Hermann Schmalzried, Korb:
2013 Korber Sommerhalde Trollinger trocken

Schmalzried zieht mit diesem Trollinger alle biologisch-korrekten Register: "Handverlesen, natürliche Klärung durch Sedimentation (Vegan), mit den natürlichen Hefen auf der Maische vergoren", so das Rückenetikett, und auch das "demeter"-Aufkleberchen fehlt nicht. Klingt alles nach der üblichen veganen Verbissenheit, aber nach einigen Momenten des Sichaneinandergewöhnens entfaltet sich der Wein eindrucksvoll, wirkt gleichzeitig kräftig und fein, ist geschmacklich intensiv rotfruchtig mit leichter Mandelnote und nie langweilig süß. Trollingertypisch von leichtem Körper, aber auf der Zunge dicht, kompromißlos trocken und saftig. Strenger, dennoch angenehmer, langer und erdiger Nachgang. Zurecht nicht billig und nicht jedermanns Geschmack, beileibe nicht. Auch an unserer Tafel finden sich eher die erstklassigen, aber zugänglicheren Tropfen von Michael Kinzinger, Eberhard Klein oder Alex Heinrich. Trotzdem unser Respekt für dieses pure Meisterstück schwäbischen Weinbaus.

Michael Kinzinger, Berghof bei Enzweihingen:
2011 Trollinger ** trocken

Die Ohrfeige für Masseproduzenten. Ein transparenter Wein, nicht in der Farbe, sondern im Duft und im Geschmack: feinduftig, klar und vielschichtig in seiner Struktur - Schwarzkirsche und saure, herbe Früchte halten Balance mit einer sehr feinen, fast rauchigen Holznote. Trotzdem kein filigraner Tropfen, vielmehr stark und erdig. Stilistisch weich, aber nicht glatt mit leicht cremigem Gefühl auf der Zunge. Vollmundig und für diese Rebsorte ungewöhnlich tief. Im Nachgang bäumt sich die Kirsche schön auf. Er kann gerade noch als unkompliziert gelten. Ein moderner Wein, der den Weg weist.

Alexander Heinrich, Obersulm-Sülzbach:
2012 Trollinger "Sandwasen" trocken

Ein ganz weicher Vertreter. Lockend, schmeichelnd, um nicht das abgegriffene Etikett "verführerisch" anbringen zu müssen, und so etwas wie der Kontrapunkt zum starken Kinzinger. Nicht so süß, daß er abstößt, aber süffig im besten Sinne. Delikater Alleinunterhalter: leicht, feinfruchtig, nicht anstrengend, trotzdem vollmundig und trocken. Fein eingebundene Säure, langer Nachgang. "Sandwasen" ist Heinrichs Spitzenlinie. Dieser Trollinger trägt den Titel zurecht.

Ottmar und Christian Escher, Schwaikheim:
2016 Trollinger ** Alte Reben "Bergkeuper" trocken

Auch er ein weicher, fast zu glatter Wein. Im Duft sehr elegant wirkend und ungewöhnlich filigran, aber auf der Zunge voll und dick mit einem Hang zur Opulenz. Glücklicherweise herb-rotfruchtige und keineswegs süße Aromatik, die sich langsam und eindrucksvoll entfaltet. Interessanter Zimtakzent im bitteren, trockenen Abgang. Bleibt schön lange präsent und animiert. Zielgruppe dieses Weines ist die große Gesellschaft. Wir sind gespannt, ob deren Gastgeber den Mut haben, einmal einen Trollinger zum Aperitif zu kredenzen.

Herbert Eisele, Hessigheim:
2011 Besigheimer Wurmberg Trollinger trocken

Auffällig an diesem Wein ist die klar definierte Trennung zwischen fruchtiger Süße und einer deutlichen, bis in den Nachgang hinein wirkenden Bitternote. Im Gegensatz zu den meisten Genossenschaftsprodukten des mittleren Neckarraums ist er zwar süß, aber nicht klebrig. Mildes, weiches Gefühl auf der Zunge. Wirkt leicht, widersteht aber problemlos dem schwäbischen Rostbraten. Idealer Einsteigerwein in das Thema Trollinger und Referenz für diese Rebsorte.

