Es tat sich einiges, seit wir 2016 das start-up Flubacher/Heitzmann besuchten und schon damals angetan waren. Behutsamer Ausbau - natürlich: der Weine, aber wir meinen des Programms - das nun sieben Positionen einschließlich des Prosecco umfaßt und in zwei Linien gegliedert ist: die zurückhaltend bepreisten Basis-Weine profitieren von sorgsamer Beerenselektion, recht langer Maischegärung und einige auch vom zur Zeit so beliebten Rückverschnitt mit barriquegereiften Teilmengen desselben Weines. Die Reben für die Premium-Linie sind ertragsreduziert, und was das einem Wein schenken kann, bewies zum Beispiel Herbert Daniel Engist schon vor Jahren mit seiner HTB-Serie. Spontanvergärung, schonende Pressung, langer Barriqueausbau: Lena Flubacher spricht völlig zurecht davon, daß hier das „Weinmachen“ als Handwerk in den Vordergrund rückt.

Anderes blieb wie es war: ideale Ausgangsbedingungen - drei mit Burgundersorten bestockte Hektar der Ihringer Vorzeigestücke Winklerberg und Fohrenberg mit vulkanischer Geschichte und heißem Klima. Ein engagiertes und neugieriges Team mit Sachverstand, klaren Vorstellungen und Geduld. Die Phase des start-up ist vorüber, der Generationswechsel gelang - hier einmal nicht innerhalb einer Familie, sondern innerhalb der Region. Der täten etwas Frische und Frechheit inzwischen nämlich ganz gut.

Weißweine

Der 2014 Ihringer Fohrenberg Weissburgunder Kabinett trocken bestach damals durch Vollmundigkeit, kräftige Stilistik, sortentypische Aromatik und vor allem durch den beeindruckend starken Nachgang. Von uns zu verschiedenen Gelegenheiten getestet: ob Lachs mit Spinat und Sahnesoße oder Grillgemüse mit sanft gegartem Huhn - der Wein ließ nie Zweifel daran, wer hier den Ton angibt. Sein 2018er Pendant heißt Weißburgunder Basis, wirkt weich, sehr leicht, läßt sich vergnüglich wegtrinken, aber für das bloße Nebenher ist seine weißfruchtige Aromatik zu extrem. Vielleicht läutet dieser Wein das Ende einer, was Weißburgunder angeht, recht langweiligen Kaiserstühler Phase ab etwa 2012 ein, wo der Weiße mit der Qualität des Grauen nicht mehr mitkam. Apropos: für uns war der 2014 Ihringer Fohrenberg Grauburgunder Kabinett trocken damals das Highlight des Programms - stark, kompromißlos trocken, würzig, grünfruchtig und unheimlich facettenreich. Dem fügt der 2018 Grauburgunder Basis noch einen Akzent hinzu. Sicher, die salzige Note ist ausgeprägter, die grünfruchtige Aromatik verschob sich in Richtung gelber Früchte, köstliche Haselnuß, alles gut. Aber nun wird ein kleiner Anteil des Weines im mehrfachbelegten Barrique ausgebaut und dem edelstahlvergorenen Produkt wieder zugefügt, was diesen Grauburgunder insgesamt tiefer, voluminöser, vielleicht auch weicher wirken läßt, ohne daß Holztöne schmeckbar mitspielten. Wir müssen auch über den Alkoholgehalt sprechen. Daß Alkohol die Aromatik strahlen läßt, ist bekannt, und Lena Flubacher macht hier wirklich gar kein Zugeständnis. Das muß der Kunde im wahrsten Sinne des Wortes schlucken, freilich nicht nur bei Flubacher-Weinen, denn die zum Teil betriebswirtschaftlich getriebene Jagd nach den meisten Volumenprozenten ist längst kein Trend mehr, sondern der Standard. Hier wird dann auch Hugh Johnsons Analyse des klimatischen Trends schmeckbar: Winzer stöhnen weltweit unter der Hitze, bei den Deutschen sieht man breites Grinsen. Dabei brachten Flubacher/Heitzmann noch das Kunststück fertig, ihre Weine nicht zu schwer, nicht zu dick ausfallen zu lassen.

Über den 2018 Grauburgunder Premium lassen wir Lena Flubacher selbst sprechen: „Im Gegensatz zum Basis Grauburgunder wurden die Trauben des Premium Grauburgunders konsequent halbiert. Durch die sogenannte „grüne Lese“ können die am Stock verbleibenden Trauben optimal ausreifen und mehr Extrakt, Aromen und andere wertvolle Inhaltsstoffe bilden. Der Most wurde direkt nach dem Abpressen ins Barrique gelegt und darin vergoren. Spontan, ohne Zugabe von Reinzuchthefen. Das kostet den Winzer viel Nerven, aber wie ich finde, hat es sich gelohnt. Bis zur Abfüllung konnte sich der Wein im Fass entwickeln.“ Gut hat er sich entwickelt, saftig, cremig mit schmeichelnder Frucht und reichem Körper, die sich spät entfalten, ebenso spät, wie der hinterhältig hohe Alkohol zuschlägt.

Rotweine

Der im Edelstahl ausgebaute 2014 Ihringer Winklerberg Spätburgunder Kabinett trocken aus einer Parzelle mit prominenter Nachbarschaft spielte damals im Quervergleich mit einigen Winklerberger Luxusexemplaren die Rolle des - frei nach W. S. Burroughs - Schafe mordenden Hundes: im intensiven Duft Amarenakirsche, fast Kirschlikör, grüne Noten, feine Mineralik, im Mund brillante Kirschfrucht, ein Strauß getrockneter Kräuter, saftiger, knochentrockener Nachgang, und auch hier blieb nicht zuviel Restzucker übrig. Der 2017 Spätburgunder Rotwein Basis hat davon etwas mehr, und die Kirschfrucht strahlt womöglich noch heller. Seine Aromatik wirkt klarer, strukturierter, der Kräuterstrauß wird zur Handvoll griechischem Oregano, Rauch kommt hinzu, heißer und kräftiger das alles - bei den selbstbewußten Volumenprozenten auch kein Wunder - und gleichzeitig abgerundeter, voller, was dem Schuß Rückverschnitt aus dem Barrique geschuldet sein mag. Ein gerade noch günstiger Wein, der den level für sogenannte "Alltagsweine" extrem hoch setzt. Schließlich bekommen wir den 2016 Spätburgunder Rotwein Premium, der 18 Monate im Barrique schlief: wenn überhaupt möglich noch fruchtiger, säurestark, im Herbst 2019 noch etwas eckig, und die gut eingebundene, zarte Vanillenote konnte sich dem noch nicht entgegenstemmen. Wie bei zu jungen und erstklassigen Spätburgundern üblich von Sauerkirsche bestimmt, saftig und kräuterbitter, ungemein vollmundig, langer, knochentrockener Nachgang. Der Wein bestätigt die Ahnung, daß wir bei Flubachers keine aufsehenerregenden Experimente erwarten dürfen, sondern die Kurve sanft und stetig ansteigt.