Auf rund vier ha baut Daniel Landerer Sauvignon blanc und Burgunder an und teilt sein Programm von neun Positionen in Guts- und Lagenweine. Nach unserer ersten Begegnung 2013 schrieben wir: "Die Weine sind Alternative zu den vielen fröhlich-fruchtigen Tropfen des Kaiserstuhls und lebendiger Kontrapunkt zu den hochgezüchteten VDPs der Region". Inzwischen überholt die Realität unseren Kommentar. Denn während wir einigen Winzern der Gegend eine bestenfalls Seitwärtsentwicklung attestieren müssen, geht es hier, in Oberbergens Peripherie, atemberaubend voran.

Außergewöhnlich waren die Weine von Anfang an, aber Landerers neuer Stil hat die saftige Herrlichkeit von früher abgeschüttelt. Zwar haben die Weine ihren Rausschmeißer-Charakter nie ganz abgegeben, aber sie rücken immer enger an das badische Spitzenniveau heran. Zwar stieg das Preisniveau erheblich, aber das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt nun. Und die in ihrer rohen Ursprünglichkeit interessanten Etiketten sind leider Geschichte, andererseits hat der Auftritt endlich ein Gesicht, wirkt modern, nicht ohne Wärme, und er spiegelt - selten genug - den Charakter der Weine wider. Anderes dagegen besteht mit der Hartnäckigkeit eines Rotweinflecks. Die Lokalbürokratie ist nach wie vor nicht in der Lage, eine Baugenehmigung für das Weingut zu erteilen, so ist Daniel Landerer immer noch eine Art flying winemaker, und immer noch muß man sich an das Restaurant "Mondhalde" am Ortsausgang nach Schelingen wenden, um die Weine zu erwerben. Wenigstens ist die Küche dort gut.

Gutsweine

Was soll man über des Kaiserstuhls 2015er Jahrgang schreiben. Auch im 2015 Sauvignon blanc wehren sich Sortentypizität und Säure verzweifelt gegen den kleisterhaften Restzucker. Zwar ist der Wein aromatisch kräftig, entfaltet sich schön und bleibt im trockenen Nachgang lange haften, die einzigartig grüne, manchmal metallene Schärfe eines Sauvignon blanc dagegen ist zugedeckt, und als klassischer Spargelbegleiter ist er uns zu süß. Ähnlich wirkt der 2015 Grauburgunder, stilistisch aber schlanker, meditativ apfelfruchtig, salzige und steinige Noten ziehen sich hindurch, die Säure bäumt sich schön auf. Im Vergleich mit diesen beiden geht der 2015 Weissburgunder gekonnter mit dem Zucker um. Schillernde Aromatik mit Zitrus, Blutorange-Noten aus teilweisem Holzausbau, Butterteig und ein stark mineralisches Rückgrat. Er besticht für seine Jugend durch ungewöhnlich feine Säure und ist entsprechend saftig, bleibt aber Landerer-typisch filigran. Den sommerlichen 2015 Rose aus Spätburgunder im tristen Oktober 2016 zu kommentieren, macht keinen Spaß und wird deshalb zu passender Jahreszeit nachgeholt. Der 2014 Spätburgunder, eine 2016er Abfüllung, ist ein erstklassiger Basiswein mit herbsttypischer Aromatik: frisch und kühl im Duft, etwas Vanille und Marzipan, viel reife Zwetschge und Brombeere. Nicht zu süß, auf der Zunge warm, kräftig, sogar rau, trockener und ganz gemächlicher Nachgang. Entfaltet sich am besten, wenn ihm rezente Küche zur Seite steht. Insgesamt schon so vielschichtig, daß er durchaus beschäftigt, aber für Forscher und Philosophen gibt es ja den Spätburgunder aus der Serie der Lagenweine.

Lagenweine

Aus langen Maischestandzeiten, teilweiser Spontangärung und Barriquereifung entstehen kraftvolle und gleichzeitig filigrane Weine von badischer Frucht und burgundischem Charakter. Das umreißt präzise den Charakter der Lagenweine. Sie haben Gastronomiequalität: handwerklich erstklassig gemacht, sie untermalen feine Speisen und widerstehen kräftigen, sie verlangen nicht unbedingt Aufmerksamkeit, wenn man in der Konversation gefangen ist, sind jedoch präsent, sobald man sich fragt, was man da eigentlich im Glas hat.

