Die Holleriths bringen mit ihren Sauvignon blanc - auch als fumé - und Syrah ein Stück Loire beziehungsweise Sancerre in die Pfalz. Auf rund 10 ha wird das übliche Pfälzer Rebsorten-Sammelsurium angebaut; reinsortige Abfüllungen von Neuzüchtungen gibt es mit Ausnahme des Dornfelder nicht. Das Programm von rund 30 Positionen ohne Sekte und Destillate kreist jedoch um einige im Barrique ausgebaute, lange reifende Rotweine, vor deren Hintergrund alles andere, sogar Riesling, nur die Abrundung darstellt. Die Reben stehen am Maikammer Heiligenberg und geben die lehmige Schwere der Böden eindrucksvoll an die Weine weiter.

Hollerith zählt zu jenen Gütern, die auf Gastronomie und Fachhandel spezialisiert sind: Öffnungszeiten für die Laufkundschaft gibt es nicht, Terminvereinbarung ist deshalb empfohlen. Oder man begibt sich gleich in den Ortskern von Maikammer und erwirbt die Weine dort.

Barriqueweine

Nicht unerwartet benötigt Holleriths Barriqueklasse viel Zeit zur Reifung - auch lange nach ihrer Abfüllung. Der knochentrockene 2014 Pinot Noir verbrachte zwar immerhin zwei Jahre in neuen und gebrauchten Barriques, wirkt im Sommer 2019 aber derart ungestüm, daß seine feinen floralen Noten, die Sommerkräuter und die Frucht herber roter Beeren vom Tannin noch zugedeckt sind. Unser vorläufiger Eindruck ist der eines aromatisch facettenreichen, samtigen, aber schwierig zu knackenden Tropfens, eines Pinot Noir für Spezialisten. Vorläufig gibt der raue, konzentrierte und viel preiswertere 2014 Heiligenberg Spätburgunder trocken aus dem gebrauchten Barrique eine Ahnung, in welche Richtung sich der Pinot entwickeln könnte.

No Limit: tatsächlich, was den Alkoholgehalt angeht, scheint es bei dieser 2015er Cuvee aus Merlot, Syrah und Cabernets keine Grenze nach oben zu geben (in Holleriths übrigem Programm freilich auch nicht). Einer jener weichen, dunkeldicken Schläfrigmacher, ungemein süffig, Balance zwischen intensiver blauer Frucht, winterlicher Würze, pfeffrigem Pieksen, einer, der das Zeug hat, samtig und seidig die Kehle hinunterzugleiten, wenn er dann in zwei, drei oder zehn Jahren seine Kanten abgeschliffen haben sollte. Langer, starker, fast beißender Nachhall. Insgesamt ein Wein, dessen Kompaktheit und Schwere etwas aus der Zeit gefallen scheinen, aber wen muß das stören. Der 2015 Merlot (2019er AP-Nr.) dürfte der momentan gelungenste Wein in Holleriths Programm sein: intensiver Duft von Nougat, frischem Tabak, süßen dunklen Beeren, im Mund saftig, weich und rundgeschliffen, dabei kräftig und würzig. Angenehm zurückhaltende, aber präsente Süße reifer Pflaumen und mediterraner Kräuter. Kompakt, füllig, dabei täuschend leicht wirkend, extrem langer und starker Abgang. Macht im Sommer 2019 nicht den Eindruck, als habe er seine Trinkreife bereits erreicht. Der Duft seines ein Jahr früher abgefüllten Pendants 2015 Syrah erinnert dagegen an Pfeffer, Pflaumenwürze, Schießpulver, und im Mund wirkt unser sorgfältig - also niedrig - temperierter Wein verschlossen. Erst langsame Erwärmung weckt seine Aromatik von blauen Früchten, weißem Pfeffer, der sich geradewegs in Richtung Steakpfeffer entwickelt, und Gewürzen aus der Vorweihnachtsküche. Die phenolige Note bleibt präsent, samtige Textur zeigt sich, aber für ihre volle Entfaltung ist der Wein noch zu jung, sprich: seine Tannine haben sich noch nicht geglättet. Im Gegensatz zum Merlot, den man heute schon ziemlich begeistert genießen kann, empfehlen sich beim Syrah noch zwei Jahre der Zurückhaltung. Heißer Abgang und schwerer, fruchtiger Nachhall, typisch für Sorte und Alkoholstärke.

Besondere Holznoten konnten wir bei keinem dieser Weine erschmecken. Der gekonnte Mix aus neuen und gebrauchten Barriques verlieh den Pinot, Merlot, Syrah mehr Tiefe als Tertiäraromatik, und Vanilleliebhaber kommen hier nicht auf ihre Kosten. Das läßt der Frucht weiten Raum zu strahlen, und daß es sich hier nicht um besonders komplexe Weine handeln mag, nehmen wir angesichts des fruchtigen Vergnügens hin.

Zum Abschluß all dieser Alkohol- und Tanninbomben der 2018 Müller-Thurgau trocken aus der Literflasche, belebend, erfrischend, blaue Zähne reinspülend, leider zu einem Preis unterhalb fünf Euro viel zu billig, und der an die (auch preislich) saftigen Roten gewöhnte Kunde sollte sich nicht von diesen vier Euro nochwas abschrecken lassen: der Wein ist kristallklar, nicht zu süßer Boskop und feine Muskatnote im Nachhall, recht dicht und noch kräftig - ein feiner Müller, der seinen roten Geschwistern keine Schande macht und Holleriths anspruchsvolles Programm bodenständig abschließt.