Von Racknitz, Odernheim, Nahe:
2006 Niederhäuser Kertz Riesling trocken

Von Racknitz-Weine inspirieren: die in der Runde anwesende Maschinenbauerin fühlt sich an Kühlschmierstoff erinnert, nicht ohne den Kertz dennoch auf Platz Eins zu setzen. Vor rund drei Jahren hatten wir ihn schon mal auf dem Tisch und waren trotz mäßigen Jahrgangs beeindruckt (siehe unsere Beschreibung bei Von Racknitz). Heute ist der markante Tropfen noch interessanter: im Duft nasser Stein, Bienenwachs, Zitrusfrüchte. Im Mund feine Balance zwischen mineralischer Bitternote, dem leisen Petrolton, der Süße gelber Früchte und wieder Bienenwachs. Große sensorische Fülle bis in den Nachgang hinein. Die Säure hat sich langsam abgebaut, die Stilistik geht in Richtung ölig. Körperreich, ohne zu erschlagen.

Van Volxem, Wiltingen, Saar:
2010 Riesling „Alte Reben“

Wie alt die „Alten Reben“ sind, ob zehn Jahre oder dreißig – geschützt ist die Bezeichnung ja nicht – wollten wir nicht in Erfahrung bringen, und es ist uns gleich, denn Roman Niewodniczanski macht im Moment einfach nichts falsch. Ein milder, verführerischer Riesling, schlank, feinnervig, trocken und kräftig, trotzdem saftig. Im Duft Birne und Toast, später fast buttrig; im Mund lieblicher und zugänglicher als der Von Racknitz, aber nicht süß. Apfel, Ananas, Honig, sehr langer fruchtiger Nachgang. Animierend, vielschichtig, komplex, nicht billig und jeden Pfennig wert.

Schloß Johannisberg, Geisenheim, Rheingau:
2009 Riesling trocken „Gelblack“

Die etwas angestaubte Flasche entdeckten wir in einem Supermarktregal, gleich neben Peter Mertes' Liebfraumilch (dem einzigen Wein, der nach Bierrülpser riecht), insofern lag die Perle neben der Sau. Im Duft Pfirsichkompott, nasser Stein, im Mund stark und klar mit Apfel, Grapefruit oder eher Grapefruitzeste, später Honig. Nicht zu süß, präsente Säure, aber fein und ausgewogen. Auf der Zunge sanft und beinahe cremig. Nach nunmehr vier Jahren auf der Flasche beginnt der Wein seine Jugend zu verlieren und steuert langsam in Richtung Höhepunkt der Entwicklung: Charakter formt sich. Ein Wein zum Hineinhorchen und hochklassiger Edelfischbegleiter.

Schmitt's Kinder, Randersacker, Franken:
2014 Randersackerer Marsberg "Spielberg" Riesling trocken VDP.Erste Lage

Mit ihrem fröhlichen Logo haben "Schmitt's Kinder" sowieso gleich mal einen Sympathievorsprung. Mit diesem Wein auch: gelbfruchtig, starke, aber perfekt eingebundene Süße, klar definierte bitter-mineralische und warme kalkige Noten. Zurückhaltende Säure und für einen Franken sehr weich und rund, ohne daß der kräftige Riesling-Charakter verloren ginge. Schon im Mund ausdrucksvoll, entfaltet sich der "Spielberg" beim Abgang in seltener Intensität und bleibt endlos präsent.

Andreas Stigler, Ihringen, Baden:
2009 Riesling trocken

Ein Klassewein, war im Sommer 2014 auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung: saftig, süß und zitronenfruchtig, Honig, Wachs, Kräuter, herbe Noten scheinen durch und ergeben einen vielschichtigen, komplexen und spannenden Wein. Eher etwas zum Dessert oder Alleinunterhalter. Ziemlich glanzvolles Beispiel für Kaiserstühler Spitzenriesling und Beleg dafür, daß es nichts bringt, aktuelle Jahrgänge wegzutrinken, zumindest nicht in der Klasse von Stigler.

