Das Staatsweingut Freiburg ist Aushängeschild und Vermarktungsplattform des staatlichen Weinbauinstituts Freiburg und bewirtschaftet 24 ha in der Ihringer Spitzenlage Doktorgarten und 13 ha in Einzellagen um Freiburg. Die Weine und ihr Drumherum - Produktion, Service, Versand - sind von eindrucksvoller Perfektion, das Verkaufshaus auf dem Grat des Blankenhornsbergs in der Nähe von Ihringen ist von mediterraner Schönheit, und aus der Ferne grüßen die Silos des Badischen Winzerkellers.

Nach mittlerweile rund zehn Jahren der Beobachtung stellen wir fest, daß die Spätburgunder die sichere Bank sind. Wer sowohl die fruchtig-leichte Machart als auch die strenge, fleischige liebt, kann unbesehen zugreifen. Die Weißweine unterliegen sehr viel mehr der Jahrgangsschwankung, auch lohnt es hier kaum, sich mit den günstigeren Linien oder den Neuzüchtungen zu beschäftigen.

Weissweine

Der 2011 Silvaner Kabinett trocken ist nicht der fränkisch-erdige Typ, sondern vollfruchtig und floral, säurereich, saftig. Auch mit seinem relativ kurzen Nachgang ist er immer noch interessanter als der steinig-bittere 2011 Auxerrois trocken, ein heller, schwach aromatischer Wein, wie das vor etwa 2017 mit Auxerrois fast überall am Kaiserstuhl der Fall war, schmelzigem, bitterem Nachgang und zweifelhaftem Preis-/Leistungsverhältnis. Der 2016er schließt sich dem nahtlos an. Eine andere weiße Neuzüchtung, der 2010 Johanniter trocken zeigt da immerhin süß-exotische Aromen von Ananas, Mango, Jasmin und ist des Jahrgangs wegen von schlanker, beinahe rieslinghaft mineralischer Art - nichts für Freunde kräftig-saftiger Akzente. Der 2011er fällt schwerer, voller, fruchtiger aus mit feinem mineralischen Beigeschmack, wogegen 2015er und 2016er schon wieder schwach und uninteressant wirken. Und auch hier fragen wir uns, wie das wohl klappen mag mit der Vermarktung solcher Neuzüchtungen bei ihren doch ansehnlichen Preisen. Viel mehr beeindrucken uns die Weißburgunder vom Blankenhornsberg: 2011 Weißburgunder Kabinett trocken - recht weich, gelbfruchtig, überraschend eigenwillig und zum Glück nicht zu süß mit herbem Nachgang – schönes Spiel der Akzente. Stilistisch von gleicher Art ist der 2016er VDP.Ortswein, bei dem uns jedoch eine präsente Bitternote störte. Die Spitze markiert auch zehn Jahre später noch der 2009 Weißburgunder Blankenhornsberger Doktorgarten GG mit überreich sortentypischer Aromatik und kräuterigen Akzenten. Stark und kräftig im Mund, weich, ja cremig, langer Abgang, eine Köstlichkeit. Der 2011er wirkt schlanker und macht eher dem Kabinett Konkurrenz. Die 2014er und 2015er Großen Gewächse benötigen im Frühsommer 2019 noch Zeit - sehr viel Zeit.

Rotweine

Der in der Klasse der "Alltagsweine" spielende 2015er VDP.Ortswein ist ein zwetschgenfruchtiger, extrem saftiger und vollmundiger Wein mit starken Akzenten von schwarzem Pfeffer und einem Potpourri getrockneter italienischer Kräuter. Unbedingt sein Geld wert trotz des mittlerweile beachtlich gestiegen Preisniveaus im Blankenhornsberg. Die tiefdunkle 2007 Spätburgunder Spätlese trocken aus der Spitzenlage Doktorgarten ist ein saftig-kräftiges Beispiel für die Aromenwelt der vorweihnachtlichen Küche: Vanille, Nelken, Zimt, Kardamom, rauchige Noten, getrocknete Früchte, helle Schokolade, und der gekonnte Barriqueausbau sorgt für das Quentchen Toast und angenehme Weichheit. Der 2010 Spätburgunder GG Barrique ist auch so ein Meisterstück: im Duft Kirsche, Zwetschge, Holz, Pfeffer, Nelke, Zimt, es mag nicht enden. Im Mund explosive Entfaltung starker Frucht- und Holznoten, zunächst hitzig, dann weich und im Abgang ungemein kraftvoll. Natürlich: ein schwerer und schwierig zu trinkender Wein, dabei markieren 13 Vol% heute gar nicht mehr die Grenze des Erträglichen. Auch in dieser Klasse hält der Blankenhornsberg über die Jahre eindrucksvoll das Niveau: der 2015er duftet ebenso würzig-exotisch, wirkt im Mund seidenweich, schmeichelnd, südfruchtig süß und täuscht spielend über seine enorme Kraft hinweg. Große Gastronomieweine.

"Bacat" steht für "Badisches Cuvee alternativer Traubensorten". So ist der Bacat Rot QbA trocken (o. J.) eine Querlese von Freiburgs roten Neuzüchtungen, nicht weniger als fünf versammeln sich hier: Cabernet Carbon, Cabernet Carol, Cabernet Cortis, Monarch und Prior. Alles weitere verläuft erfahrungsgemäß: Farbe dunkelviolett, schwerer Duft von Schwarzkirsche, Lakritz, etwas Rumtopf, im Mund dann plötzlich locker, leicht, Brombeeren, Blaubeeren, die üblichen Zähneblaumacher. Nach hinten recht lang mit weißem Pfeffer, schönem Kirschakzent und Bitternote. Stilistisch trocken, sogar adstringierend, feine, am Schluß etwas zustechende Säure, kurzum: die vorhersehbare Duft- und Geschmackswelt roter Neuzüchtungen. Aber natürlich ist dieses Bacat-Sortenpotpourri eine ganz nette Abwechslung, möchte man die Komplexität dieser hervorragenden Spätburgunder einmal abschütteln. Den fruchtig-rauen 2017 Bacat Rosé feinherb tranken wir auf Blankenhornsbergs Sonnenterrasse mit Blick tief hinein in die Vogesen. Paßte.

Süßweine

Die 2007 Scheurebe Auslese (Beispiel für teerschwangeren Botrytisduft) hat reiche, saftige Aromen von Orangeat, Zitronat, Honig und Kandis, bittere Noten, feinste Säure und ist in der Textur weich und glatt, dabei nicht einmal unbedingt langweilig. Eine Faßprobe der 2011 Muskateller Auslese duftete im Herbst 2012 intensiv, fast beißend, wirkte im Mund schlank, war in sehr seidig und im mittleren Nachgang ebenfalls sanft. Ihre reiche Aromatik blieb geradezu am Gaumen kleben, und diese Bewertung gilt uneingeschränkt im Spätsommer 2013: ebenso intensiv und jugendlich frisch. Schließlich bietet das Weingut eine 2011 Solaris Beerenauslese Solaris ist eine frühreifende Sorte, was heutzutage in Richtung August geht. Im Duft Passionsfrucht und Blutorange, im Geschmack fast eindimensional süß, Tropenfrüchte, Honig, feine, gerade noch spürbare Säure. Sehr vollmundig, langer, sehr glatter Nachgang mit fast unangenehm klebrigem Nachgeschmack. Auch hier interessante Exotik, mehr scheint die Solaris nicht bringen zu können.

Wir probierten noch 2016 Solaris Auslese und 2015 Muskateller Auslese, wurden damit aber ebensowenig warm wie mit fast allen anderen Süßweinen aus dem Kaiserstuhl.