Die Parallelen sind unübersehbar: betongewordenes Statement in der Landschaft, Weine präsentiert wie Ikonen, klare Produktphilosophie, moderne Print- und Webmedien und, Gott seis geklagt, sogar die Preislisten ähneln sich. Es scheint, als hätten Abril und Weber dieselben Berater eingekauft, aber hier enden unsere Befürchtungen. Die Rahmendaten: 1947 gegründet, rund 18 ha mit Burgundern, Müller-Thurgau, einigen Neuzüchtungen bepflanzt, und Weber gewinnt daraus 26 Positionen für seine sogenannte "Weinkollektion" (ohne Perlweine und Brände). Die ist (wie bei Abril) in drei Linien gegliedert und enthält (im Gegensatz zum Kollegen) einige ganz bemerkenswerte Weißweine. Dabei spielt Weber die Alkoholkarte rücksichtslos aus und ist keine Adresse für Liebhaber schlanker Tropfen.

Weissweine

Die Weine aus der Linie "1 Liter" in der, ja genau: Einliterflasche seien laut Preisliste "klassische Zechweine", was nach Weinlaubenstoff klingt, aber zumindest seinem 2013 Müller-Thurgau trocken tut Weber damit unrecht. Mancher Winzer wäre froh, wenn seine edlen Rieslinge oder Burgunder so schmeckten wie der "Zechwein" von Michael Weber: füllig, cremig, saftig, gelbfruchtig süß und leise kräuterbitter. Ein Zuckertröpfchen, das unschuldig klar und transparent wirkt, es aber nicht ist. Feine Säure zum Lutschen, unschlagbares Preis-/Leistungsverhältnis: die Wahl für Momente, in denen man einfach nur Wein trinken möchte, ohne das ganze Jahrgangs-, Aromen-, Stilistikgeschwätz, aber bei aller Bequemlichkeit nicht auf Klasse verzichten will. Auch der kühle 2013 Riesling trocken "Selektion" verdient mit seiner Steinobstaromatik und dem zarten Schmelz unsere heiße Empfehlung: ein für die Gegend seltenes Beispiel gelungenen Rieslings. Der 2012 Weisser Burgunder trocken "Selektion" ist für seine Sorte archetypisch - fruchtiger, fast marzipansüßer Duft, warmer Butterteig, selbstbewußte, gut eingebundene Säure, im Abgang erst bitter, dann salzig. Unkompliziert zu trinken, aber nicht anspruchslos.

Das Spiel von Ethanol, Methanol und höherwertigen Alkoholen trägt die Aromatik des Weines und mindert seine Säuredominanz: der Wein wirkt runder, weicher, zugänglicher. Also schöpft Weber mit seinem 2012 Ettenheimer Kaiserberg Grauburgunder trocken aus dem Vollen, und heraus kommt ein aromatisch fast überbordend birnenfruchtiges Kraftpaket der "Premium"-Linie, stilistisch saftig, dicht, schwer; Abgang mit einem "Wumm" und leichtem Nachbeben, auch wenn es mitnichten an den *** Grauburgunder von Dr. Heger heranreicht. Insgesamt ein Wein, der mit seinen 14 Vol-% den Genießer fordert und manchen überfordern wird, auch wenn es um die Auswahl passender Begleiter geht. Am besten solo genießen, vielleicht kommen noch Käse oder Spekulatius infrage.

Rotweine und ein Abgesang auf Neuzüchtungen

Bei der Klasse haben es die Rotweine schwer: der 2012 Spätburgunder trocken "Selektion" nimmt zunächst mit seinem intensiven, floralen, feurigen Duft ein. Im Mund wirkt er sehr viel zurückhaltender, und das bringt immer ein bißchen Enttäuschung mit sich. Wenn auch mit vollem Körper ist es ein recht leichter Wein. Und ein ehrlicher, nicht mehr und nicht weniger. Für sich genommen völlig in Ordnung, aber mit den großen Namen aus der Gegend darf man ihn nicht vergleichen. Andererseits ist die dichte, sehr füllige Alternative 2011 Ettenheimer Kaiserberg Spätburgunder Barrique trocken "Premium" uns etwas zu dicht und zu sehr füllig. Es scheint als habe Michael Weber hier ausgetestet, wozu seine "Premium"-Philosophie imstande ist: stark, schwer, dunkelfruchtig mit langem Nachgang und für den langen Winterabend. Wobei sich auch bei diesem Wein die Frage stellt, wie lang der Winterabend wohl werden mag, wenn man ziemlich schnell blau ist.

Reinsortige Weine aus Neuzüchtungen gibt es zum Glück ja nur selten, aber auch die Cuvees daraus haben wir langsam satt. Pilz- oder Frostresistenz erkauft sich der Winzer, das dürfte mittlerweile feststehen, mit einer ernüchternden Armut an Spannung dieser Weine. Da macht auch die eigentlich sauber wirkende 2011 Cuvee Noir Barrique trocken "Premium" aus Cabernet Carbon und Cabernet Carol keine Ausnahme. Im üblich tiefen, schweren Duft die üblichen Noten aus dem Holzausbau, zugegeben, hier gut eingebunden und zurückhaltend, dann die übliche Schwarzkirsche. Im Mund alles ebenso vorhersehbar: die sehr herbe, samtige, trockene Stilistik, die pfeffrig-schwarzfruchtige, in ihren Dimensionen leider armselige Aromatik, der kirschige Nachgang, die übliche Verlorenheit, wenn der Wein weg ist, aber kein Verlangen hinterließ. Man hätte auch raten können, wie dieser Wein schmeckt und nachwirkt, und man hätte ins Schwarzrote getroffen. Sicher, mit weniger als einem Weber sollte man sich nicht zufriedengeben, aber solange noch irgendjemand einen saftig-funkelnden Spätburgunder hervorbringt, laßt uns mit Neuzüchtungen bitte in Ruhe.