Reichsgraf von Kesselstatt, Trier, Pfalz:
2012 Saar-Riesling trocken

Aus dem Trierer Vorzeigebetrieb und dessen Spitzenlagen an der Saar stammt dieser herbfruchtige Riesling. Während man in seinem Duft noch eine Ahnung von kühler Lieblichkeit wahrnimmt, ist die Aromatik im Mund von strenger Mineralik, Heu, frischen Kräutern wie Salbei und einem Hauch Pfirsich bestimmt. Kräftige, gerade noch harmonische Säure entfaltet sich druckvoll, intensiv, und der Wein beeilt sich nicht mit dem Abschied. Trocken, saftig und kaum der Alleinunterhalter. Macht viel mehr Spaß in Verbindung mit Gemüseterrinen oder gekochtem Fisch.

Karl-Heinz Hamm, Oestrich-Winkel, Rheingau:
2014 Winkeler Hasensprung Riesling Kabinett trocken

Zum "25. Bio-Jahr" hier der Jubiläumsriesling des Winkeler Öko-Pioniers Hamm. Im Duft Honig in seltener und anhaltender Intensität, Kräuter, überreife Aprikose, im Mund abermals Honig, kandierte Zitrusfrüchte kommen hinzu und schnüren ein delikat-saftiges Gesamtpaket. Feine Struktur, geradezu streichelnde Säure, trotzdem kompakt und kräftig. Schöne Entfaltung am Gaumen und langer, dichter Nachgang. Der Wein wird dem Anlaß gerecht und hat das Potential, auch das 35. Jubiläumsjahr zu ehren. Klassebeispiel deutscher Rieslingkultur.

Karl-Kurt Bamberger, Meddersheim, Nahe:
2010 Meddersheimer Altenberg

Ein körperreicher, fruchtig-delikater Wein für jene, die es gewaltiger mögen. Steinobst wie Pfirsich, Südfrüchte wie überreife Ananas und Maracuja, abgerundet von etwas Mineralität, Wachs und kaum noch vorhandener Säure. Mit zunehmender Erwärmung verliert sich die Frucht, wird der Wein unheimlich breit, fett, süß, ölig und entwickelt seine Honignote in Richtung Met, aber auch das ist noch unheimlich "lecker", der Begriff sei verziehen. Begleiter zum Nachtisch, ohne die Wucht üblicher Dessertweine zu besitzen, aber auch Alleinunterhalter, der auf die sanfte Art glücklich und müde macht.

Schreiber-Kiebler, Klein-Winternheim, Rheinhessen:
2012 Riesling 49°52’16,45” N 8°12’32,75” O

Er heißt wirklich so, und man muß nicht lange suchen, wo die Reben für diesen Riesling stehen. Der “Koordinatenriesling” ist ein sanfter, leichter Vertreter; eher der Südfrüchte- als der Zitrustyp, aber nicht zu süß und damit etwas anspruchsvoller als zum Beispiel der Riesling vom Kloster Eberbach. Zurückhaltende Mineralität und Säure - kein Akzent drängt sich vor, aber keiner fehlt. Macht wie der Bamberger glücklich, aber nicht müde. Ein unter Riesling-Weinen selten zu findender Alleinunterhalter.

Trockene Schmitts, Randersacker, Franken:
2014 Marsberg Riesling trocken

Ein farbenfroher Wein: im Duft gelbe Früchte, weißer Kalk, und durchdringend reife, saftige grüne Äpfel. Im Mund sehr kräftig, kantig, mineralisch und definitiv kein Alleinunterhalter. Wenn es jedoch zum Beispiel um Bratwürste mit Sauerkraut und Bratkartoffeln geht und man keine Lust auf Bier hat, dann ist solch ein Wein der ideale Begleiter: wollte sich einfach nicht niederringen lassen, sondern spielte frech seine süßen, gelben Akzente aus und verabschiedete sich mit sehr langem, intensivem Nachhall. Ein Siegertyp für die kräftige regionale Küche.

