Aufmerksam wurden wir auf Thomas Pahlke erst, weil er unter anderem bei dem big player Ludi Neiss gelernt hatte. Die Battenberger Weinszene an sich geht nämlich in der allgemeinen Wahrnehmung etwas unter - angesichts benachbarter Schwergewichte wie eben Neiss oder Karoline Gaul, Uli Metzger, Philipp Kuhn zwar kein Wunder, aber trotzdem falsch. Was tut der Winzer bei solcher Nachbarschaft?

Die Pahlkes wollen den Terroirgedanken ausreizen. Das zwingt zur Konzentration auf Riesling, weil er wie keine zweite Rebsorte die geschmackliche Eigenheit des Bodens, auf dem er wächst, transportieren kann. Und es zwingt zu mühevoller, natürlicher und schonender Bewirtschaftung der Weingärten, damit der Riesling die Besonderheit des Terroirs auch schmeckbar einfängt. Zum Zweiten ist es nur konsequent, daß die Pahlkes ihr Weingut öko-zertifizieren ließen und sich entschieden, ausschließlich veganen Wein zu produzieren. Auf rund 18 ha zumeist idealer Osthanglage stehen neben Riesling Chardonnay, Grau- und Weißburgunder sowie Sauvignon blanc, außerdem Spätburgunder und Dornfelder. Das Programm ist in vier Linien gegliedert, die in etwa dem VDP-Schema entsprechen, außerdem bringt Thomas Pahlke eigene Erfahrungen und Ideen in einer "tp"-Linie unter.

Weiße Ortsweine

Der 2018 Kleinkarlbacher Kieselberg Grauburgunder trocken aus dem uralten Weinbauort Kleinkarlbach macht mit seinem süßen, fast bonbonartigen Duft mißtrauisch dem gegenüber, was mit dem ersten Schluck wohl kommen mag. Aber im Mund überrascht der Kieselberger mit Leichtigkeit und Frische bei kräftiger und ausdrucksvoller Aromatik von Boskop, Zitrus und Melone. Fein eingebundene Säure macht ihn saftig, auf der Zunge wirkt er rau, und auf den Lippen hinterläßt er zartes Salz. Weder besitzt er die schläfrige Fülle vieler badischer Grauburgunder noch die belanglose Süße des Pfälzer Mainstreams. Ein Wein außerhalb jeden Klischees: genau so etwas suchen wir, genau so etwas braucht die junge Weinszene. Nach dem Grauburgunder holt uns der 2018 Neuleininger Schlossberg Weißburgunder trocken wieder in die Pfälzer Realität zurück: ein Wein für Liebhaber der Restsüße, die Feinheit und Struktur etwas zudeckt. Der Boskop wird zum süßen Braeburn, später zum warmen Apfelkuchen und im intensiven Nachgang zum zuckersüßen Apfellikör. Er ist klar der uninteressantere von beiden oder genauer: der gewöhnlichere Wein. Macht er deshalb weniger Spaß? Keineswegs. Er ist ebenfalls aromatisch äußerst intensiv und kräftig und trotzdem von eindrucksvoller Klarheit, er ist kräftig und robust, dabei gerade noch leicht. Während man sich mit dem Grauburgunder jedoch eine Flasche lang beschäftigen könnte, macht der Weißburgunder auch im übertragenen Sinne schnell satt. Ein schwäbisches "Viertele" davon ist undenkbar.

Da ist der 2018 Kleinkarlbacher Frauenländchen Sauvignon Blanc trocken wieder von anderem Kaliber und geht mit seiner Kraft geradewegs in Richtung Grauburgunder. Moment, abgesehen von der angenehm zurückhaltenden grünen Aromatik von Brennessel, Scharfgarbe und Spargel ist dieser ungewöhnliche Sauvignon blanc dem Grauburgunder frappierend ähnlich, vielleicht dank Anmutung gelber exotischer Früchte eine Spur süßer, was einem Sauvignon blanc sehr gut stehen kann. Wer es grüner, pfeffriger, stahliger mag, könnte immer noch nach Württemberg oder gleich an die Loire ausweichen.

Natürlich spiegeln all diese gelungenen, leichten und kräftigen Weine das Terroir so gut wie nicht, können sie auch nicht. Diese Ehre bleibt dem 2018 Kleinkarlbacher Kieselberg Riesling trocken vorbehalten. Im Duft gelbfruchtig und köstlich honigsüß, obwohl etwas Bitteres lauert. Diese köstliche Süßigkeit wird im Mund schnell von strenger, kühler Mineralik eingeholt, zu der sich nach einigen Sekunden des Luftkontakts und moderater Erwärmung brillante Aprikosenfrucht gesellt. Stark, rauh, für einen Riesling überraschend füllig, jedoch nicht ohne Eleganz. Lebendige, gut eingewobene Säure, die Speichel zieht, wobei der Wein durchaus nicht saftig wirkt, dazu ist er zu trocken. Nachhall ist in Ordnung. Kein Riesling, den man unbesehen kaufen sollte, denn er setzt in seiner herben Unerbittlichkeit ein Statement und taugt kaum als Begleiter unverbindlicher Konversationen. Was Aromatik und Finesse angeht, kommt er noch lange nicht an Rieslinge etwa der Von Racknitz-Klasse heran, aber er ergänzt die Palette hervorragender deutscher Rieslinge eindrucksvoll.