Das Staatsweingut Freiburg ist Aushängeschild und Vermarktungsplattform des staatlichen Weinbauinstituts Freiburg und bewirtschaftet 24 ha in der Ihringer Spitzenlage Doktorgarten und 13 ha in Einzellagen um Freiburg. Die Weine und ihr Drumherum - Produktion, Service, Versand - sind von eindrucksvoller Perfektion, das Verkaufshaus auf dem Grat des Blankenhornsbergs in der Nähe von Ihringen ist von mediterraner Schönheit, und aus der Ferne grüßen die Silos des Badischen Winzerkellers.

Weissweine

Der 2011 Silvaner Kabinett trocken ist kein erdiger Typ wie die meisten Franken, sondern fruchtig, säurereich, vollmundig, saftig und nicht allzu trocken. Florale Aromen bäumen sich vor dem relativ kurzen Nachgang schön auf. Er ist interessanter als der steinig-bittere 2011 Auxerrois trocken, ein heller Wein mit zurückhaltender Aromatik, schmelzigem, bitterem Nachgang, aber zweifelhaftem Preis-/Leistungsverhältnis. Der 2010 Johanniter trocken hat interessante, süß-exotische Aromen von Ananas, Mango, Jasmin und ist des Jahrgangs wegen von schlanker, beinahe dürrer, mineralischer Art. Etwa einem Riesling vergleichbar, aber nicht für Freunde kräftiger Akzente. Der 2011er wirkt schwerer, voller, fruchtiger mit feinem mineralischen Beigeschmack. Die Vermarktung dieser Weine dürfte wegen des einfach nicht passenden Preis-/Leistungsverhältnisses schwierig sein. Viel mehr beeindrucken uns die Weißburgunder vom Blankenhornsberg: 2011 Weißburgunder Kabinett trocken - ein relativ weicher, fruchtiger, nicht allzu sortentypischer und nicht zu süßer Wein mit überraschend herbem Nachgang – schönes Spiel der Akzente. Die Spitzenklasse markiert der 2009 Weißburgunder Blankenhornsberger Doktorgarten GG mit überreicher sortentypischer Aromatik, kräuterigen Akzenten und Cremigkeit – stark und kräftig im Mundgefühl, weich und lang im Abgang. Könnte noch zehn Jahre vor sich haben. Der 2011er wirkt schlanker und macht eher dem Kabinett Konkurrenz. Diese weißen Burgunder sind zusammen mit den roten die Spitzenprodukte vom Blankenhornsberg.

Rotweine

2009 Spätburgunder Kabinett trocken ist in seiner Aromatik sortentypisch, in der Stilistik zurückhaltend und ausgewogen. Nicht allzu komplex. Ein preiswerter Wein für das, was er bietet: Einsteigerwein. Die Jahrgangscuvee "J. B." Spätburgunder QbA trocken aus 2006er bis 2008er Jahrgängen, ein dunkler, intensiver, typischer Spätburgunder mit Kirsch-, Beeren- und Gewürznoten und warmen Barrique-Aromen wie Süßholz und Vanille. Zunächst mit seltsam saurem Beiton, der sich nach genügend Luftkontakt am besten mit Sternfrucht umschreiben läßt. 2007 Spätburgunder Spätlese trocken aus der Spitzenlage Blankenhornsberger Doktorgarten ist ein tiefdunkler, saftig-kräftiger Wein mit Aromen von Vanille, Nelken, Zimt, Kardamom und rauchigen Noten, pechschwarzen Früchten, dezenter Schokolade, ein Winterwein. Der Barriqueausbau sorgt für eine Toastnote und angenehme Weichheit. Der 2010 Spätburgunder GG Barrique ist ein weiteres Meisterstück. Im Duft Kirsche, Zwetschge, Holz, Pfeffer, Nelke, Zimt, es endet einfach nicht. Das Ganze beißt etwas in der Nase: der Wein ist noch sehr jugendlich. Im Mund dann explosive Entfaltung starker Frucht- und Holznoten, zunächst hitzig, dann weich und im Abgang sehr kräftig. Ein schwerer Wein, dabei markieren 13 Vol% heute gar nicht mehr die Grenze des Erträglichen. Jedenfalls kommt Abril mit seinem 15 Vol%-Spätburgunder qualitativ nicht im entferntesten an diesen hier heran.

"Bacat" steht für "Badisches Cuvee alternativer Traubensorten". So ist der Bacat Rot QbA trocken (o. J.) eine Querlese von Freiburgs roten Neuzüchtungen, nicht weniger als fünf versammeln sich hier: Cabernet Carbon, Cabernet Carol, Cabernet Cortis, Monarch und Prior. Alles weitere verläuft erfahrungsgemäß: Farbe dunkelviolett, schwerer Duft von Schwarzkirsche, Lakritz, etwas Rumtopf, im Mund dann plötzlich locker, leicht, Brombeeren, Blaubeeren, die üblichen Zähneblaumacher. Nach hinten recht lang mit Pfeffer, schönem Kirschakzent und Bitternote. Stilistisch trocken, sogar adstringierend, feine, am Schluß etwas beißende Säure. Und interessant ist, daß eigentlich fast alle roten Neuzüchtungen genau diese Duft- und Geschmackswelt sowie Stilistik aufweisen. Gesamteindruck: Schulterzucken. Netter Exot.

Süßweine

Die 2007 Scheurebe Auslese (Beispiel für teerschwangeren Botrytisduft) hat reiche, saftige Aromen von Orangeat, Zitronat, Honig und Kandis, bittere Noten, feinste Säure und ist in ihrer Textur weich und glatt, ohne langweilig zu wirken. Eine Faßprobe der 2011 Muskateller Auslese duftete im Herbst 2012 intensiv, fast beißend, wirkte im Mund schlank, war in ihrer Textur sehr seidig und im mittleren Nachgang ebenfalls sanft. Die reiche Aromatik blieb geradezu am Gaumen kleben. Und diese Bewertung gilt uneingeschränkt im Spätsommer 2013: ebenso intensiv und jugendlich frisch. Schließlich bietet das Weingut eine 2011 Solaris Beerenauslese Solaris ist eine frühreifende Sorte, was heutzutage in Richtung August geht. Im Duft Passionsfrucht und Blutorange, im Geschmack fast eindimensional süß, Tropenfrüchte, Honig, feine, gerade noch spürbare Säure. Sehr vollmundig, langer, sehr glatter Nachgang mit fast unangenehm klebrigem Nachgeschmack. Auch hier interessante Exotik, mehr bringt die Solaris im Moment nicht.