Seit 1983 liefert Horst Konstanzer zuverlässig Weine der Spitzenklasse, die - wie der Meister selbst - konsequent und geradeaus sind. Handwerklich perfekt gemacht wollen sie aber nicht um jeden Preis gefallen, auch das ein Merkmal der Spitze. Andererseits verfällt Konstanzer nicht der Vorhersehbarkeit, die auf Spitzenniveau ebenso langweilig ist wie in der Genossenschaftsklasse. Er bringt praktisch mit jedem neuen Jahrgang Details in sein Programm, die überraschen, polarisieren und auf die man sich einlassen muß - es sind Weine für den fortgeschrittenen Geschmack. Auf rund 11 ha der Ihringer Lagen Fohrenberg und Winklerberg stehen zu 65% weiße Burgundersorten, außerdem zu einem Drittel Spätburgunder und als Spielwiese ein Potpourri von Silvaner, Riesling, Muskateller und Gewürztraminer.

Weissweine

Der 2010 Grauburgunder Kabinett trocken zeigt den dominanten Stil der Konstanzer-Weine: durchgegoren, kräftig, unverfälscht, aber von hintergründig feiner, meloniger Frucht. Ein rauer Wein, vielleicht einer für Männer, die auch einen Laphroaig 15 yrs zu schätzen wissen. 2009 Grauburgunder Spätlese: apfel- und melonenfruchtig mit salziger Note, leichter und schlanker wirkend als er ist. Zum Spiel zwischen Säure und Weichheit gesellt sich leichte, köstliche Cremigkeit. 2009 Muskateller: im Gegensatz zum Stereotypen erzeugt Konstanzer einen tiefen, starken, unüblich trockenen, säurereichen, subtil süßen und extrem aromatischen, lange nachhaltenden Muskateller - uns fielen durchaus noch mehr Adjektive ein. Ein appetitanregender Aperitif, was bei dieser Sorte eher selten ist. Die 2011 Muskateller Spätlese trocken setzt die Klasse nahtlos fort: kühl, ausgewogen, süß-fruchtig und etwas salzig, federleicht, aber vollmundig. Starker, sich aufbäumender Nachgang. Im Frühjahr 2016 ist der Wein ausgereift: im Duft erinnert er an einen weichen Übersee-Chardonnay, im Mund wechseln sich sortentypische und exotische Akzente ab, seine Stilistik ist wie bei unserer ersten Probe 2012 voll und saftig, aber nicht schwer. Daß bei solchen Jahrgängen der 2014er nicht ganz mitkommt, Jugend hin oder her, ist klar: sortentypischer, satter, kühler Duft, aber im Mund fehlt die typische Saftigkeit. Der Wein ist säurestark und von Zitrus bestimmt. Die 2010 Gewürztraminer Spätlese ist ein Wein zum Lutschen: seidig, fruchtig, vollmundig, Aromen von Grapefruit und anderen Südfrüchten, feinste Säure. Auch hier ist der 2014er zweiter Sieger: aromatisch viel zurückhaltender, was ihm aber nicht unbedingt schlecht steht.

Vom wilden, feurig-rauchigen 2002er über den fruchtig-fetten 2007er oder den glasklaren, feingeschliffenen 2011er stellt Horst Konstanzers Chardonnay eine eigene Qualität dar. Die 2012 Chardonnay Spätlese trocken ist ein warm wirkender Wein, in seiner Struktur fein, beinahe filigran, duftig, mit Nüssen, Brioche, warmem Teig und unterschwellig kräuterig-mineralischem Akzent. Nicht zu glatt: auf der Zunge frisch, im langen Nachgang erfrischend. Gesamteindruck: Eleganz. Spielt damit auf der Seite der schlanken Burgunder, etwa aus Meursault. Antipode des buttrigen, floralen und fruchtigen Überseetyps, designed für feuchte Hitze und Cajun-Küche. Der 2013er präsentiert sich im Frühjahr 2015 natürlich kräftiger und etwas ungehobelt. Aromatisch nicht so vielfältig und mehr karamell- und zitrusgeprägt, aber feine Brioche- und Butternoten fehlen nicht.

Konstanzers Weißburgunder

Die Zeiten, als Konstanzers Weißweine als Umrahmung des hervorragenden roten Programms dienten, sind lange vorbei. Die Weißburgunder bewegen sich mit jedem Jahrgang mehr in Richtung Perfektion und wären längst dort angekommen, wenn das Wetter mitspielen würde (so waren wir im Frühsommer 2015 zur 13er Probe eingetroffen, gerade rechtzeitig, um das Hagelmassaker zu bewundern). Im Duft des 2013 Weissburgunder Kabinett trocken "Lößterrassen" präsentiert sich der halbe Kaiserstühler Obstgarten mit Birne, Pfirsich, Haselnuß und einer Prise trockener Gartenkräuter. Die Frucht bleibt im Mund stabil, was bei dem Jahrgang nicht oft vorkommt. Frische, gut integrierte Säure - das scheint uns bei einem 13er ebenfalls bemerkenswert, lang anhaltender, weicher Nachgang.