Michael Trenz, Johannisberg, Rheingau:
2014 Riesling trocken

Typischer Rheingauer Riesling. Sein Duft erinnert an eine Honigkerze, und zwar keine von den billigen. Auch im Mund überzeugt der Wein mit reicher Honigaromatik, zu der sich mit einigem Luftkontakt reifer Apfel und etwas Kräuter oder getrocknete Wiesenblumen gesellen. Alles andere als fein: auf der Zunge robust, saftig, im Abgang streng und säurestark, was aber nur dazu mahnt, die anderen Flaschen noch liegen zu lassen. Und wenn man nicht will? Dann ist es ein Wein, von dessen Kraft man sich nach einem anstrengenden Tag auch heute schon gerne überwältigen läßt.

Simon-Bürkle, Zwingenberg, Hessen:
2015 Riesling Granit trocken

Hochinteressanter Gesteinsriesling, weil er dem Genießer das mineralische Element ungeschminkt und brutal ins Gesicht haut. Während zum Beispiel die Rieslinge des Weingutes Von Racknitz bei aller olfaktorischen Wucht nie das anorganische, steinige, staubige Spektrum verlassen, wabert der Duft des "Granit" unverkennbar im organisch-ammoniakalischen Bereich; für Manche schwer zu ertragen, aber direkt, ehrlich und in dieser Intensität selten erlebt. Ein Studienobjekt, das sich - sobald am Gaumen angekommen - zart, feinfruchtig und vergnüglich entfaltet.

Von Othegraven, Kanzem, Saar:
2014 Wiltinger Kupp Riesling VDP.Grosse Lage

Gekonnte Balance zwischen süßen gelben Früchten, vielleicht ist es auch schon deren Konfitüre, und kräftigem Zitrus. Leise Mineralität ist zunächst eher zu erahnen als zu schmecken und kommt dann immer deutlicher hervor. Die sehr feine Säure, der lange und facettenreiche Nachgang mit Apfel und Bienenwachs retten den Wein davor, zur Limonade zu werden. Uns viel zu süß, aber handwerkliche Perfektion und Klasse müssen wir ihm zugestehen. Außerdem: acht Volumenprozent Alkohol vereinfachen den Trinkgenuß enorm.

Kloster Eberbach - Hessische Staatsweingüter, Rheingau:
2011 Rauenthaler Riesling Kabinett

Ein ananas-, zitrone-, mangofruchtiger Riesling aus der tropischen Fraktion. Süß, ohne in die Dessertweinklasse vorzustoßen. Leichte Mineralität, sehr gut zu einem geschmacklich völlig stimmigen Paket geschnürt, stilistisch saftig und vollmundig, obwohl mit dem Alkohol zurückhaltend, nicht allzu säurebetont, Nachgang in Ordnung, sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Solche Weine markieren Deutschlands führenden Platz unter den Rieslingnationen. Was dem Eberbacher fehlt, ist das klare Wiedererkennungsmerkmal im Vergleich mit den vielen gut gemachten Rieslingen hierzulande, oder einfacher formuliert: wir vermissen etwas mehr Charakter.

Bürklin-Wolf, Wachenheim, Pfalz:
2011 Wachenheimer Gerümpel Riesling trocken

Wirkt zunächst leicht, wird nach hinten aber enorm gehaltvoll. Wechselspiel zwischen saftigen gelben Steinfrüchten und mineralischer Bitternis. Vollkommen ausgeglichen, kaum und bestenfalls im Nachgang spürbare Säure. Rollt man ihn im Mund, wird er cremig. Kein Dessertwein, denn die Bitternote bleibt präsent. Kühle Temperierung ist wichtig, sonst läuft er auseinander wie Pfannkuchenteig. Wir fühlen uns an Alison Hallets Essay im "The Magazine" erinnert: "grandmotherly implications of popping icecubes into the wine". Auf seine Art ein perfekt gemachter, gefälliger Wein, mit dem man jedem Gast Ehre erweist. In dieser Perfektion wirkt er langweilig oder, eleganter gesagt: vornehm zurückhaltend.

