Der Badische Winzerkeller verarbeitet Trauben tausender Betriebe zwischen badischem Frankenland und Bodensee; die Gesamtrebfläche soll rund 2500 ha betragen. Schon von Weitem grüßt das gewaltige Lagerhaus der Genossenschaft auf einem ehemaligen Deutz-Geldermann Gelände. Auf den Parkplätzen drängeln die Busse der Butterfahrten. Wie in der Maginot-Linie bewegt man sich in den Kellern am besten per Fahrrad. Die zu Dutzenden im Glied stehenden Dreihunderttausendlitertanks sind technische Meisterstücke, ausgefeilte chemische und mikrobiologische Analysen garantieren ISO-zertifizierte Qualität. Das eigentlich von uns gesuchte Gräflich Kagenecksche Gut ist vom Badischen Winzerkeller längst geschluckt und lebt als so etwas wie die adlige Linie fort - mit Weinen von ein bißchen mehr Tiefe, Holz und Golddruck (in den Hitlisten kommentieren wir einen der Spätburgunder).

Wir stellen hier nicht die Weine vor, die der Winzerkeller vertreibt; deren schiere Vielzahl verbietet es. Bereits der Probier- und Verkaufssaal verlangt Minuten der Orientierung zwischen den Regalfluchten. Das Marketing des Winzerkellers übertrifft sich in der Schaffung mehr und minder phantasievoller Namen, Lagen, Produktlinien en masse und endet in Belanglosigkeit, wie das Deutsche Weingesetz es will. Kaufen Sie den Wein, dessen Flaschenetikett gefällt, für unproblematischen Konsum - wobei unserer Ansicht nach badische Massenweine denen anderer Regionen qualitativ immer noch überlegen sind: die Linie "Martin Schongauer" zum Beispiel ist in wirklich jedem Discounter gegenwärtig, ihre Qualität unverdächtig und jedem Pseudo-Italiener oder den aus Traubenmüll gekelterten Billig-Australiern vorzuziehen. Mit einem annehmbaren Müller-Thurgau für unter drei Euro aus der Literserie "Heinrich Hansjakob Köndinger" (2009 Burg Lichtenberg Müller-Thurgau QbA trocken) kann man in der sommerlichen Gartenrunde einfach nichts falsch machen, und Hansjakob bietet 2015 sogar einige Neuigkeiten wie eine Cuvee aus Rivaner und Grauburgunder an. Außerdem war das Gros der Sekte, die wir probierten, von gutem Preis-/Leistungsverhältnis.

Nicht zu erwarten war der kundig-freundliche Service jener Dame, die eine vielseitenstarke Weinkarte vorlegte, aus der Proben in beliebiger Zahl gewählt werden konnten. Sie klagte am Schluß, wir hätten sie zu wenig gefordert: chapeau.

Wir werden den Badischen Winzerkeller wohl nicht mehr besuchen, denn an Industrieproduktion sind wir nicht interessiert. Wir gehen aber beeindruckt von dem, was die moderne Weinerzeugung, ihre Logistik und ihr Vertrieb leisten, und deswegen ist der Winzerkeller den Besuch wert.