Weingut des Grafen Neipperg, Schwaigern:
2013 Trollinger trocken

Vor fast fünf Jahren schrieben wir über das Weingut Graf Adelmann, daß wer adligen Wein wünsche, eben etwas mehr bezahlen müsse, und natürlich gilt das auch für diesen kräftigen Trollinger, dessen Preis noch saftiger ist als sein Mundgefühl. Intensiv fruchtig nach roter Johannisbeere und etwas Mandel, vollmundig - soweit ein Trollinger das sein kann, stilistisch cremig und fein, aber an der Tafel von unbedingter Robustheit. Braucht zur Entfaltung seiner zurückhaltend süßen Noten kräftige Begleiter. Insgesamt so streng und kompromißlos wie sein knochentrockener Abgang. Ein ernstzunehmender Wein.

Bernhard Ellwanger, Großheppach:
2013 Trollinger „Steillage“ trocken

Anfang 2014 waren wir von dem Wein wenig beeindruckt. Nach einigen Jahren der Reifung präsentiert er sich wesentlich kräftiger und aromatischer, kurzum: erwachsen, und wird seinem Preis gerecht. Intensiv rotfruchtig und eher auf der süßeren Seite ohne im Mindesten "lieblich" zu sein, Akzente vom Holzausbau zeigen sich. Auf der Zunge immer noch sehr fein, fast seidige Struktur, und das "trocken" erschließt sich nicht so recht. Zu schade für Vesperbrezel oder Bratensoße, aber erstklassige Kalbsmaultaschen dazu? Sicher.

Michael und Andrea Borth, Bretzfeld-Adolzfurt:
2009 Adolzfurter Schneckenberg Trollinger

Schon im Duft saftig und von Erdbeere und etwas Bittermandel bestimmt. Im Mund entfaltet er sich zunächst zögerlich, hat nicht allzuviel Körper, überzeugt aber mit süßer Frucht, die von feiner Säure begleitet wird, und wirkt auf der Zunge sofort sortentypisch cremig. Ein absolut authentischer Trollinger: man erwartet nicht zu viel, aber die Erwartungen werden ohne Umstände erfüllt. Wie auch Eiseles Trollinger mit weniger als fünf Euro pro Liter von unschlagbarem Preis-/Leistungsverhältnis.

Kircher, Beilstein:
2011 Beilsteiner Wartberg Trollinger QbA

Kircher gibt seinen Weinen generell wenig Restsüße mit. Dieser hellrote Trollinger mit seinen saftigen 13 Vol-% überrascht mit zurückhaltender Frucht, sanfter Cremigkeit und noch leichtem Körper aber doch. Denn vorherrschend ist seine energische, vielleicht etwas holzige Bitternote. Trotz weniger als vier Gramm Restzucker kein trocken wirkender Wein, eine Art Grenzgänger zwischen verschiedenen Stilen. Kein typischer Vesperwein. Ein zu preisgünstiger Alleinunterhalter für jene, die es nicht zu süß mögen...

M. & R. Kazenwadel, Großbottwar:
2016 Trollinger

...und für jene, die es kompromißlos süß und ebenfalls zu preisgünstig mögen, hier der federleichte und spottbillige Trollinger vom Holzweiler Erzeuger diesen bemerkenswerten Rieslings. Bei richtiger, im Zweifelsfall kühlerer Temperierung nicht bloß erdbeersüß, sondern auch mit feiner Bitternote, cremiger Mundfülle und langem, trockenem und bockigem Nachgang, der ihn von der Masse abhebt, der animiert, den Speichel anregt, nach mehr verlangt. So gut wie gar keine Säure mehr. Ein Nebenherwein, der das Nebenher schnell vergessen läßt, auch wenn er aus der Zeit gefallen scheint.