Schloß Lehrensteinsfeld, Lehrensteinsfeld, Württemberg:
2010 Riesling Kabinett trocken

Es ist einer der letzten Weine, die Christoph Ruck kelterte, bevor er Schloß Lehrensteinsfeld in Richtung Rux-Wein verließ. Der Wein erfüllte seinerzeit alle Erwartungen an einen Württemberger Riesling aus einem zweifelhaften Jahrgang: dauernd lief man Gefahr, daß er Löcher durch Zunge und Magenwand brennt. Drei Jahre Zeit nach Abfüllung brauchte er, um trinkbar zu werden, und war im Frühsommer 2014 mehr als nur das: Wachs, Honig, gelbe Früchte, eine Spur Gartenkräuter, etwas nasser Stein; vollmundig, intensiv, die Säure viel zurückhaltender. Immer noch alles andere als tiefgründig und fein, aber wenn man die Entwicklung kennt, die er durchmachte: ein beeindruckender Wein.

Mit dem apfelfruchtig-cremigen 15er Jahrgang übrigens zeigt die neue Kellermeisterin Stephanie Sagasser-Kehrer eindrucksvoll, was sie kann.

M. & R. Kazenwadel, Grossbottwar, Württemberg:
2015 Riesling

Im Duft zunächst ein Schwefelstinker, der sich irgendwann verzieht, warmes Heu, ansonsten tut sich noch nicht viel. Überrascht im Mund jedoch mit feiner, vielleicht zu feiner Säure, spürbarer Mineralik und süßen Noten von junger Aprikose und kräftigen von Zitrone. Nicht zu kühl servieren. Saftig, spritzig und herb trocken und gar nicht mal so kurz, wie man es von einem billigen Wein aus der Literflasche erwarten würde, den man - abgesehen vom Direktbezug im Holzweiler Hof - ohnehin nur auf dem Wochenmarkt findet. Gelungener Alltagswein, der zur Käseplatte und sogar dem gebratenem Lachs mit Zitronenpfeffer eine gute Figur machte.

Fritz Allendorf, Oestrich-Winkel, Rheingau:
2016 Riesling dry "Save Water - Drink Riesling"

Mit dem pfiffigen Slogan hat man einen kurzen Lacher garantiert. Was danach kommt, hängt davon ab: der zitrus- und gelbfruchtige Wein paßt in die fröhliche Sommerrunde auf der Terrasse. Er animiert, ist süffig, hat einen langen, trockenen und etwas grün ausfallenden Nachgang, der sich bei näherem Hineinschmecken als Sauvignon blanc-Beimischung entpuppt - aber wer in dieser Zielgruppe wird das jemals merken - und seine intensive Süße wird von der starken Säure gerade noch so eingefangen, daß der Wein nicht klebrig wird und zu schnell langweilt oder ermüdet. Andererseits ist der Wein völlig unverständlich als "dry" beworben, da möchten wir nicht wissen, wie sein "fruity"-Pendant wohl schmecken mag.

Von Othegraven, Kanzem, Saar:
2013 Riesling

"...aus ausgesuchten Qualitäten anderer Winzer und eigenen Weinen komponiert", aber das stört bei Dr. Heger oder Franz Keller ja auch niemanden. Ein sehr heller, relativ leichter, süß- und gelbfruchtiger Riesling; in seiner Weichheit fast mit Chardonnay verwechselbar, da verlief der Säureabbau wohl etwas zu gut. Sehr feine Mineralität und guter Nachgang, leider alles im Duft interessanter als im Mund. Kaum weiter beachtenswerte Basisqualität mit gutem Preis-/Leistungsverhältnis. Damit zählt auch Von Othegraven zu jenen Rieslingspezialisten, mit deren Basisweinen man sich nicht abgeben muß.

