sich langsam entwickelnder, reifer Schwarzkirsche. Interessanter Begleiter beispielsweise von Lammgerichten, taucht aber in der aktuellen Preisliste nicht mehr auf.

Während die Basisweine anderer Weingüter in der Regel gut zugänglich sind, sprich: auf der süßeren Seite stehen, führt Adelmann seine (manchmal knochen-)trockene Philosophie in seiner Basis "Brüssele" gnadenlos fort. Der 2011 Brüssele Lemberger trocken macht klar, daß Brombeeren und Kirschen auch mal herb, säuerlich und mit nur subtiler Fruchtsüße ausfallen können. Sehr vollmundig, intensiv, läuft glatt hinunter und wirkt lange nach. Der 2013er wirkt zugänglicher, noch weicher, zeigt aber im Abgang seine Krallen, ist kirschfruchtig, pfeffrig, erdig und zog aus gebrauchten Barriques süße Holznoten. Nicht so vollmundig wie der 11er.

Die Cuvees

Die Vignette aus Lemberger, Spätburgunder und Cabernets markiert nach Michael Graf Adelmanns Meinung die Spitze seiner Cuvees, und in der Tat ist die Vignette (hier: 2011) ein bemerkenswertes Stück Württemberger Weinkunst. Uns ist sie zu fordernd, zu anstrengend. Seit jeher unser Favorit ist vielmehr der treffend benannte Herbst im Park aus den gleichen Rebsorten, in der Vergangenheit war auch Dornfelder dabei. Der 2009er zeigt im Duft Waldbeeren, Schokolade, Pilze sowie leicht Vanille; im Mund Schokolade, schwarze Beeren, der scharfe Akzent herbstlichen Laubes - wie gesagt: treffend benannt. Ein starker, trockener, lang anhaltender Wein. Sein 2011er Pendant scheint uns in der Tertiäraromatik noch vielfältiger mit Karamell, dunkler Schokolade, Nüssen; etwas süffiger, nach wie vor meisterlich gemacht. Das Niveau hält auch der 2012er mit seiner tour d`horizon durch Fässer aus ungarischer und französischer Eiche; aromatisch machen sich die Cabernets stärker bemerkbar, auch scheint der Wein trotz seiner Kirsch- und Pfeffernoten etwas blumiger als seine Vorgänger. Perfekt eingewobene Tannine, saftig, samtig und im Spätherbst 2015 noch viel zu jung. Welches Potential diese Weine haben, beweist ein zum gleichen Zeitpunkt geöffneter 2007er. Der dichte, kompakte, herbfruchtige Wein begann sich zu entfalten und kann mit Vergnügen genossen werden.

Weißweine

Auch Adelmanns Weißweine sind durch konsequent trockenen Ausbau gekennzeichnet. Die von uns kommentierten Weißen der vergangenen Jahre erschienen jedoch oftmals dünn, bestenfalls federleicht wie der mirabellenduftige 2009 Kleinbottwarer Süßmund Riesling GG trocken „Das Lied von der Erde“ mit seinem schwierigen Preis-/Leistungsverhältnis. Oder sie waren uns zu glatt, ja seifig wie die Weißburgunder 2009 Kleinbottwarer Lichtenberg Weißburgunder Spätlese „Brüssele’r Spitze“ oder der 2013 VDP.Erste Lage Weißburgunder trocken. Da wir diese Stilistik nie schätzten und vom zweitklassigen Jahrgang 2014 wirklich nichts erwarten, beenden wir bis auf weiteres dieses wenig vergnügliche Spiel. In zwei, drei Jahren, wenn Felix Graf Adelmann seine eigene Handschrift umgesetzt haben wird, sehen wir uns wieder um.