Hans-Peter Wöhrwag, Stuttgart-Untertürkheim:
2011 Trollinger trocken

Kein leichtes Unterfangen. Der Wein macht uns zunächst überhaupt keinen Spaß. Er wirkt trotz 12 Vol-% seltsam leicht und irgendwie langweilig. Nachdem er eine Dreiviertelstunde in der Ecke steht, kommt langsam süße Cremigkeit und Erdbeerfrucht heraus, er wird differenzierter und eleganter: sanft, glatt und körperreich, sogar richtig dick, mit interessantem Wechselspiel zwischen Erdbeere und roter Johannisbeere. Vanilliger Nachgeschmack, der Wein ist dann aber recht schnell weg. Unzweifelhaft ein guter Wein, aber mit problematischem Preis-/Leistungsverhältnis. Leider etwas divenhaft, und das akzeptieren wir schon beim Lemberger nicht; beim Trollinger noch viel weniger.

Dieter und Christel Krohmer, Beilstein:
2013 Trollinger trocken

Bei einem Literpreis von unter 5 Euro war das nicht zu erwarten: ein kräftiger Trollinger mit feiner, zurückhaltender Süße. Aromatisch nicht besonders akzentuiert, etwas rote Johannisbeere ist herauszuschmecken, und nicht besonders robust, als Alleinunterhalter macht er mehr Spaß. Die frische Säure animiert und gleicht die sanfte Struktur aus. Der Wein entfaltet sich schön im Nachgang und bleibt ungewöhnlich lange präsent. Ein extrem preisgünstiger Alltagswein und durchaus mit Anspruch.

Rux-Wein - Heike und Christoph Ruck, Stuttgart:
2013 Trollinger "Alte Reben" trocken

Aus der altberühmten, aber deshalb noch lange nicht hervorragenden Lage "Cannstatter Zuckerle" kommt dieser bitter-herbe Trollinger. Den lehnt man entweder gleich ab, oder man nimmt sich nach der ersten verstörenden Begegnung Zeit, um sich darauf einzulassen. Er gehört zur sehr kräftigen, sehr trockenen Fraktion, ist tief und vollmundig und wirkt im Sommer 2014 noch verschlossen. Ob und wohin er sich entwickeln wird, ist uns ebenso unklar wie die Frage, wohin die Reise von Rux-Wein gehen mag. Heikler Punkt: wieso gibt man diesem unfertigen Wein nicht mehr Zeit im Keller, sondern wirft ihn zu früh auf den Markt. Natürlich muß man sich es leisten können, die Kapitalbindung im Weinkeller dem Kunden aufzudrücken. Ob der das aber ausgerechnet bei Trollinger akzeptiert?

Collegium Wirtemberg, Stuttgart:
2011 Trollinger “Wilhelm” trocken

Repräsentativ ausgestattete Flasche: Golddruck, fünf (!) Etiketten, das Portrait Wilhelm des Ersten von Württemberg. Was hilfts. In seiner Farbe ungewöhnlich dunkel. Im Duft enttäuschend zurückhaltend und unspezifisch, aber irgendwie parfümiert wirkend, und diese parfümierte Note zieht sich weiter durch Duft und Geschmack. Zunächst sehr herb, sehr bitter - auch im Nachgang, trocken, ja adstringierend; die Cremigkeit fehlt völlig. Ernüchternd, und das sollte ein Wein nun wirklich nicht sein. Zunächst dachten wir, daß die Dreiviertelstunde, die Wöhrwags Trollinger zur Entfaltung brauchte, weit jenseits dessen liegt, was ein Trollinger dem Genießer an Geduld abverlangen sollte. Das Collegium ist anderer Meinung und hält die Stoppuhr bei neunzig Minuten an. Da wird der Wein fruchtig, voll und seinem Namenspaten langsam gerecht. Anspruchsvollen Gästen, auch Trollinger-Verächtern, nun ohne weiteres vorsetzbar: ein sehr guter Wein. Aber er ist bis an die Grenze hochgezüchtet; manche in der Runde meinen, übers Ziel hinausgeschossen. Ein Trollinger nach Lembergerart, ein Australier unter den Trollingern. Die Frage sei erlaubt: was soll das?

