Von seinen 11 ha Anbaufläche spendiert Frank Rominger den eigenen Kreationen gerade mal ein einziges, der Rest geht nach Affaltrach. So mögen die Rominger Vineyards eine Art Projekt sein, Privatvergnügen und zeitaufwendiges Engagement, das nur mit positiver Verrücktheit des Winzers zu erklären ist. Seit 2001 produziert Rominger Wein, zunächst unter der Marke "Homo Sapiens", die einige Berühmtheit erlangte, und seit etwa 2009 unter dem heutigen Namen. Das Programm ist ebenso bescheiden wie das Ambiente des Weinguts; sieben Positionen zuzüglich zweier Sekte auf der Preisliste für Privatkunden. Auf die Weine muß man sich einlassen, denn Erwartungen an das Württemberger Klischee erfüllen sie nicht.

Elixiere des Lebens

Die Weißweine beeindrucken mit ihrer Frische - da gewinnt der Slogan "Elixier des Lebens", den Rominger auf jedes Rückenetikett druckt, gleich mal an Substanz. Der 2012 Riesling trocken ist als echter Württemberger kein allzu fruchtiger oder lieblicher Wein, eher selbstbewußt, knackig und wahrhaft trocken. Aromatisch von grünem Apfel, Holunderblüte, vielleicht Brioche und etwas grüner Paprika bestimmt: sommerlich frisch, vielschichtig und von hierzulande seltener Komplexität. Riesling ist neben Kerner und einer nicht genannten Sorte auch Bestandteil der 2012 Weisswein-Cuvee "Madeleine" halbtrocken. Im Duft durchdringend: angeschnittener Holunder, frisch abgezogene Rinde, später etwas süßer mit Zitrus und Maracuja, aber - gut gekühlt - immer frisch und herb. Im Mund gut eingebundene Säure; ein spritziger, unkompliziert zu trinkender, nicht beliebiger Wein mit angenehm langem Nachgang. Auf alle Fälle zugänglicher als der 2012 Lemberger Rosé trocken, der sich im Duft vornehm zurückhält, aber beim ersten Schluck mit vollem Körper und erdbeerfruchtigem Nachgang dann doch überrascht. Den 2012 Muskat Trollinger Rosé lieblich kommentieren wir in den Hitlisten.

Kaleidoskopwein und Saubohnenwolf

Wie alle seine Weine baut Frank Rominger auch den Lemberger trocken (o. J.) in Edelstahl aus (eine Ausnahme folgt weiter unten). Die Flasche gibt keine Auskunft über den Jahrgang, also mag es eine Jahrgangscuvee sein, aber das stört bei Albrecht Schwegler ja auch niemanden. Reich, voll, füllig, fett, buttrig sind die Attribute, die wir mit dem Duft verbinden, und ob nun Schwarz- oder Sauerkirsche, Zwetschge, Liebstöckel oder Schiefer eine Rolle spielen, ist egal, denn der Wein wechselt im Minutentakt sein Duft- und Geschmackskleid: ein schillernd-lebendig wirkender Tropfen, gerade noch unkompliziert, aber schon mit Tiefe und von langem, kirschig-intensivem Nachgang. Dieser Lemberger hat es nicht nötig, schwachen Charakter mit hohem Alkoholgehalt zu kaschieren. Erträgliche 12,5 Vol-% machen ihn angenehm leicht und auch ein drittes oder viertes Glas möglich, ohne daß man gleich hinüber ist. Ein im Württemberger Lembergersee ungewöhnliches Exemplar und für uns das Highlight im Programm.

Im Namen "Saubohnenwolf" Cabernet Dorsa trocken - Im Holzfaß gereift (o. J.) ist eine Neckarwestheimer Legende verewigt. Die zwei in Romingers Edelstahlkabinett etwas verloren wirkenden Holzfässer sind eigentlich gebrauchte Barriques, in denen der Saubohnenwolf reift. Das ausgezehrte Holz verleiht dem Wein eine nur ganz sachte Tiefe, bewahrt ihn aber vor einer zu prägnanten Holzcharakteristik, wie sie so typisch ist für Winzer, die Holzausbau nicht beherrschen. Der Duft beerig und tintenschwarz, im Mund gehaltvoll, fruchtig, nicht zu süß, stark und zupackend, aber noch fein, und wiederum mit Rominger-typisch langem, intensivem Nachhall. Der Stil erinnerte uns sofort an gut gemachte Australier, eher an die zurückhaltenden aus dem Westen als an die Alkoholbomben aus dem Süden. Ein Grillwein, aber einer, der zum bloßen Runterspülen von Barbecuesauce zu schade ist und eines der seltenen Beispiele für gelungene reinsortige Weine aus Neuzüchtungen.

Bei solchen Schwergewichten hat es der Schwarzriesling halbtrocken (o. J.) nicht leicht. Nehmen wir ihn als sauber gemachtes, geschmacklich sehr klar und fein ausgefallenes Experiment, das im mainstream-Vergleich (diverse aus der Großlage Lauffener Katzenbeisser) aber meilenweit vorne liegt. Schließlich: kein schwäbisches Weingut ohne Trollinger! Frank Rominger bietet auf seiner Preisliste für gewerbliche Kunden trockenen und halbtrockenen in der Literflasche an. Der 2012 Trollinger halbtrocken ist ein kompromißlos lieblicher Tropfen und absolut nicht unser Geschmack. Aber auch er ist handwerklich gekonnt, sauber, transparent gemacht und nicht im entferntesten mit Genossenschaftsware vergleichbar. Langjährige Kenner der schwäbischen Szene versicherten uns, daß liebliche Trollinger vor Jahrzehnten - vor Beginn der Vermassung - als Besenwein so und genau so schmeckten. Damit ist auch dieser Trollinger Beleg dafür, daß die im positiven Sinne eigentümlichen Weine von Frank Rominger die schwäbische Tradition auf sehr moderne Art fortführen.