Von den Terrassen des oberen Winklerbergs, einer der beiden echten Spitzenlagen der Region (die andere ist der Achkarrer Schloßberg) stammt die 2013 Weissburgunder Ihringer Winklerberg Spätlese trocken. Im Duft klare Birnen- und Quittenaromatik, Granny Smith, süße Haselnuß, Butterkeks. Auf der Zunge rau; wir notieren: "Bloß noch nicht öffnen!", und des Jahrgangs wegen nicht so voll, wie es die Spätlesen der 09er oder 11er Jahre waren. Im Vergleich schien uns die 2013 Weissburgunder Vorderer Winklerberg Spätlese trocken runder und spannender. Aromatisch so reich, daß man kaum merkt, daß sie "nur" im Edelstahl reifte. Feurige Mineralik, reifes gelbes Steinobst, vollmundig, auf der Zunge wie Seide. Bitterer Abgang, und nochmals: ein spannender Wein. Diese nach Westen ausgerichtete Lage kann Weine von der Qualität "Großer Gewächse" hervorbringen, und der 2013er ist Beleg dafür.

Rotweine

Den 2008 Spätburgunder QbA trocken stellte Horst Konstanzer seinerzeit als "Basiswein" vor, ein Treppenwitz für uns, denn die sogenannte Basis war von einer Qualität, von der andere Winzer träumen. Der 2008er wirkte tief, war vielschichtig mit Aromen von dunklen Früchten, Erdbeeren, Vanille und im Abgang herb und trocken. Das 2010er Pendant: pfeffrig, fruchtig, Schwarzkirsche wandelt sich in Erdbeere, zimtig, frische Säure und sehr langer Nachgang. Stärker und direkter. Und der 2011er vermag wiederum zu überzeugen: durchdringende Aromen, fruchtsüß, kräuterstark, unterlegt mit den herzhaften Noten von Speck, der in der Pfanne beginnt, Röstnoten zu entwickeln. Auf der Zunge sanft, nach hinten zupackend und kräftig: ein kompletter Wein. Konstanzers Basis eben. Apropos überzeugen - die trockene Spätlese desselben Jahrgangs bietet das alles auch, nur direkter, selbstbewußter. Sicher nicht mehr unbeschwert zu genießen und in ihrer Intensität ausgesprochen herausfordernd. Ein Wein, der exquisite Speisen nicht untermalt, sondern die Hauptrolle spielt. Der 2010er Spätburgunder Ihringer Winklerberg duftet delikat fruchtig nach Erdbeere und einem erdig-herben Ton. Im Mund ist er von reicher Süße und ausgleichender Säure; Erdbeere, Pfeffer und ganz leichte Vanille bestimmen ihn. Stark und trocken, langer Nachgang, macht ständig Lust auf mehr und geht in Richtung Meditationswein.

Ein Abriß der Pinot Noir - 2008: Holz- und Zimtnoten, Gewürznelken, Sauerkirsche, saftig, füllig, aber sehr direkt. 2009: seidig im Mundgefühl, pfeffrig, kräftig, direkt im Geschmack, deutliche mineralische Noten, die Wahl für Freunde der zurückhaltend herben Tropfen. 2010: pfeffrig und grünwürzig, außerdem Schwarzkirsche und blumige Noten. 2011: eine Fruchtbombe - Dosenerdbeere, Zwetschge, Kirsche, alles ausgeglichen von feinen mineralisch-bitteren Noten sowie eleganter Säure.

- pur -

Die 2009 Spätburgunder -pur- Spätlese trocken war die erste Vertreterin einer neuen Linie: ausgesuchte Trauben aus erstklassiger Lage, lange Maischestandzeit, Spontanvergärung, Reifung im Barrique, die Grenze des handwerklich Möglichen austestend. Das Ergebnis: ein extraktreicher, saftiger, beinahe fleischiger Wein, im Duft Zimt, Feuerstein, Pfeffer, Gartenkräuter, Nelke, feinstes Holz; dank fehlender Filtrierung samtig und voll. Und er spiegelt nichts vor: selbstbewußt und stark. Zimtiger, langer Nachgang. Daß nicht jeder Jahrgang solchen Wein zuläßt, versteht sich; erst der 2011er war Horst Konstanzer wieder gut genug für einen -pur-: im Geschmacksbild identisch, etwas süßer, etwas schlanker - meisterhaft!