Einen 2007 Spätburgunder lieblich von Brodbeck lernten wir im tristen Dezember 2010 in einem Oberbergener Restaurant kennen: im Glas recht dunkel, der erste Schluck nur süß und unkompliziert, aber dann machen sich der überraschend füllige Körper und saftige, cremige Textur bemerkbar, wie sie ölig die Kehle hinunterfließen, die Süße eine leichte Bitternote annimmt, gut eingebundene und angenehme Säure hinzukommt, und alles sich mit trockenem Nachgang verabschiedet. Taugt eher als Alleinunterhalter denn als Dessertbegleiter, ist aber viel interessanter im Spiel mit foie gras oder leichten Pasteten, und das brachte uns dann auf die Idee: das ist der bessere Trollinger!

In Erwartung ähnlich reicher Weine begaben wir uns in das nicht eben aufregende Ambiente von Brodbecks Weingut und waren erstaunt. Einige seiner Spätburgunder mit diesem Duft gezuckerter Erdbeeren, die Blancs de Noir, die Müller-Thurgau schweben mit beeindruckender Leichtigkeit über die Zunge, ohne Aromatik und Körper zu opfern. Brodbeck gelingt hier ein Balanceakt, denn mit Alkohol geizen die Weine nicht. Vielleicht liegt darin das Geheimnis der 2009 Müller-Thurgau Spätlese, die sich im Frühjahr 2013 zwar nicht mehr spritzig, aber weich und sehr saftig zeigt und aromatisch von vollreifen gelben (fast braunen - Banane!) Früchten bestimmt ist. Die schon auf der Lauer liegende Altersnote - obwohl die Weinfarbe keinerlei Verfall ankündigt - bringt mit überreifem Kernobst Spannung in die liebliche Aromatik. Und mit dem 2007 Spätburgunder trocken setzen wir im Januar 2015 eins drauf: der erdbeer- und haselnußduftige Wein hat keinen unbedingt reichen und festen Körper mehr, ist aber weit entfernt davon, ausgezehrt zu wirken. Aromatisch zunächst kräuterig herb, entfaltet er seine Fruchtsüße erst im Nachgang. Noch saftig und sehr weich, fast ohne Säure mehr.

Brodbeck baut auch den relativ seltenen Muskat-Ottonel an: 2009 Muskat-Ottonel ObA, eine im Anbau heikle, anspruchsvolle und ertragsarme Sorte und verständlicherweise nicht gerade Favorit der Winzer. Brodbeck macht daraus einen frisch-fruchtigen und vom Restzucker her noch akzeptablen Terrassenwein, der nicht ohne pikante Noten ist. Auch er war im Sommer 2013 ohne Makel zu genießen und fing erst im Sommer 2015 an, langsam abzubauen, sprich: leise Kokosnoten schlichen sich ein. Dieser Muskat-Ottonel spielt in der Klasse der wirklich hochwertigen Kaiserstühler Müller-Thurgau von Patrick Engist und Thomas Schätzle. Da kommt Brodbecks “echter” Müller-Thurgau nämlich nicht ganz mit.