Wagner-Stempel, Siefersheim, Rheinhessen:
2011 Riesling trocken

Die Basisqualität vom - laut eines Weinportals - "Aufsteiger des Jahrzehnts" ist ein „Na ja“-Wein. Kräftig und knackig. Feuerstein, Zitrone, Wachs, grüner Apfel im trockenen Abgang, trotzdem nicht strukturiert, etwas langweilig. Empfehlung: noch ein, zwei Jahre auf bessere Zeiten warten - das Potential scheint er zu haben. Vielleicht bessert sich dann auch das zweifelhafte Preis-Leistungsverhältnis. Oder man hält sich nicht mit solcher Basis auf und investiert das Geld gleich in Wagner-Stempels Gesteinsweine wie zum Beispiel seinen "Riesling vom Porphyr". Der ist solide, wird deutscher Rieslingkultur gerecht und braucht kein jahrzehntelanges Aufsteiger-Geschwätz.

Jürgen Zipf, Löwenstein, Württemberg:
2011 Riesling *** "Inka" trocken

Gelbfruchtige Aromatik, mit etwas Phantasie auch Mineralität, subtile Säure und beinahe schon ein bißchen Tiefe. Ein sanfter Alltagsriesling, völlig in Ordnung und zweifellos eines der gelungeneren Württemberger Beispiele. Unserer Meinung nach zu sehr auf der gefälligen Seite, aber das vereinfacht natürlich die Begegnung mit Inka, benannt nach der Tochter des Hauses, wie das inzwischen Mode ist. Der gute Jahrgang half diesem Wein auf die Sprünge; mit eventuellen 13er oder 14er Exemplaren sollte man bei gleicher Philosophie also vorsichtig sein.

Christian Bamberger, Bad Sobernheim, Nahe:
2011 Riesling Schloßböckelheim "7 - Vom Vulkangestein" trocken

Dieser Riesling aus Bambergers Sonderserie "7" ist Beispiel für den seltsamen Zweiklang von etwas scheuer und gleichzeitig aufdringlicher Aromatik. Scheu, weil sich die gelbfruchtigen Grapefruit- und Pfirsich-Akzente im Duft zurückhalten. Aber man trinkt den Wein natürlich trotzdem, wenn er schon mal im Glas ist, auch wenn er keine Lust darauf weckt. Aufdringlich, weil vorgenannte Frucht sich dann vordergründig und eindimensional am Gaumen breitmacht und man schon sehr genau, sagen wir: hineinhören muß, um die rauchige Note und ein bißchen Mineralik zu erschmecken. Oder zu erahnen, und das sollte nun gerade an der Nahe nicht nötig sein. Machte als counterpart eines fruchtig-scharfen Currys eine gute Figur. Sehr problematisches Preis-/Leistungsverhältnis.

St. Anthony "Heyl zu Herrnsheim", Nierstein, Rheinhessen:
2015 Riesling

Feiner, etwas vordergründiger Honigduft; im Mund zitrusfruchtig, Aprikose, sehr saftig, zunächst leise, dann nach hinten starke Mineralität. Durchaus vollmundig und mit langem, sich schön entfaltendem Nachgang. Bis hierhin alles wunderbar. Für einen Riesling überraschend - oder sollen wir sagen: enttäuschend? - glatt, außerdem läßt der Wein jegliche Tiefe missen. Dann läuft die Geschmackswelt eines derart süßen Weines immer Gefahr, limonadig zu wirken, und aller Trinkgenuß geht flöten. Nein, nichts weniger als mißlungen, aber der hochgelobte 15er Jahrgang hat anderswo mehr drauf.

