Auf 6 ha in eigener Lage, dem Höpfigheimer Königsberg, wird fast das gesamte Württemberger Sortenspektrum, Grauburgunder sowie experimentell Spätburgunder angebaut. Krafts Weißweine sind – zumindest in der Jugend – von frischer, kühler, frühlingshafter Art, die Rotweine kräftig, weich, aber nicht charakterlos glatt. Es handelt sich nicht um ein ökologisches Weingut; die Krafts sind sich über Vorteile und Absurditäten ökologischen Weinbaus durchaus im Klaren.

Weißweine

Seien es Klimawandel, wachsende Ambitionen der Erzeuger oder anspruchsvollere Kundschaft: mittlerweile kann - wer an die richtigen Erzeuger gerät - auch Württemberger Riesling mit Vergnügen trinken: Krafts 2011 Riesling trocken QbA ist nicht hart und säurereich, sondern gelbfruchtig und blumig, im Mundgefühl sehr leicht. Zunächst würde man nicht erraten, daß es ein Württemberger ist. Nach längerem Gaumenkontakt fährt der Wein aber die Krallen aus und herbe, kräuterige Spitzen, auch mineralische Noten erscheinen. Im Nachgang kommt die Blumenwiese wieder nach vorne. Der 2014er ist von gleicher Typizität und jung mit Vergnügen trinkbar, wird aber etwas Geduld honorieren. Der 2011 Muskateller lieblich QbA überwältigt mit reicher sortentypischer Aromatik, faszinierend ist aber die saftig frische Zitrone im Duft, die im Nachgang wieder mächtig hervorkommt. Bei der 2010 Cuvee Liana aus Riesling und Muskateller fragt man sich zunächst, wo der Muskateller blieb: in Duft und Geschmack ist der Wein rieslinggeprägt, bevor sich erst im Abgang die Frucht des Muskatellers intensiv bemerkbar macht: ein spannendes Aromenspiel. Der Wein ist nicht allzu trocken, wird von herben, bitteren Noten ausgeglichen, ist unbedingt terrassentauglich und sollte nicht zu kalt serviert werden.

Rotweine

Im Frühjahr 2016 war es natürlich noch viel zu früh, dennoch konnten wir vom 2015 Trollinger trocken kaum lassen: dunkel in der Farbe, vollfruchtig, leicht cremig, ungemein süffig, aber nach hinten knochentrocken, heiß und stark. Noch etwas holzig-bockig, aber das wird sich schnell abschleifen. Wenn das der Vorbote für den 15er Trollingerjahrgang ist, dann erwartet uns Großartiges. Der 2009 Lemberger Classic QbA fordert. Er schmeichelt mit saftig-süßem Cassis-Duft und Noten von Liebstöckel, überrascht beim ersten Schluck aber mit herber, strenger, trockener Art, die später von süßen Gewürzen, wieder Cassis und einem kleinen Kräutergarten eingefangen wird. Angenehmer Nachgang, vollmundig, saftig, schon leicht samtig, wirkt aber nicht so schwer, wie es die 12,5 Vol-% erwarten lassen. Gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Die 2008 Rotwein Cuvee No 3 aus Lemberger, Cabernet Dorsa und Spätburgunder. Ulrich Kraft empfiehlt ihn als Begleiter zur Grillsaison, was viel über die Art der No 3 aussagt: tiefdunkel, weich, samtig und selbstbewußt mit spürbarem Körper. Vorrangig von Lemberger-Aromatik geprägt, aber in Duft und Mund eigenartig hintergründige, schwarzkirschige, herbe Noten, die wohl der Cabernet Dorsa beisteuert. Der Spätburgunder verschwindet. Anders als bei vielen Württemberger Cuvees ist die Süße sehr zurückhaltend, was der geschmacklichen Harmonie mit manchen Speisen entgegenkommt. Allerdings läßt seine Geschmacksfülle stark nach, wenn zu viele Röstaromen im Spiel sind oder der Wein zu warm wird. Er wirkt auch 2016 nicht zu reif und sowieso kein bißchen müde: die Grillsaison kann kommen.

Das Programm wird von drei bemerkenswerten Sekten - aus Lemberger, Spätburgunder oder Muskateller - abgerundet. Auch sie sind von einnehmender Weichheit, nicht überfordernder Fülle und feiner sortentypischer Aromatik (wobei der Muskateller die Muskeln spielen läßt); im Gegensatz zu den Weinen ist bei den Sekten der Spätburgunder unser Favorit.