Collegium Wirtemberg, Stuttgart:
2012 Trollinger “6 grad”

Das ist wirklich mal was Neues, und wir meinen nicht nur das Etikettendesign. Der Duft erinnert uns an Uhudler oder ähnlich Exotisches, aber gewiß nicht an Trollinger. Im Mund viel Säure, leichte Cremigkeit, er wird nach und nach füllig und erst nach hinten trocken. Geschmacklich süß mit deutlichen Himbeer-, Kirsch- und Mandelaromen. Insgesamt sehr blumig und parfumiert, aber noch nicht zu aufdringlich. Der gut designte Sommerterrassenspaßwein für nicht allzu anspruchslose Gäste. Kühl zu servieren, die auf dem Rückenetikett empfohlene Temperierung von sechs Grad ist jedoch ein schlechter Witz. Champagner haben wir mit diesem hier nun wirklich nicht im Glas.

Schäfer, Lauffen:
2013 Lauffener Katzenbeißer Trollinger

Es scheint der Fluch der altbekannten Lage "Lauffener Katzenbeißer" zu sein: fast alles, was von dort kommt, schmeckt gleich. Es sind Weine von nicht allzu hoher, dafür solider Qualität; Weinlaubenstoff, mit dem man sich seine Gesellschaft erträglich trinkt.

Schloss Affaltrach, Obersulm:
2011 Beilsteiner Wunnenstein Trollinger

Ein weder im Duft noch Geschmack differenzierbarer, fett wirkender Wein. Eindimensional lieblich, in der Textur glatt bis ölig - wie es für diesen Jahrgang typisch ist -, ordentlicher Nachgang. Keinesfalls mißlungen: trinkbar, sogar ganz problemlos zu vernichten, aber in jeder Hinsicht uninteressant und mit diesem Namen auf dem Etikett eine Enttäuschung. Und wer den klimatisch schwierigen Jahrgang zur Entschuldigung anführt, möge einen 2011er Trollinger vom Hohenbeilstein probieren. Schloß Affaltrach ist seit langem für solide Lemberger und Trollinger bekannt. Mit dieser Qualität aber ruiniert man seinen Ruf und wird in eine Reihe mit Erzeugern gestellt, mit denen man nie verglichen werden wollte.

WZG Felsengartenkellerei, Hessigheim:
2012 Besigheimer Wurmgarten Trollinger

Der Wein kommt mit einer Flaschenausstattung, wie sie sich nur Genossenschaften leisten können oder wollen: sieben Etiketten, Golddruck, Anhängerchen. Er wirkt sauber gemacht, ist ungemein lieblich, saftig, süffig, verlangt nach Kühlung, sonst schmeckt er klebrig, und er ist idealtypisch vordergründig: Trollingertypizität und Akzente verschwimmen völlig im süßen Einerlei. Er ist so sehr beliebig, daß er zu allem paßt, zur Vesperbrezel vormittags wie zum Rostbraten abends. Weder hebt er geschmackliche Eigenarten der Speisen hervor, noch gewinnt sein Charakter durch irgendwelche Kombinationen. Er dient einfach dazu, sich günstig, zügig und vergnüglich zu betrinken.

Rolf Willy, Nordheim:
2012 Nordheimer Heuchelberg Trollinger trocken "Im Eichenfass gereift"

Ein holzausgebauter Trollinger und wohl etwas zu lange im Faß geblieben. Dunkle Farbe, sortentypisch fruchtiger Duft, aber im Mund zu bitter. Obwohl der Wein ohne jeden Nachgang sofort weg ist, bleibt diese Bitternote unangenehm erhalten. Im Gegensatz etwa zum Trollinger von Kircher, der auch holzbetont ist, fehlen hier Frucht und Geschmacksvielfalt. Macht einfach keinen Spaß.