Rolf Willy, Nordheim, Württemberg:
2013 Nordheimer Sonntagsberg Riesling

Im reichen Duft zunächst Eisbonbon, dann intensiv Ananas und Banane. Braucht etwas Zeit zur Entfaltung und bitte nicht zu kühl servieren. Wir befürchten, daß wie so oft der Geschmack nicht hält, was der Duft verspricht, aber die Exotik setzt sich im Mund fort, die Ananas will nicht weichen (freilich kommt auch nichts anderes mehr). Der Wein ist auf der Zunge dank gut eingebundener Säure saftig, animierend und das vielleicht auch, weil er schon nicht mehr ganz leicht ist. Er wird mit mit der Zeit bitterer (getrocknete Kräuter), interessanter Kontrapunkt zum exotischen Duft. Tiefe hat er nicht, so etwas wie Nachgang auch nicht, und er wirkt mit seiner beschränkten Aromatik spätestens beim dritten Glas langweilig. Deswegen ein Fehlkauf? Keineswegs, und angesichts so manchen roten Willys ist der hier eine Offenbarung.

Ludwig Rilling, Bad Cannstatt, Württemberg:
2012 Riesling trocken "Alter Notar"

Auf diesen Wein vom Cannstatter Urgestein Rilling freuen wir uns und werden nicht enttäuscht. Im Duft geröstetes Weißbrot, Haselnuß, eher auf der grünfruchtigen oder kräuterigen Seite, Gras, vielleicht etwas scheu, mit der Zeit schleichen sich würzig-bittere Noten hinein, irrlichternd, schillernd, spannend! Solchermaßen neugierig gemacht ist die Enttäuschung groß, wenn der Wein im Mund erst flach, adstringierend, schließlich sauer wirkt (sorry, aber wir fühlen uns an Most erinnert) und sofort und ohne Umstände weg ist. Im Spätherbst 2015 geöffnet sollte ein 2012er Riesling, ein Württemberger zumal, die paar Jahre locker weggesteckt haben. Was der Wein dagegen wegsteckt, sind Kraft und Aromatik, den Kunden ratlos zurücklassend. Wird dem Namen Rilling nicht gerecht. Rausgeschmissenes Geld.

Herzog von Württemberg, Ludwigsburg, Württemberg:
2012 Maulbronner Eilfingerberg Riesling Kabinett trocken

Schweflig-hefiger Duft als ob man Billigsekt im Glas hätte, wird nach einiger Zeit schwächer, ohne ganz zu verschwinden. Im Mund mineralische Noten mit starker Bitterkeit, die am Gaumen haftet. Sehr säurestark und geschmacklich undifferenziert. Langer Abgang mit purer Zitrone und Grapefruit. Insgesamt ein anstrengender und unvergnüglicher Wein der Supermarktklasse.

Andreas Stigler, Ihringen, Baden:
2009 Riesling F2

Die Frage, ob es unbedingt Riesling aus Baden sein muß – selbst wenn er wie Stiglers F2 von Mosel-Klonen stammt - , ist genauso berechtigt wie beispielsweise die, wer Mosel-Muskateller braucht. F2 ist jedenfalls ein vorrangig zitroniger und arg kantiger Tropfen mit scharfem, mineralischem Duft, flacher Aromatik und bitterem Touch sowie kaum bemerkenswertem Abgang. Man kann beinahe zusehen, wie er bei Erwärmung sein Aroma verliert. Schlanke Rieslinge sind phantastisch, der hier ist dünn. Das Ergebnis war Mitte 2011 wirklich unerwartet. Ein neuer Versuch mit einer anderen Flasche folgte Ende 2013. Aber der Wein ist tot.

Der 2015er ist selbstredend alles andere als tot, sein exotisch-blütenschwangerer Duft beweist das. Aber die erhoffte anschließende Überwältigung, wenn sich der Duft im Mund fortsetzt, womöglich noch entfaltet, bleibt bei diesem zitruslastig-strengen Wein leider aus.