Vorstand im Bund Badischer Landjugend, Mitglied des Verbandsausschusses des Badischen Weinbauverbandes, Mitarbeiterin im elterlichen Rebveredelungsbetrieb, Unternehmensgründerin - man möchte fragen, was Lena Flubacher mit dem Rest des Tages macht. Wein macht sie: seit 2012, und nachdem die ersten Jahrgänge noch zur Ausschmückung des familieneigenen Spargelstandes dienten, setzt sie die Ideen, die sie zusammen mit ihrem Freund, dem Winzer Christian Heitzmann, ausheckt, nun unter eigener Marke um.

Die Ausgangsbedingungen sind ideal - drei mit Burgundersorten bestockte Hektar der Ihringer Vorzeigestücke Winklerberg und Fohrenberg mit vulkanischer Geschichte und heißem Klima. Weine aus solchen Spitzenlagen zu schaffen ist ebenso Chance wie Hypothek: geht es schief, haben Manche es ja immer schon gewußt, klappt es aber, war es bei DEN Lagen nun wirklich keine Kunst. Aber es ist eine Kunst, und Lena Flubacher beherrscht sie und beweist das im schwierigen Jahrgang 2014.

Drei Weiße...

Der 2014 Ihringer Fohrenberg Weissburgunder Kabinett trocken geht mit dem Restzucker wohltuend zurückhaltend um und besticht stattdessen durch seine Vollmundigkeit, weiche, aber kräftige Stilistik, sortentypische Aromatik und vor allem den beeindruckenden Nachgang. Die zunächst sanfte, dann immer präsentere Säure macht ihn lebendig, frisch und gleicht seine Weichheit und Fülle aus. Von uns bei verschiedenen Gelegenheiten getestet: ob Lachs mit Spinat und Sahnesoße oder Grillgemüse mit sanft gegartem Huhn - der Wein ließ nie Zweifel daran, wer hier den Ton angibt. Unserer Meinung nach ist der 2014 Ihringer Fohrenberg Grauburgunder Kabinett trocken das Highlight des Programms. Ein starker, kompromißlos trockener, sehr würziger Wein, robust genug für eine kräftige Küche, aber nicht ohne Weichheit auf der Zunge. Angenehm zurückhaltende Süße, aromatisch facettenreich: apfelfruchtig, grüne Bohnen oder eher Bohnenkraut, salzige Note, und im langen Nachgang lauert noch gelbes Kernobst. Neulich als Begleiter geräucherter Forellen vergaß er seine Trockenheit und wurde beinahe cremig. Schließlich bietet das Team Flubacher/Heitzmann noch einen Secco aus Müller-Thurgau und Grauburgunder. Der kräftig perlende Wein mit moderatem Alkoholgehalt steht geschmacklich auf der sommerlich-vergnüglichen Seite und ist präzise auf eine junge Zielgruppe zugeschnitten.

...ein Roter

Beim Spätburgunder kommt erst der 2015er Jahrgang in den Genuß von Holzausbau; der 2014 Ihringer Winklerberg Spätburgunder Kabinett trocken aus einer Parzelle mit prominenter Nachbarschaft ist in Edelstahl ausgebaut. Diesen Wein mit den bekannten Winklerberger Luxusexemplaren zu vergleichen, macht wenig Sinn und viel Spaß, denn er spielt - frei nach W. S. Burroughs - die Rolle des Schafe mordenden Hundes: im intensiven Duft Amarenakirsche, fast Kirschlikör, grüne Noten, feine Mineralik, im Mund brillante Kirschfrucht, ein Strauß getrockneter Kräuter, saftiger, knochentrockener Nachgang, und auch hier blieb nicht zuviel Restzucker übrig.

Fazit (vorläufig)

Insgesamt wirken die hier kommentierten Weine pur, unverfälscht, echt, als ob Lena Flubacher und Christian Heitzmann nach Ernte und Kleinkram nichts weiter getan hätten, freier Nachmittag sozusagen, und heraus kommt das gelungene Endprodukt. Die Weine mögen heute noch ungeschliffen und ohne besondere Tiefe sein, aber die Richtung, die man eingeschlagen hat, stimmt. Es wird sich lohnen, die weitere Entwicklung dieses start-ups zu verfolgen.