“Schwarzer Rappe” ist eine Produktlinie der WG Besigheim und zwar, wenn wir recht verstehen, deren Spitzenlinie. Mit nobel anmutender Ausstattung, auch wenn langsam jede Genossenschaft den Charme von Gold auf Schwarz entdeckt hat. Mit exklusivem Vermarktungskonzept: man findet den Schwarzen Rappen nicht einfach im Getränkehandel, sondern möge Bezugsquellen erfragen. Soweit alles gelungen. Die Weine selbst scheinen für genossenschaftsgeplagte Gaumen eine Art Erweckung zu sein, sie räumen nämlich im Schweinsgalopp Preismünzen ab (was nichts heißt). Wer den Mund aber so voll nimmt, muß sich dem Vergleich mit anderen Rasseweinen stellen.

Nachtrag 2015: Ein exklusives Vermarktungskonzept funktioniert immer. Wenn die Kundschaft mitspielt. Jedenfalls werden die Weine nun doch über Getränkemärkte vertrieben.

Durchwachsener Start...

Beim 2011 Sauvignon blanc QbA trocken bockt der Rappe heftig. Aromatisch eintönig und fast aggressiv vordergründig mit intensiven grün-vegetativen Noten wie Gras und Spargel, die auf zu frühe Lese hindeuten. Kaum genießbar. Der Vergleich mit einem Sauvignon blanc aus der "Generation"-Linie des Sankt Annagarten muß deshalb entfallen. Mit dieser Erfahrung lassen wir den Riesling gleich mal beiseite. Er wäre kaum Maßstab für Weine von Eißler, Kraft oder Klein. Kein weißer schwarzer Rappe also? Der 2013 Muskateller trocken ist ein interessanter Wein. Er ist geradezu aggressiv sortentypisch, man hat die pure süße Traube im Glas und sonst nichts. Er läßt keine Nebenakzente zu, ist eintönig reintönig. Unverfälscht, wenn man will, Muskateller in Reinkultur. Nicht sehr trocken, süffig, kühl, klar, und er bereitet ohne Zweifel Trinkvergnügen. Der 2015er ist bedeutend facettenreicher, sogar eleganter, und mit ihn beginnt das Projekt "Schwarzer Rappe" so etwas wie Charakter zu bekommen. Ähnlich konsequente Machart, nur viel ausgewogener, bietet der 2014 Chardonnay trocken: archetypisch, sofern man das bei Chardonnay sagen kann, geht er mit seinem etwas fetten Stil und erträglicher Vanillearomatik in die amerikanische Richtung. Ein gefälliger Wein mit feiner Säure, reichem Mundgefühl und langem Nachgang. Sieh an: sie könnens ja doch und zwar immer mehr, denn der 2016er Chardonnay erinnert an einen weichen, saftigen, würzigen und nicht zu süßen Badener Weißburgunder, der nicht mehr nur gefällig ist, sondern wie der Muskateller Eleganz zeigt.

Zu den Roten und zwar zum Samtrot. Wer jemals Michael Schiefers Interpretation trank, weiß, wozu die Traube imstande ist. Die Aromatik des 2012 Samtrot QbA lieblich läßt sich dagegen kurz und knapp mit Kaugummiautomat umschreiben.

...gute Rotweine...

Mit dem 2012 Trollinger QbA feinherb kommt der Rappe in Trab. Aromatisch etwas rote Johannisbeere, später viel Walderdbeere. Stilistisch ist kaum etwas von der trollingertypischen Cremigkeit zu spüren, das nimmt ihm aber nicht den Schwung. Für einen feinherben Genossenschaftler ist er ungewöhnlich ausdrucksvoll, für einen ernstzunehmenden Trollinger genau richtig. Nach hinten nicht besonders ausdauernd, aber man kann nicht alles haben. Sein 2010er Vorfahre - geöffnet im September 2015 - wirkt uneingeschränkt frisch und sehr süffig, fast zu sehr: er taumelt angsterregend auf dem Grat zwischen feinem Kräuterakzent und Limonade, stürzt allerdings nicht ab. Der 2011er Schwarzriesling, pardon: Pinot Meunier trocken, wie es prätentiös heißt, ist wiederum untypisch herb, dunkelfruchtig und wirkt mit seiner Säure lebendig und saftig. Nicht besonders vollmundig, aber er genügt dem Anspruch der Marke.

Der 2012 Lemberger QbA trocken ist ein leichter, beerenfruchtiger Vertreter ohne hervorstechende Eigenschaften. Durchaus nicht langweilig: sauber gemacht, stilistisch ausgewogen, geschmacklich transparent, nicht zu süß, vielmehr eine Art hochwertiger Basiswein. Wir verglichen ihn mit Supermarktstoff (2011 Besigheimer Felsengarten Lemberger in der Literflasche) und dessen Klebrigkeit, wie sie nur Genossenschaften zuwege bringen, und der Qualitätsunterschied ist bemerkenswert. 2009 Lemberger trocken Barrique mit schwarzem statt weißem Etikett. Sieht wirklich gut aus. Und guter Wein: stilistisch durchaus tief, samtig, trocken, feines Säurespiel. Aromatisch schwarzfruchtig, etwas Liebstöckel, Toast und Holz. Nicht allzu voll und abermals zu kurz. Die Website des Schwarzen Rappen jubelt: “Die Barriquereife ebnet diesem Lemberger zweifellos den Weg in den Olymp der Württemberger Rotweine” (Korrektur dreier Schreibfehler in einem Satz durch uns). Wir erlauben uns, Wasser in diesen Olymp-Wein zu gießen und festzustellen, daß man sich mit ihm nicht blamiert, wenn man ihn Gästen serviert. Vorausgesetzt, die Lemberger von St. Annagarten, Supp, Waldbüsser usw usf, von Eberhard Klein oder Hartmann Dippon ganz zu schweigen, stehen nicht in der Nähe.

2017: Zeit für ein neues Fazit

Nach mehreren Jahren - äußerst - kritischer Begleitung freuen wir uns festzustellen, daß das Projekt "Schwarzer Rappe" zu gelingen scheint. Zwar mit Unterstützung einiger hervorragender Jahrgänge, aber die genossen andere Genossenschaften ja auch, und viele davon zeigen bestenfalls Seitwärtsentwicklung. Sicher ist der Rappe noch nicht dort angekommen, wo seine Macher ihn zu sehen glauben, und er wird das höchstwahrscheinlich nie tun. Aber die Weine beginnen Typizität widerzuspiegeln, sie machen wie der Lemberger Spaß und sind wie Chardonnay und Muskateller anspruchsvollen Gästen jederzeit zumutbar.