Am 2014 Spätburgunder Schlossberg läßt sich die unnachahmliche Duftwelt des Barriqueausbaus studieren: Zimt, Gewürznelke, etwas schwarzer Pfeffer, eine Ahnung der berühmten Zigarrenkiste, das alles wird sich in zwei, drei Jahren perfekt miteinander verwoben haben. Der Wein wirkt nicht so extrahiert wie viele seiner Pendants, sondern glasklar: Zimtpflaume, Kirsche, ein Kräuterbeet im prallen Sonnenschein, das alles anstrengend, extrem, aber klar definiert und von weicher Vanille im Zaum gehalten. Der 2015 Weissburgunder "Langeneck" ist im Herbst 2016 vorläufig noch wild, präsentiert sich stark mineralisch und unbändig kräftig mit Mandeln und Zitrus, wirkt am Gaumen dicht, kompakt und ist damit eine Reminiszenz an den frühen Landerer-Stil oder sagen wir: eine Verneigung vor den Ahnen. Was er außerdem in vielleicht drei Jahren noch an Duft, Weichheit und Präzision schenken wird, ist im Kalkboden des Langeneck nordöstlich von Oberbergen ja angelegt. Der 2015 Grauburgunder Kirchberg ist noch verschlossener als der Langeneck. Im Moment ist er satt orangenfruchtig, zeigt Feuerstein, etwas Rauch und einen spektakulären, butterweichen Vanille-Nachgang aus gekonntem Holzausbau, aber der Wein hat viel mehr drauf, wenn man ihm die Zeit gibt. Im Moment ist der 2015 Chardonnay Steingrube von allen Weißen der in Geist und Gaumen am längsten präsente. Perfektes Traubengut, zum Teil spontan vergoren und vollständig in neuem Holz ausgebaut, dessen Einfluss vom Wein fast komplett geschluckt ist - zurück bleiben kalifornischer Charakter, hohe Komplexität und Abgrundtiefe. Geschmacklich zitrusstark, süßer, schmelziger Teig, konzentrierte Mineralität und beeindruckende Finesse. Der Wein könnte in ein paar Jahren wie Sahne über die Zunge laufen.

Die Weine vor 2015

Hier ein Abriß von Landerers frühen Weinen, deren Stil klar auf der schweren, aromatisch intensiven Seite liegt und deren Zeit im ein oder anderen Fall langsam abläuft. 2013 Grauburgunder Trocken „Lössterass“: erst zuckersüß, dann immer fülliger und saftiger. Honigmelonen, zitrusfruchtige Exotik, im langen Abgang trocken, leicht salzig auf den Lippen. Auf der Terrasse nicht fehl am Platz, paßt aber besser an die Abendtafel. Gewaltiger kam der 2013 Grauburgunder "Einserlag" daher. Sein Duft blumig, weiche Vanille, mineralische Töne. Im Mund Rumrosinen, exotische Gewürze, Kräuter, eingelegte Früchte, frischer, buttriger Teig, salzige Ahnung. Langer Nachgang mit Vanille und Honig. Stilistisch weich, saftig, etwas ölig.

2012 Weißer Burgunder trocken „Vulkanstei“: aromatisch selten weitgespannt von klarer Primärfrucht wie Mirabelle, Apfel und Zitrus bis hin zur Winteraromatik mit Vanille, Karamell, Rumtopf, Orangeat. Mineralische Noten und lebendige, zupackende Säure runden ab, jedoch ist der füllige und weiche Wein nicht einfach zu trinken. Ähnlich intensiv mit Zitrus, Apfel, Vanille, Karamell und floralen Noten der 2014 Weißer Burgunder "Langeeck": schrammt am Gaumen wie 2000er Sandpapier entlang und entfaltet sich bis in den endlosen Abgang hinein.

2011 Spätburgunder Aus Lese (geöffnet Frühjahr 2016): im Duft pure Bourbon-Vanille, an der man sich kaum sattriechen kann, andererseits kommt auch nicht viel hinzu. Voll, tief, schwer, rumtopffruchtig süß, freche Säure, langer Abgang. In seiner Intensität fast brutal, komplex, ermüdend, aber ein epikureischer Genuß. Die 2013er Abfüllung 2011 Spätburgunder „Vulkanstei“ überwältigt die Sinne mit Vanille, Haselnuß, Veilchen, viel Zimt, ganz leicht Gewürznelke, stilistisch jedoch klar, stark, konsequent trocken, vollmundig und animierend. Aromatisch mit süßer Zwetschge, herben, grünen Kräutern, Feuerstein und süßen Winteraromen wie Rumtopf und Brownies: saftiger, dunkler Teig umschließt warme Schokolade.

Wir danken Hans-Peter Rieflin für diese Empfehlung.